Kolumnen

Kommt die Santa-Claus-Rally? Es weihnachtet schwer

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(Foto: REUTERS)

An der Wall Street in New York geht es derzeit alles andere als besinnlich zu. Im Gegenteil: Der Dow- Jones-Index hat die 18.000 Punkte im Blick. Optimismus ist Trumpf. Das sollte zu denken geben.

Fröhliche Weihnacht, überall… und ganz besonders an der Wall Street. Während auf dem altehrwürdigen Parkett der New York Stock Exchange der Dow Jones immer weiter klettert und die 18.000 Punkte nahe wähnt, wurde draußen auf der kalten Straße der Tannenbaum aufgestellt: Knappe zwanzig Meter hoch ragt er aus einer überdimensionalen Geschenkbox, an den Zweigen hängen 500 große Kugeln und tausende kleiner Lichter. Und oben auf der Spitze steckt ein mächtiger Stern, zwei Meter im Durchmesser, der von weitem die Blicke auf den vorweihnachtlichen Zauber an der Börse lenkt.

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Zum offiziellen "Tree Lighting" – dem ersten Anzünden der Kerzen – versammelt sich die Börsengemeinde traditionell vor dem neoklassizistischen Finanztempel. Es gibt heißen Kakao. Keinen Glühwein, bitte, Gott bewahre... denn Alkohol im Freien ist in den USA verpönt. Dafür gibt es Weihnachtslieder. Zuerst von einem Schülerchor, dann von Erika van Pelt und Emily West. Die eine war Zweitplatzierte bei "America's Got Talent" und röhrt "Santa Baby", die andere lief einmal bei "American Idol" mit und singt "Have yourself a Merry Little Christmas" – naja, das war auch schon einmal besser. Vor ein paar Jahren kam das "Stille Nacht" von Liza Minelli, und Aretha Franklin gospelte im weihnachtlichen Geiste. Von Topstars heuer keine Spur, obwohl drinnen auf allerhöchstem Niveau gehandelt wird und amerikanische Aktien in ihrem scheinbar ewigen Bullenmarkt eine Rakete nach der anderen abfeuern.

Vielleicht schleicht sich bei Anlegern und Brokern so langsam der Gedanke ein, dass man hier einer Lüge aufgesessen ist... einem Märchen. Nein, nicht mit Weihnachten, sondern mit der Dauer-Rallye. Denn längst sind die Kurssprünge an der New York Stock Exchange auch mit der größten Fed-Euphorie nicht zu rechtfertigen. Der marktbreite S&P 500 hat in diesem Jahr 48 Höchststände erreicht – das gab es zuletzt 1929. Es folgte: Der "Black Tuesday", der bis heute schlimmste Börsencrash aller Zeiten.

Kommt nun bald das böse Erwachen? Vieles spricht dafür, vor allem die zahlreichen Indizes, aus denen Börsenexperten die Zukunft zu lesen versuchen. Die Volatilität spielt eine Rolle, in den Stimmungsindikatoren tauchen so gut wie keine Pessimisten mehr auf - kein gutes Zeichen, denn alles verfügbare Geld scheint bereits investiert zu sein. Es kann eigentlich nur noch nach unten gehen.

Und doch: Den aktuellen Bullenmarkt haben schon viele totgesagt... auch der Schreiber dieser Zeilen. Gönnen wir uns also eine Auszeit vor Weihnachten, denn ganz ehrlich: Der aktuelle Handel an den Börsen hat mit den Fundamentaldaten der Wirtschaft längst nichts mehr zu tun, andere Kräfte bestimmen ihn, und damit sind auch die historischen Vergleiche nicht zwingend akkurat. Hoffen wir also auf eine weitere Santa-Claus-Rally. Zünden wir ein paar Lichter an und hoffen auf eine Frö-hö-liche Weihnacht...

Quelle: n-tv.de

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