Marktberichte

"Fat Finger" greift nach VW Dax-Anleger scheuen das Risiko

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(Foto: dpa)

Am Ende sind es zu viele Dämpfer: Aus Athen, Moskau und Washington kommen bestenfalls durchwachsene Signale. Und so fehlt dem Dax die Kraft. Investoren gehen lieber auf Nummer sicher.

Der deutsche Aktienmarkt hat den letzten Tag der Handelswoche überwiegend in der Verlustzone beendet. "Die 10.800 Punkte scheinen kurzfristig das Ende der Fahnenstange für den Dax zu sein", sagte ein Händler schon am Vormittag. "Das ist nur eine kleine Pause vor dem Wochenende, echten Verkaufsdruck gibt es aber nicht", betonte Aktienhändler Andrea Tueni von der Saxo Bank. "Die Leute sind nur vorsichtig und haben Risikofaktoren wie Russland oder Griechenland im Hinterkopf."

Am Ende verlor der Dax 0,4 Prozent auf 10.694 Punkte. Dennoch ist der Januar für die Aktionäre super gelaufen. Seit Jahresbeginn hat das Börsenbarometer neun Prozent an Wert zugelegt. Der MDax büßte 0,3 Prozent auf 18.594 Zähler ein. Der TecDax stieg indes um 0,6 Prozent auf 1497 Stellen. Der Eurozonen-Leitindex Eurostoxx 50 büßte 0,8 Prozent auf 3346 Punkte ein.

Athen: Deutlicher Verlust für Banken

Am Nachmittag schob sich Griechenland ins Rampenlicht. Die neue Regierung geht auf Konfrontationskurs mit seinen Geldgebern und will nicht mit der Troika aus Europäischer Union, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) kooperieren. Dies versetzte der Athener Börse einen weiteren Schlag. Der griechische Bankenindex, der zunächst fast zehn Prozent im Plus gelegen hatte, rutschte ins Minus. Damit summiert sich der Wochenverlust auf knapp 38 Prozent. Das ist der zweitgrößte Kursrutsch seiner Geschichte. Der Ausverkauf griechischer Anleihen trieb die Rendite der dreijährigen Papiere  auf 19,423 Prozent. Das ist etwa doppelt so hoch wie in der Vorwoche.

Für etwas Ernüchterung sorgt laut Börsianern zudem die Verlängerung der Sanktionen gegen Russland. Die Sanktionen hätten zuletzt nicht nur das russische Wachstum gehemmt, sondern auch die Wirtschaft der Euro-Zone belastet, sagte Markus Huber vom Brokerhaus Peregrine & Black.

Lanxess erneut beliebt

Im Dax verloren allen voran Volkswagen und verbilligten sich um 2,9 Prozent. Mit Erstaunen wurde der Kursabsturz verfolgt. Als grund vermuteten Teilnehmer einen "Fat Finger" - also eine Fehleingabe. Dafür spreche auch das Volumen, das zu dem Zeitpunkt massiv in die Höhe geschnellt ist. Fast genauso schnell, wie es nach unten ging, holt die Aktie den größten Teil der Verluste wieder auf.

Eon gaben 1,4 Prozent nach. Auf den Papieren der Deutsche Telekom lastete der überraschend hohe Preise für eine US-Frequenzauktion. Sie sanken um 1,3 Prozent. Siemens büßten 0,6 Prozent. Goldman Sachs hat die "Conviction Buy"-Empfehlung zurückgezogen hat. Allerdings bleiben die Aktien weiter auf "Buy".

Gesucht waren am anderen Ende erneut Lanxess, für die es um 2,1 Prozent hinauf ging. Die Papiere werden weiter von den überraschend guten Ergebnissen gestrieben. ThyssenKrupp legten am Tag ihrer Hauptversammlung 2,1 Prozent zu. Der Stahlkonzern will die Geschäfte verbessern und zahlt wieder einen Dividende.

SMA Solar heben den Kopf

In der zweiten Reihe verbuchten Airbus die größten Abschläge mit minus 2,6 Prozent. Fielmann verbilligten sich um 2,5 Prozent. Im Handel wurde auf den erwarteten Börsengang des Wettbewerbers Grand Vision verwiesen. "Wer demnächst in eine Optiker-Kette investieren will, bekommt eine Alternative", hieß es. Aurubis gaben 2,4 Prozent nach.

Dagegen verteuern sich Salzgitter um 4,1 Prozent. Wacker Chemie zogen um 3,4 Prozent an. Aareal Bank kletterten um 1,8 Prozent. Hintergrund ist eine Großplatzierung im Volumen von über 500 Millionen Euro. Die Aktien wurden laut Händlern bei 31,50 Euro platziert und sehr gut aufgenommen.

Im TecDax erholten sich SMA Solar etwas und legten 5,1 Prozent. Die Kursgewinne führte ein Händler in erster Linie auf das Eindecken von offenen Leerverkaufspositionen zurück. "Der Umfang der Kostensenkungen liegt über den Erwartungen", sagte ein Händler. Damit könne bereits auf niedrigerem Umsatzniveau der Breakeven beim Ebit geschafft werden. Allerdings sei fraglich, ob die Kosten derart schnell gesenkt werden können, wie das Unternehmen dies in Aussicht stelle, sagt der Händler weiter. Nemetschek zogen 4,7 Prozent an. Die Analysten von Hauck & Aufhäuser (H&A) rechnen mit starken vorläufigen Viertquartalszahlen oberhalb der bisherigen Unternehmensprognosen und hoben das Kursziel an.

Quelle: ntv.de, jwu/DJ/rts