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Euro-Hilfspaket Was Anleger jetzt tun sollten

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picture alliance / dpa

Es ist ein klares Signal an die Märkte: Die EU schnürt ein gigantisches Hilfspaket, um den Euro gegen Spekulanten zu schützen. Mit bis zu 750 Mrd. Euro soll die Gemeinschaftswährung gerettet und gleichzeitig die Finanzmärkte beruhigt werden – rund 250 Mrd. Euro kommen dabei vom Internationalen Währungsfonds (IWF) – die Europäische Zentralbank soll die Maßnahmen u.a. durch den Ankauf von Staatsanleihen flankieren.

"Dieses Paket dient der Stärkung und dem Schutz unserer gemeinsamen Währung", sagte Kanzlerin Merkel. "Wir schützen das Geld der Menschen in Deutschland."

Worte die beruhigen sollen, doch ist das wirklich so? Können sich Anleger und Sparer jetzt also wieder entspannt zurücklehnen – oder  ist es nur die Ruhe vor dem nächsten Sturm?

Finanzanalysten sind in ihrer Meinung gespalten

Überwiegend positiv schätzt bspw. Klaus Wiener Analyst bei General Investments die jüngste Entwicklung ein: "Die EU hat die maßgebliche Entscheidung getroffen, um die spekulative Attacke gegen den Euro auszumerzen. Das sollte hinreichend sein, etwas Ruhe in den Markt zu bringen. Was getan wurde ist spürbar. Es ist eine sehr starke Botschaft an den Markt, dass man einen Fall des Euro nicht zulassen will."

Skeptisch zeigt sich dagegen Analyst Masafumi Yamamoto von Barclays Capital: "Das  sieht nach Notlösungen aus zur Behandlung von Symptomen. Das ist nicht die Art von Maßnahmen, mit denen die Probleme an der Wurzel gepackt werden."

Auch Heino Ruland von Ruland Research sieht die Maßnahmen kritisch: "Dies ist der Beginn einer 'Umverteilung von Einkommen-Gesellschaft', welche erfolgreiche Volkswirtschaften der Region schwächt…Das wird das Wachstum in der gesamten Region auf längere Sicht schwächen."

Auch die Regierungen der EU wissen natürlich, das die eigentliche Arbeit jetzt erst ansteht, will man nicht nur die Symptome kurieren, sondern auch an die Wurzel des Übels… Notorische Defizitsünder sollen zur Verschärfung des Sparkurses gezwungen werden. Betroffen sind Spanien und Portugal, neben Griechenland die Sorgenkinder in der Euro-Zone.

Aber was sollen Anleger in dieser verzwickten Situation tun?

Burkhard Wagner von Partners Vermögensmanagement: "Die Entscheidungen des Wochenendes dokumentieren, wie groß die befürchteten Probleme sind. Vorsichtige Anleger sollten eher Kasse machen und abwarten. Es werden noch günstigere Einstiegsmomente kommen."

Von einer ausgeprägten Euroschwäche geht Wagner unterdessen nicht aus: "Nach der Geburt des Euro war der Euro/USD bei 0,81. Es ist nicht auszuschließen, dass sich die Spekulation auch weiterhin gegen den Euro richtet. Jedoch erwarten wir mittelfristig keine Weichwährung."

Auch Volker Schilling von Greiff rät in Sachen Euro zur Ruhe: "Angst ist kein guter Ratgeber für die Kapitalanlage. Wer dem Euro nicht traut, der muss konsequenterweise in einer anderen Währung investieren. Doch welcher Währung kann der deutsche Anleger denn mehr Vertrauen entgegenbringen? Dem Yen, der Norwegischen Krone oder womöglich dem Dollar? Meist führen Entscheidungen in der Not vom Regen in die Traufe."

Torsten Iben von FinMedia rät zum Blick über den Tellerrand: "Anleger sollten jetzt unbedingt darauf achten, ihre Anlagen international zu streuen und nicht – wie leider in den meisten Fällen üblich – alle Eier in einen Korb zu legen. International streuen bedeutet, USA und Asien und insbesondere auch den heute noch als Emerging Markets bezeichneten Wirtschaftsräumen Aufmerksamkeit zu schenken. Denn genau diese Länder sind es, die bereits heute als Zugpferde der Zukunft viel schneller Führungspositionen einnehmen, als man es noch vor wenigen Jahren vermutet hat."

Alternative Investments als Alternative?

Auch alternative Investments können in Erwägung gezogen werden, von Schnellschüssen ist aber abzuraten: "Anleger sollten cool bleiben - überschnelle adhoc-Entscheidungen sind meistens auf Dauer problembehaftet. Schnelle Immobilienkäufe sollte man lassen (unbedingt auf Lage und Preis achten). Hier gilt es nicht nur das Kapital vermeintlich zu sichern, sondern auch Mietrendite zu erzielen.", so Wagner. Seiner Meinung, bleiben attraktive Aktien ebenso interessant wie Sachwerte. Anleger sollten dabei auf defensive Papiere und ein mittelfristig ausbaufähiges Geschäftsmodell (Ernährung, Versorgung etc) sowie auf Dividendenrendite achten.

Für Torsten Iben bleibt neben der eigenen Immobilie auch Gold eine interessante Anlage: "Auch wenn Gold keine direkte Rendite wie Zinsen erwirtschaftet, verspricht das Edelmetall zumindest einen Werterhalt bei der von vielen erwarteten Inflation." Darüber hinaus sollte man nicht die Augen vor guten Gelegenheiten verschließen: Energielieferanten der Zukunft sind der absolute Megatrend, denn nichts ist so notwendig wie Energie, so Iben.

Viel Energie werden auch die EU-Staaten benötigen, um das Vertrauen der Finanzmärkte wieder zu gewinnen und um Spekulanten in die Schranken zu weisen. Trotz aller Skepsis, müssen Anleger nicht überstürzt handeln – denn auch alternative Anlageideen sind mit Risiken behaftet. Dennoch gilt es in Zukunft wohl noch wachsamer zu sein und seine Anlagen breit zu streuen.

 

 

 

 

 

 

Quelle: n-tv.de