Marktberichte

Lufthansa-Aktie trudelt Dax dreht ab

Nur kurz währte am Dienstag der Höhenflug des Dax. Die Freude über die guten Geschäftszahlen von US-Unternehmen wie Amazon oder Lucent Technologies verflog umgehend, als die US-Leitbörsen nach freundlichem Start ins Minus drehten. Der Dax schloss sich an und drehte hinterher.

Die Anleger seien trotz vereinzelter guter Unternehmensnachrichten einfach immer noch sehr verunsichert, begründete ein Händler den Zick-Zack-Kurs der Aktienmärkte. Schließlich würden in dieser Woche noch Zahlen von rund der Hälfte der Dow Jones-Unternehmen und 155 der S&P 500-Unternehmen erwartet. Am Mittwoch legen zudem SAP und Siemens ihre Ergebnisse vor. So ging der Dax nach einem Tageshoch von 5.136 Punkten rund 100 Punkte niedriger aus dem Tag - 5.046 Zähler blieben übrig, ein Minus von 0,5 Prozent.

Technische Analysten warnten ohnehin vor zu großer Euphorie. Die starke Erholung der Aktienmärkte nach den Tiefstständen vom 21. September sei wahrscheinlich keine langfristige Entwicklung, so Michael Riesner von der DZ Bank. Aus technischer Sicht gebe es keine Hinweise, dass es sich um eine Trendwende gehandelt habe, so Riesner. Das Gegenteil sei der Fall, charttechnisch seien bei allen wichtigen Aktienmärkten die langfristigen Abwärtstrends intakt. Kleiner Trost: kurzfristig sehe es etwas besser aus, so Riesner. Nach den schwachen Kursen der letzten Tage seien die Aktienmärkte mittlerweile leicht überverkauft.

Kurz vor Eröffnung der amerikanischen Börsen sah noch alles nach einem rosigen Handelstag aus. Dazu trugen insbesondere Lucent Technologies und Amazon bei:

Der weltgrößte Telekom-Ausrüster Lucent Technologies hat seinen Verlust im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres auf 23 Cent je Aktie von 42 Cent im vergleichbaren Vorjahresquartal senken können. Damit übertraf Lucent die Erwartungen von Analysten, die ein Minus je Anteilsschein von 24 Cent prognostiziert hatten. Für das zweite Quartal gab sich das Unternehmen optimistisch und prognostizierte ein Umsatzwachstum von bis zu 15 Prozent gegenüber dem ersten Quartal.

Noch bessere Nachrichten gab es von Amazon.com : das Unternehmen hat den ersten Quartalsgewinn seiner Unternehmensgeschichte erwirtschaftet. Der Nettogewinn nach Kosten für Übernahmen, Aufwendungen für Akquisitionen und Zinsen liege bei 1 Cent je Aktie nach einem Minus von 1,53 Cent je Aktie im Vorjahr, so der Internet-Händler. Pro-Forma erwirtschaftete Amazon einen Gewinn je Aktie von 9 Cent und übertraf damit die Erwartungen von Analysten, die zwischen 4 und 8 Cent je Aktie prognostiziert hatten.

Weniger gute Nachrichten gab es von deutschen Unternehmen: Die Deutsche Lufthansa rechnet damit, für das Gesamtjahr 2001 einen Netto-Verlust auszuweisen. „Das Jahr 2001 wird ohne Zweifel mit einem negativen Ergebnis enden“, sagte Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer nun vor Journalisten in Shanghai. In 2002 erwartet die Kranich-Airline allerdings wieder einen leichten Gewinn.

Zudem könnte der Lufthansa ein Streik bevorstehen, da die Pilotenvereinigung Cockpit einem Zeitungsbericht zufolge die Tarifverhandlungen mit der Tochterfirma City-Line für gescheitert erklärt und eine Urabstimmung eingeleitet habe. Und schließlich will die Lufthansa die Gründung einer eigenen Billig-Linie nicht mehr ausschließen. "Man halte sich das offen", hieß es von dem Unternehmen am Montagabend.

Doch es gab auch ein Erfolgserlebnis. Die irische Billigfluglinie Ryanair hat im Rechtsstreit mit der Lufthansa um vergleichende Werbung teilweise eingelenkt. In einer mündlichen Verhandlung am Dienstag vor dem Landgericht Köln nahm die Fluglinie Teile eines Widerspruchs gegen eine einstweilige Verfügung zurück. Dabei waren Ryanair bereits im vergangenen November mehrere vergleichende Werbeaussagen untersagt worden. Damit ist das in der einstweiligen Verfügung ausgesprochene Verbot rechtskräftig, dass Ryanair eigene Flugangebote mit dem Abflugort Hahn im Hunsrück nicht mit den Angeboten der Lufthansa vom Frankfurter Rhein-Main Flughafen vergleichen dürfe. Diese Nachricht half vielleicht auch ein wenig die Tagesverluste der Lufthansa-Aktie zu begrenzen, das Papier gab 1,6 Prozent auf 17,19 Euro nach.


Im Mittelpunkt stand ebenfalls die Aktie von Infineon, der Halbleiter-Hersteller hatte zur Hauptversammlung nach München eingeladen. Dort sorgte Infineon-Chef Schumacher für Verwirrung. Schumacher sagte Schätzungen von Analysten, die auf der Basis der derzeitigen Preise für Speicherchips für das laufende Geschäftsjahr einen Verlust vor Steuern und Zinsen von bis zu 1,4 Milliarden Euro ausgingen, seien durchaus realistisch. Analysten kritisierten Schumachers Prognose, da die Preise für Speicherchips in den letzten Wochen deutlich angestiegen seien. „Ich halte die Prognose von Herrn Schumacher für erklärungsbedürftig“, so Theo Kitz von Merck Finck. Die Aktie zeigte sich allerdings ungerührt und legte 0,9 Prozent auf 23,05 Euro zu. Zuvor hatte Schumacher noch verkündet, Infineon sei im Falle eines Aufschwungs der Chip-Industrie besser als die Konkurrenz gerüstet und werde daher überproportional von einer Erholung der Branche profitieren.

Die Investmentbank Merrill Lynch hat die Gewinnerwartung für die Allianz für 2002 auf 11,9 Euro von zuvor 14,1 Euro gesenkt. Die Bewertung für die Papiere beließen die Analysten bei "neutral ". Die Aktie fiel 0,3 Prozent auf 263,10 Euro.

Einem Zeitungsbericht zufolge plant der Autokonzern DaimlerChrysler den Einstieg in das Geschäft mit Gebrauchtwagen. Die neue Konzerntochter, die den Namen Motormeile erhalten soll, solle künftig alle Marken und nicht nur Mercedes-Modelle vermarkten, so der Bericht. Die Aktie verlor nach freundlichem Start 0,4 Prozent auf 46,05 Euro.

Volkswagen will auch in Zukunft nicht zu Mitteln wie Preisdumping oder Geldgeschenken für die Kunden greifen, um den Absatz anzukurbeln. Das sagte Konzern-Vertriebsvorstand Robert Büchelhofer gegenüber einer Nachrichtenagentur. Natürlich wolle man beim Marktanteil zulegen, aber nicht um jeden Preis, so Büchelhofer weiter. Die Aktie legte 1 Prozent auf 50,31 Euro zu. Händler erklärten den Kursanstieg allerdings weniger mit der Meldung als mit der Tatsache, dass die Volkswagen-Papiere offensichtlich von einer größeren Kauforder eines institutionellen Anlegers profitierten. Auch BMW-Aktien waren gefragt und stiegen 0,4 Prozent auf 37,75 Euro.

Quelle: n-tv.de

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