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"Wachstum ist nicht alles" Die Weltbank hat verstanden

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Der Frühling ist die Zeit für Neues ....

(Foto: dpa)

Für die Kreuzigung Jesu ist nicht das gesamte jüdische Volk verantwortlich, Atomkraftwerke sind nicht sicher und Wirtschaftswachstum alleine macht eine Gesellschaft nicht glücklich. Bevor sich auf dieser Welt etwas ändert, müssen sich einige Institutionen offenbar erst einmal selbst überzeugen.

Dieser Frühling ist offenbar die Zeit der großen Erkenntnisse. Papst Benedikt XVI kommt zu dem Schluss, dass nicht das jüdische Volk als Ganzes für die Kreuzigung Jesu verantwortlich war, die FDP sieht ein, dass Deutschland sich schneller als vorgesehen von der Kernenergie verabschieden muss und nun stellt die Weltbank in ihrem jüngsten Entwicklungsbericht fest, dass Wirtschaftswachstum nicht das Maß aller Dinge ist. Die Konflikte in Nordafrika und dem Nahen Osten bewegen die Organisation zum Umdenken. Denn das Wirtschaftswachstum in Tunesien und Ägypten von jährlich fünf Prozent oder mehr hat die Menschen nicht glücklich gemacht.

Mal abgesehen davon, dass die Kreuzigung nun schon gut 2000 Jahre her ist und das Thema Atomkraft spätestens mit Tschernobyl seine Unschuld verloren hat, beschäftigen sich Ökonomen schon seit Jahrzehnten mit der Wachstumsfrage. Offiziell machte es der Club of Rome 1972 mit seiner Studie über die "Grenzen des Wachstums".

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... vielleicht auch für neue Schlussfolgerungen aus den Ereignissen in Ägypten und anderen nordafrikanischen Staaten ...

(Foto: AP)

Eigentlich ist es eine so simple Angelegenheit, das jede Diskussion überflüssig zu sein scheint: Solange Wachstum nur auf Kosten der Natur zu haben ist, muss es schon im Interesse der Menschheit Grenzen geben, weil die natürlichen Ressourcen begrenzt sind. Doch, ach, der Mensch ist nun mal schlecht und gierig. Und weil man niemanden ein glückliches Leben in Wohlstand verwehren kann, muss die Menschheit die Kosten tragen, lautet das Credo der Befürworter des Wachstums. Mahner, wie Alt-Bundespräsident Horst Köhler, der bei der Vereidigung der neuen Bundesregierung Kanzlerin Angela Merkel, ihre Minister und die Gesellschaft dazu aufrief "mit weniger Verbrauch glücklich und zufrieden" zu sein, wurden zwar gehört, aber in der Praxis selten ernst genommen.

Gleichzeitig ist es aber keine neue Entdeckung, dass sich die Zufriedenheit einer Gesellschaft nicht am Wirtschaftswachstum alleine abmessen lässt. Seit 1990 misst beispielsweise der Human Development Index der Vereinten Nationen neben der Wirtschaftsleistung eines Landes auch die Lebenserwartung, den Bildungsgrad und die Einschulungsquote. Mit dem Genuine Progress Indicator versuchen Ökonomen daneben herauszufinden, ob wirtschaftliches Wachstum tatsächlich zu steigendem Wohlstand führt. Den volleren Portemonnaies werden dabei die Kosten für Umweltverschmutzungen und Verbrechensbekämpfung gegenüber gestellt.

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... und der Tragödie in Japan.

(Foto: REUTERS)

Eines ist aber tatsächlich neu in diesem Frühjahr – zumindest für den durchschnittlichen Bürger der sogenannten westlichen Welt: Die Erkenntnis, dass die Menschen in Nordafrika und im Nahen Osten genug haben von Unterdrückung, korrupten Regierungen und hoher Arbeitslosigkeit. Und das sie bereit sind, für ein größeres Maß an Lebensqualität auf die Straßen zu gehen. Wirtschaftswachstum alleine hat sie nicht davon abgehalten.

Insofern hat die Weltbank in der Tat etwas sehr Wichtiges gesagt. Und vielleicht können die globalen Ereignisse in diesen Wochen, ob auf dem Tahir-Platz oder in Fukushima, herbeiführen, was noch nicht mal die Finanzkrise geschafft hat: Ein weltweites Umdenken.

Quelle: ntv.de

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