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Autokauf ist out Car-Sharing – ein neuer Wachstumsmarkt

Mit Chipkarten wie dieser können Carsharing-Kunden die gemieteten Autos öffnen - und sofort losfahren. (Bild: DB AG/Petsch/dpa/tmn)

Mit Chipkarten wie dieser können Carsharing-Kunden die gemieteten Autos öffnen - und sofort losfahren. (Bild: DB AG/Petsch/dpa/tmn)

Car-Sharing ist in, Autokauf ist out: Das Automobil als teuerstes Konsumgut verliert für Bewohner der industrialisierten Welt an Faszination. Inzwischen greifen sogar die Hersteller von Premiummarken den Trend auf. Car-Sharing ist ein Wachstumsmarkt, der aber noch in den Anfängen steckt.

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Friedrich Huber, Huber Reuss & Kollegen

Die meiste Zeit steht es herum. Es frisst Steuern und Versicherungsbeiträge. Und wenn man es bewegt, muss man viel Geld für Benzin ausgeben. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen beschließen, das Auto abzuschaffen. Vor allem junge Großstädter steigen auf das Fahrrad oder auf öffentliche Verkehrsmittel um. Doch manchmal kann man ein Auto ganz gut gebrauchen, etwa für Einkäufe, Ausflüge und Umzüge.

Wertewandel trifft Schlüsselindustrie im Nerv

Ein eigenes Auto gilt mittlerweile oft nur noch als Hilfsmittel, um von A nach B zu kommen, nicht mehr als Statussymbol, zu dem man eine emotionale Bindung hat. Dadurch gibt es einen Wertewandel in der Gesellschaft, der Deutschlands Schlüsselindustrie am Nerv ihres Daseins trifft. Das Automobil als teuerstes Konsumgut der industrialisierten Welt verliert zunehmend an Faszination.

War das Car-Sharing vor zwanzig Jahren noch ökologisch motiviert, politisch stark aufgeladen und meist privat organisiert, bringen sich mittlerweile auch Konzerne in das Geschäft ein. Die Deutsche Bahn hat mit Flinkster einen eigenen Car-Sharing-Dienst. Daneben gibt es in Berlin vier weitere große Car-Sharing-Firmen nach klassischem Muster mit festen Stationen.

Daimler und BMW erkennen das Potenzial

Hinzu kommen zwei Anbieter mit neuem Geschäftsmodell: Es gibt keine festen Park-Stationen für die Autos, sondern eine flexible Flotte, die sich über die Stadt verteilt. Dieses Konzept verfolgen der Autohersteller Daimler und der Autovermieter Europcar mit ihrem Gemeinschaftsprojekt Car2go, das vor Kurzem in Berlin an den Start ging und über eine Flotte von 1000 Smarts verfügt. BMW und Sixt haben mit Drive-Now ein ähnliches Angebot. Innerhalb eines Kerngebiets können diese Wagen nach einmaliger Zahlung einer Anmeldegebühr per Internet geortet, gebucht, gefahren, und irgendwo abgestellt werden – wo sie dann der nächste Kunde findet. Während sich die Angebote bisher besonders an Privatkunden richteten, geraten nun zunehmend auch Firmenflotten in den Fokus der Anbieter.

Volumen von sieben Milliarden Euro

Noch ist der Car-Sharing-Markt überschaubar, aber er wächst. Waren es im Januar 2011 noch 190.000 Car-Sharing-Nutzer, stieg die Zahl zu Beginn dieses Jahres auf 220.000 – und der Trend hält an. Bis 2020 erwarten Experten in Europa ein deutliches Wachstum des Marktes auf ein Volumen von rund sieben Milliarden Euro. Dass dies nicht ohne finanziell nachhaltige Geschäftsmodelle geht, liegt auf der Hand. In den kommenden Jahren dürfte der Marktanteil der kommerziellen Anbieter daher deutlich zunehmen. Für vorausschauende Anleger können sich hier interessante Chancen ergeben.

Der Autor Friedrich Huber ist geschäftsführender Gesellschafter der Huber Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung und Experte des Internetportals Vermögensprofis.de.

Quelle: ntv.de