Kolumnen

Frank Meyer Bernanke ist der größte Spekulant

Die Preise für Agrarrohstoffe schießen in den Himmel und geben den Verbraucherpreisen weltweit einen kräftigen Anschub. Auf politischer Ebene sind die Schuldigen längst benannt: Die Spekulanten. Den Rohstoff zum Spekulieren, nämlich billiges Geld, liefert dabei die US-Notenbank.

Frank Meyer

Frank Meyer

Wenn Baumwolle so teuer ist wie seit 150 Jahren nicht mehr, gibt das kreischende Schlagzeilen. Wenn der Ölpreis mehr als 100 US-Dollar kostet, klappen Laufbänder auf rot um und die Fragen nach dem Warum tauchen auf. In einem Meer von Experten finden sich die schnellen Antworten: Aufschwung, Nachfrage, Spekulanten. Doch die Hauptschuldigen bleiben ungenannt.

Dass es immer mehr Menschen zu ernähren gilt, ist eine Binsenweisheit. Dass sich zudem die Essgewohnheiten geändert haben, ist auch nichts Neues. Und dass der Trend bei den Chinesen zum Zweit-T-Shirt geht, ist Tatsache. Ja, der Chinese braucht zu viel, heißt es oft. Erinnern Sie sich, als die Milchpreise stark gestiegen waren, wurde auch der Chinese dafür verantwortlich gemacht. Dabei verträgt die Mehrheit der Leute im Reich der Mitte gar keine Milch. Doch in Argumentationsketten spielt das keine Rolle.

Binnen eines Jahres wurde Baumwolle um 165 Prozent teurer. Die Preise für Mais und Kaffee haben sich verdoppelt, ebenso liegen die Kurse für Silber und Palladium beim Doppelten dessen, was vor einem Jahr ausgerufen wurde. Öl klettert. Hafer sprintet. Sojabohnen springen. Es wirft die Frage auf, wer eigentlich die Preise wirklich antreibt.

Hühner ohne Fuchs

Darum geht es auf dem aktuellen Treffen der G-20 in Paris. Schon im Vorfeld ist man sich einig: Es sind die Spekulanten. Kampf ihnen! Dieser bösen Brut will man das Handwerk legen. Nein, erwarten Sie nicht viel von diesem Treffen. In den kleineren Runden in den letzten Monaten konnte man sich auch schon auf nichts einigen, nur auf warme und dünne Worte. Wieso sollten 20 gackernde Hühner mehr erreichen als sieben davon? Solange dort kein Fuchs auftaucht, bleibt es einfach nur laut und stickig.

Zurück zu den Spekulanten: Es stellt sich doch die Frage, wer diesen "Zockern" das "Zocken" ermöglicht. Wer gibt ihnen Zugang zum billigen Kredit, so dass sie zig-fach gehebelt im Weizenmarkt oder auch wahlweise in Mais, Kakao oder Reis toben können?

Soweit in Erfahrung zu bringen war, sind die Notenbanken dafür zuständig. Sie bestimmen den Preis des Geldes. Und sie drücken ihn künstlich unter Wasser, so dass sich die Großbanken leicht bedienen können. Diese geben ein Vielfaches auf dieser Basis als Kredit wieder heraus. Doch an wen? Wieso sollten sie Kredite an wen auch immer vergeben, wenn vor allem in den Industriestaaten mehr und mehr "Wirtschaftssubjekte" überschuldet sind? Dann doch lieber gleich selbst auf die Suche nach "Rendite" gehen. Auf diese Weise können auch die noch im Keller schlummernden und nicht in den Bilanzen auftauchenden Giftwässer mit Gewinnen aus den Spekulationen verdünnt werden.

Weizen-Wahnsinn

Sie haben sicherlich auch gehört, dass Sachwerte in Zeiten von Teuerung in Mode kommen. Auch das Essen ist Sachwert und gehört in die Rubrik. Der Begriff "Inflationsschutz" eignet sich hervorragend als Verkaufsargument für ETFs, ETCs, Zertifikate & Co. Steigende Preise ziehen Anleger an. "Seien Sie dabei!" steht verklausuliert auf hoch glänzenden Broschüren, von denen glückliche Menschen lächeln. Rein in die Weizenkonstrukte mit und ohne Währungssicherung! Ab an die Terminmärkte! Das ist schick! Dabei gehörten Weizen und Mais in den Mund - und schon gar nicht in den Tank. Doch sagen Sie das mal den Politikern, die den Wahnsinn mit der Versprittung von Nahrungsmitteln auch noch subventionieren.

Weltweit wurden im letzten Jahr 1,8 Milliarden Tonnen Getreide geerntet. 142 Millionen Tonnen wurden in Treibstoff umgewandelt. Sollten demnächst die Rapsfelder wieder blühen, erinnern Sie sich daran, dass zwischen Stuttgart und Hamburg 668 Kilometer liegen. Ein Auto mit Biodiesel benötigt für den Weg 47,4 Liter. Die entsprechende Menge Raps wächst auf 445 Quadratmetern oder zwei Schrebergärten. Ach, wir fahren ja künftig mit Bio-Ethanol…

Ja, den Spekulanten gehört das Handwerk gelegt, vor allem denen, die ihnen das Geld dafür leihen. Und in diesem Falle ist es Oberspekulant Ben Bernanke und auch seine Kollegen.

Quelle: n-tv.de

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