Marktberichte

Volatile Wall Street Ausverkauf bei Tech-Werten geht doch weiter

Eine Person tippt auf einem Laptop. Foto: Silas Stein/dpa/dpa-tmn/Symbolbild

Mal hoch, mal runter - wie es bei den Tech-Werten weitergeht, wirkt gerade undurchschaubar.

(Foto: Silas Stein/dpa/dpa-tmn/Symbolbild)

Wer dachte, der Ausverkauf der Technologiewerte an der Wall Street sei vorbei, wird nun eines besseren belehrt. Microsoft und Apple verzeichnen je ein dickes Minus - Nasdaq, Dow und S&P 500 sacken ab.

Die Wall Street hat angeführt vom Technologiesektor ins Minus gedreht. Die hohe Volatilität bei Technologiewerten in jüngster Zeit falle schon auf, hieß es. Mal marschierten die Sektorwerte vorneweg, mal hinkten sie hinterher. Richtig verwundert zeigten sich Händler über den neuerlichen Schwächeanfall des Technologiewerte nicht. Denn die Bewertung des Sektors sei weiterhin hoch - für manchen Marktbeobachter zu hoch. "Ein Rückgang dieser Größenordnung gegenüber dem Höchststand klingt zwar nach einer steilen Korrektur. Er fällt aber gering aus, wenn man bedenkt, dass sich der Index in nur fünf Monaten um 83 Prozent gegenüber den Tiefstständen vom März erholt hat", sagte Chefmarktstratege Hussein Sayed von FXTM mit Blick auf den technologielastigen Nasdaq-100.

Nasdaq Composite
Nasdaq Composite 12.094,40

Während Dow-Jones-Index 1,5 Prozent auf 27.535 Punkte ins Minus drehte, sank der S&P-500 um 1,8 Prozent. Die Indizes an der technologielastigen Nasdaq büßten bis zu 2,1 Prozent ein. Im Dow standen die Technologiewerte Microsoft und Apple mit Abgaben von 2,8 bzw. 3,3 Prozent ganz unten im Tableau. An der Nyse gab es 1.014 (Mittwoch: 2.292) Kursgewinner und 2.005 (742) -verlierer. Unverändert schlossen 71 (50) Aktien. Händler verwiesen auf den weiter eskalierenden Handelsstreit zwischen China und USA als Hauptbelastungsfaktor. Über 70 Prozent der US-Unternehmen erwarten laut amerikanischer Handelskammer in Schanghai operative Schwierigkeiten wegen der Spannungen in den nächsten drei bis fünf Jahren.

Negativ auf die Stimmung wirkte sich der politische Stillstand in Washington aus. Der aktuelle Vorstoß der Republikaner im Senat auf neue Coronahilfen stieß bei den Demokraten auf wenig Gegenliebe. Eine Einigung schien weiter nicht in Sicht. Die Lage am US-Arbeitsmarkt blieb indes angespannt und lud nicht zum Kauf von Aktien ein. Die wöchentlichen Erstanträge fielen entgegen der Markterwartung unverändert - hoch - aus. Analysten hatten einen leichten Rückgang prognostiziert.

Euro folgt Aktien gen Süden

Am Devisenmarkt büßte der Dollarindex 0,2 Prozent ein. Die Inflation in den USA zeigte auf Basis der Erzeugerpreise im August moderat nach oben. Ökonomen hatten mit einem etwas geringeren Preisauftrieb gerechnet. Entscheidend für die Dollarschwäche war aber die Euro-Stärke, auch wenn diese im späten Verlauf wieder auslief. Mit der Eintrübung der Stimmung am Aktienmarkt gewann der Dollar als vermeintlich sicherer Hafen an Zulauf.

Das Hauptaugenmerk am Devisenmarkt galt der Europäischen Zentralbank (EZB), die an ihrer Geldpolitik nichts änderte. Allerdings zog der Euro zwischenzeitlich etwas an. Denn EZB-Präsidentin Christine Lagarde sah für die EZB trotz der jüngsten Euro-Stärke keinen unmittelbaren Handlungsbedarf in Sachen Wechselkurs. Der Euro sprang kurz über die Marke von 1,19 Dollar und kam zuletzt auf 1,1816 Dollar zurück. Im Tagestief ging die Gemeinschaftswährung bei 1,1801 Dollar um.

Lageraufbau belastet Ölmarkt

Mit Abgaben zeigten sich die Ölpreise. Erstmals seit sieben Wochen waren die Erdöllagerbestände in den USA auf Wochensicht gestiegen, obwohl Analysten einen Rückgang prognostiziert hatten. Bei den bereits am Vortag veröffentlichten Daten des privaten American Petroleum Institute (API) hatte sich ebenfalls ein Lageraufbau gezeigt. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI fiel um 2 Prozent auf 37,30 Dollar, europäisches Referenzöl der Sorte Brent gab um 1,8 Prozent auf 40,06 Dollar nach.

Der Goldpreis drehte mit dem sich erholenden Dollar ins Minus. Der Preis für die Feinunze verbilligte sich im späten Geschäft um 0,2 Prozent auf 1.942 Dollar. Gestützt wurde das Edelmetall von den EZB-Aussagen, die eine lange Phase Tiefstzinsen bei steigender Geldmenge in Aussicht stellten.

Microsoft
Microsoft 213,87

Am Rentenmarkt stiegen die Notierungen mit den nachgeben Aktienkursen. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ermäßigte sich um 2,5 Basispunkte auf 0,68 Prozent.

Tiffany-Aktie mit LVMH-Gegenklage im Blick

Unter den Einzelwerten gewannen Tiffany 0,4 Prozent. LVMH will mit einer Gegenklage "wegen Krisenmissmanagements" auf die Klageankündigung von Tiffany reagieren. Der französische Luxusgüterkonzern hatte am Vortag die vereinbarte 16,2 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Tiffany faktisch platzen lassen. Als Reaktion hatte Tiffany angekündigt, den Deal gerichtlich durchsetzen zu wollen.

Navistar schossen um 13,8 Prozent nach oben. Traton hatte ihr Angebot für die restlichen Aktien des US-Nutzfahrzeugherstellers erhöht und bietet nun insgesamt 3,6 Milliarden Dollar. Die Aktien der Citigroup verloren 0,9 Prozent. CEO Michael Corbat wird im Februar nach etwa acht Jahren an der Spitze in den Ruhestand gehen. Nachfolgerin soll Jane Fraser werden, die seit 2019 das weltweite Privatkundengeschäft leitet. Mit Fraser rückt erstmals eine Frau an die Spitze einer großen US-Bank.

Die Titel des Nutzfahrzeugherstellers Nikola stürzten um 11,3 Prozent ab. Der Leerverkäufer Hindenburg warf dem Unternehmen in einer Veröffentlichung "komplizierten Betrug" vor. GameStop brachen um 15,2 Prozent ein. Der Einzelhändler verschreckte Anleger mit Zweitquartalszahlen unter Markterwartung.

Quelle: ntv.de