Wirtschaft
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Freitag, 17. Juni 2011

Jörg Bohn: Wie Markowitz "im Quadrat"

Hochverschuldete Staaten, schwankungsstarke Aktienmärkte, anziehende Inflation – wer heute Geld anlegen will, hat es nicht gerade leicht. Leider wurde die Glaskugel, die uns den Blick in die Zukunft erlauben würde, noch nicht erfunden. Was bleibt, ist eine Streuung des Vermögens, die den Anleger für alle Optionen wappnet – sozusagen Geldanlage nach „Markowitz im Quadrat“.

Die Menschen sehen sich nach Orientierung: Abermillionen verfolgten die Trauung von Prinz William und Kate Middleton am Bildschirm, Hunderttausende versammelten sich zu einer Heiligsprechung auf dem Petersplatz in Rom – beides Ereignisse, die wie solide Leitplanken wirken in einer Welt, deren finanzielle Basis seit der Finanzkrise 2008 nur durch extreme Stützungsmaßnahmen vor dem Zusammenbruch bewahrt zu werden scheint: Während die Europäer nach ihren Banken nun auch Staaten mit Riesensummen retten (müssen), überschwemmen die Vereinigten Staaten die Welt mit Dollars und halten die Zinsen unten. So entwerten sie ihre Währung und Schulden und exportieren Inflation in die Emerging Markets.

Politik löst die Probleme nicht

Der Punkt ist: Diese massiven Eingriffe der Politiker und Notenbanken lösen die Probleme nicht wirklich, verschieben aber die Koordinaten im Anlageuniversum grundlegend. Wie können Anleger auf diese ungewöhnliche Situation reagieren? Meines Erachtens am besten, indem sie das Gebot der Streuung konsequent beachten. Dabei sollten sie jedoch über die Erkenntnisse des US-Ökonomen und Nobelpreisträgers Harry Markowitz hinausgehen, die sich vor allem auf das Zusammenspiel von Aktien und Staatsanleihen bezogen. Markowitz‘ grundlegende Devise, nicht alle Eier in einen Korb zu legen, sollte daher auch für weitere Anlageklassen gelten. Interessant könnten sein:

Breites Anlagespektrum nötig

-Dividendenstarke Aktien: Mit solchen Aktien, etwa von Versorgern oder Nahrungsmittelherstellern, beziehungsweise Dividendenfonds nehmen Anleger am Wirtschaftswachstum teil und schützen sich vor Inflation, da diese Unternehmen höhere Kosten an die Kunden weitergeben können.

-Unternehmensanleihen: Weiter interessant sind auf Grund der attraktiven Zinsen Anleihen gut aufgestellter Unternehmen aus dem Investmentgrade-Bereich mit einer Laufzeit unter fünf Jahren. Wer sie bis zum Ende der Laufzeit hält, umgeht das Kursrisiko. Wegen der hohen Stückelung der Anleihen dürften für die meisten Anleger Fonds eine gute Wahl sein.

-Inflationsgeschützte Staatsanleihen: Papiere solventer Schuldner wie Deutschland sind eine gute Option für den (sehr) konservativ anzulegenden Teil des Vermögens. Durch den Inflationsschutz verlieren diese Anleihen nicht an Wert, wenn die langfristigen Zinsen steigen.

-Edelmetalle (physisch): Vor allem Gold dürfte in Zeiten der Unsicherheit seinen Wert bewahren und sollte daher als Anlageklasse nicht fehlen.

-Immobilie / Grundbesitz: Investitionen in das eigene Haus und das eigene Wohlbefinden lohnen sich im Grunde immer, wenn dazu kein Kredit aufgenommen werden muss. Auch der Kauf von Ackerland als grundlegender Sachwert kann eine Option sein.

-Währungen: Durch die Streuung des Vermögens auch auf andere Währungsräume wie Schweiz oder Kanada verringern Anleger die Abhängigkeit vom kriselnden Euro.

-Cash: Sollte es wegen einer größeren Krise noch einmal hart auf hart kommen wie im Jahr 2008, wird der Geldwert im Vergleich zu anderen Anlageklassen steigen. Das bedeutet: In der Folge lassen sich exzellente Kaufgelegenheiten nutzen.

Der Autor Jörg Bohn ist Vorstand und Chefstratege der Vermögensverwaltung Artus Direct Invest und einer der Experten des Internetportals Vermögensprofis.de.

Quelle: n-tv.de