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Wachstumsmarkt Fernost Anlegen in Vietnam

Siebzig Prozent der 84 Millionen Vietnamesen leben allerdings auf dem Land. Mit einem Einkommen von knapp einem Dollar am Tag merken diese recht wenig vom Aufschwung, in dem sich ihr Land gerade befindet. In den vergangenen Jahren wuchs die vietnamesische Volkswirtschaft regelmäßig über sieben Prozent. Allein in diesem Jahr flossen 8,5 Milliarden Dollar Direktinvestitionen in das Land. Pro Kopf mehr als in Indien oder China.

Investoren, die ihr Portfolio im asiatischen Raum diversifizieren wollen, setzen zunehmend auf das Land. Dagmar Alpen, Expertin für Emerging Markets bei Sal. Oppenheim, beobachtet eine große Verflechtung mit China:

„China tritt auf der einen Seite als Abnehmer vietnamesischer Produkte auf, auf der andere Seite aber auch als Konkurrent Vietnams auf den Weltmärkten. Es gibt zum Beispiel Schuhe die in China gefertigt werden, es gibt Schuhe die werden in Vietnam gefertigt. Beide werden in den USA angeboten.“

Enge Verflechtung mit China

Es scheint, als wiederholt sich in Vietnam die chinesische Geschichte von 2001. Ausländer entdecken den Markt für sich und bringen mit ihrem Geld den ersten Wohlstand. Einkaufszentren und Konsumtempel werden aus dem Boden gestampft. Das Baugeschäft boomt. Die enge Verflechtung mit China ist für die Experten allerdings kein Problem.

„Ich würde sagen, dass diese enge Verflechtung eher stabilisierend ist. Wenn China mal langsamer läuft - eine Sache, mit der man durchaus mal rechnen muss - dann wird zwar die Nachfrage aus China auch schwächer, aber gleichzeitig auch die Aktivität Chinas an den Weltmärkten. Die Vietnamesen bekommen Luft, weil ein Konkurrent etwas schwächer arbeitet.“

Besonders genau beobachtet Bernd Ehmke von der Landesbank Berlin die kleine aufstrebende Volkswirtschaft in Asien. Die Marktkapitalisierung der beiden Börsen dort ist gering. Weniger als 60 Werte werden derzeit gehandelt, so Ehmke:

„Es gibt dort eine Börse, an der Börse werden auch Aktien gehandelt, aber der Marktzugang insbesondere für ausländische Investoren ist doch sehr schwierig und sehr beschränkt. Es ist also eher möglich über Investitionen und über andere Börsenplätze in Vietnam zu investieren, als über die vietnamesische Aktienbörse direkt.“

Korruption ist großes Problem

Erste Fonds haben vietnamesische Werte oder auch Staatsanleihen als Beimischung aufgenommen. Dies ist eine gute Möglichkeit für Anleger, teilzuhaben an dem Aufschwung in Vietnam. Doch gerade den Erfahreneren dürfte die Asienkrise noch gut in Erinnerung sein. Mit ihr war der letzte Vietnamboom verpufft. Dagmar Alpen aber beruhigt:

„Diesmal ist die vietnamesische Volkswirtschaft besser aufgestellte. Es findet ein Industrialisierungsprozess statt, der vor zehn Jahren mit Sicherheit noch nicht so weit war. Zusätzlich ist es natürlich so, dass wir jetzt auch nicht die Instabilität in der Gesamtregion Asien haben. Das heißt, dass wir diesmal keine Asienkrise haben, mit der wir rechnen müssen.“

Die Landesbank Berlin will mit ihrem kürzlich begebenen Vietnam-Opportunity-Zertifikat auch auf den kleinen Wachstumsmarkt setzen. Seit seiner Emission hat das Zertifikat in nur wenigen Wochen eine rasante Entwicklung hingelegt. Trotz der positiven Einschätzungen der Experten kämpft das Land mit schweren Problemen. Eines der größten Probleme ist die Korruption. Die vietnamesische Regierung versucht mit Aufklärungskampagnen dagegen vorzugehen.

Insgesamt ist der IWF aber optimistisch für das Land - Er prognostiziert für 2007 ein Wirtschaftswachstum von fast acht Prozent.

Quelle: ntv.de