Kolumnen

Inside Wall Street Sozialismus beim Super Bowl

Am kommenden Wochenende stehen sich die Green Bay Packers und die Pittsburgh Steelers beim Super Bowl gegenüber. Die Wall Street drückt dem Team aus der Kleinstadt in Wisconsin die Daumen - wegen eines merkwürdigen Indikators.

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Die Wall Street setzt auf diesen Mann: Aaron Rodgers, Quarterback der Green Bay Packers.

(Foto: REUTERS)

Eine Woche vor dem Super Bowl geht es in den USA nur um eines: Wer gewinnt diesmal die Trophäe des besten Football-Teams? Die Green Bay Packers aus einer Kleinstadt in Wisconsin oder die Pittsburgh Steelers mit ihrem umstrittenen Quarterback Ben Roethlisberger? Auch die Wall Street hat den Super Bowl fest im Blick – nicht nur wegen eines merkwürdigen Indikators.

Der Super-Bowl-Indikator mag unter den Kaffeesatzlesern im amerikanischen Finanzdschungel zu den bekanntesten Richtungsweisern gehören – ernst genommen wird er aber nicht, denn eine echte Korrelation zwischen Football und Börse lässt sich natürlich nicht erkennen. Trotzdem hält man daran fest: Wenn beim Super Bowl, bei dem sich die Champions der beiden amerikanischen Football-Ligen gegenüberstehen, das Team aus der "American Football Conference" gewinnt, geht es für die Aktien bergab; gewinnt die Mannschaft aus der "National Football Conference", dann klettern die Märkte.

Wall Street hofft auf die Packers

Diese krude Theorie hat sich immer wieder bewiesen: In 83 Prozent aller Super-Bowl-Jahre hatte der Indikator recht. Und weil es ja nicht weh tut, auch einmal an verrückte Sachen zu glauben, drückt die Wall Street am Sonntag geschlossen den Green Bay Packers die Daumen. Die standen zuletzt 1996 im Football-Finale und siegten.

Überhaupt gehören die Packers zu den beliebtesten Teams der Liga. Sie kommen aus dem Mittleren Westen, spielen wie echte Männer bei Schnee und Eis und bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt. Viel interessanter: Sie kommen aus der kleinsten Stadt im amerikanischen Football-Universum. Green Bay, an der gleichnamigen Bucht des Michigansees gelegen, hat kaum mehr als 100.000 Einwohner und nur wenig Industrie.

Dass ein so kleiner Markt so ein erfolgreiches Team halten und finanzieren kann, liegt an einer Eigenart der amerikanischen Football-Liga: die praktiziert strengen Sozialismus. Die Haupteinnahmequelle der Liga ist der Verkauf der Fernsehrechte. Der gesamte Erlös kommt in einen großen Topf, und der wird zu gleichen Teilen an die 32 Teams verteilt. Ferner sind die Spielergehälter gedeckelt, und beim "Draft", der alljährlichen Wahl neuer Spieler aus der College-Liga, kommt der Gewinner des Super Bowl als letzte Mannschaft zum Zuge. So sind die Kräfte in der Liga immer gleich verteilt, die Spiele sind spannender und ein Team aus einer Kleinstadt in Wisconsin kann vom Titel träumen.

Rekordpreise für Werbespots

Dennoch ist der Sport nicht das einzige, was die Wall Street am Super-Bowl-Sonntag interessiert. Das Football-Endspiel ist Jahr für Jahr das größte TV-Ereignis des Landes und zieht entsprechend viel Werbung an. In diesem Jahr strahlt der Murdoch-Sender Fox das Spiel aus, die 30-Sekunden-Spots sind seit Wochen ausverkauft – zu einem Preis von jeweils 3 Millionen Dollar.

Unter Experten ist unumstritten, dass ein Werbeauftritt beim Super Bowl fast jede Summe wert ist. Immerhin schauen mehr als 100 Millionen Amerikaner zu, ein größeres Publikum gibt es nicht. Dauerkunden wie Budweiser und PepsiCo wissen das seit ewigen Zeiten, sie schalten mehrere Spots verteilt über die Spielviertel. Dabei greifen sie tief in die Trickkiste, um die Aufmerksamkeit der Verbraucher zu erhöhen: In den oft nur einmal ausgestrahlten Spots glänzt man mit Humor, Gimmicks und viel Prominenz.

Die Elektronikkette Best Buy lässt etwa Pop-Teenie Justin Bieber und Hardrock-Opa Ozzy Osbourne gemeinsam auflaufen, für den Turnschuhverkäufer Skechers geht Kim Kardashian an den Start. Mit spärlich bekleideten Models und für amerikanische Verhältnisse gewagten Anzüglichkeiten sorgt seit Jahren die Hosting-Company GoDaddy für Furore – mit Erfolg: Ohne die Spots beim Super Bowl wüssten bis heute nur eine Handvoll Geeks um die Seite, deren Kampagne mittlerweile Kultstatus hat.

Etwas Besonderes hat sich die Pizzakette Papa John's einfallen lassen. Man verspricht kostenlose Pizza für alle Super-Bowl-Fans, die sich auf der Website registrieren – wenn das Spiel in die Verlängerung geht. Die Aktion bringt der Pizzakette schon Tage vor dem Spiel genauso viel Aufmerksamkeit wie ein Werbespot, dürfte aber wesentlich billiger sein. Der Super Bowl ging nämlich bisher noch nie in die Verlängerung.

Quelle: ntv.de

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