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Krim-Krise belastet Dax fällt zurück

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Am Frankfurter Aktienmarkt dominieren die roten Vorzeichen.

(Foto: dpa)

Am Frankfurter Aktienmarkt dominieren die roten Vorzeichen. Börsianer führen das auf die Auseinandersetzungen um die Krim zurück. Selbst der amerikanische Job-Report hilft nur kurz.

Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine um die Krim hat die Stimmung an den europäischen Aktienmärkten getrübt. Selbst ein überraschend hoher Stellenzuwachs in den USA schaffte es nicht, die Börsen nachhaltig zu beflügeln. In Frankfurt fiel der Dax um 2 Prozent auf 9350 Punkte. Der MDax büßte 1,3 Prozent auf 16.655 Zähler ein, während der TecDax 1,4 Prozent auf 1273 Zähler abgab.

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Viele Anleger trauten sich vor dem Wochenende nicht aus der Deckung, sagten Händler. "Die Aktien sind diese Woche knapp unter ihren Höchstständen wie ein Jo-Jo hoch und runtergegangen, daher machen nun einige Investoren für den Fall Kasse, dass sich die Lage in der Ukraine über das Wochenende verschärft", meinte  Andrea Tueni von der Saxo Bank.

Eine diplomatische Lösung in Osteuropa zeichnet sich nicht ab. So drohte Frankreichs Außenminister Laurent Fabius mit weiteren Sanktionen der EU, falls Russland in der Ukraine-Krise nicht einlenkt. Auch zwischen den USA und Russland gab es keine Annäherung.

Ein überraschend positiver US-Arbeitsmarktbericht hatte den Dax kurzzeitig ins Plus drehen lassen. In den USA wurden trotz der Kältewelle überraschend viele Stellen geschaffen. "Die Daten signalisieren ungeachtet des leichten Anstiegs der Arbeitslosenquote, dass die US-Notenbank an dem eingeschlagenen Pfad, die milliardenschweren Anleihekäufe zu drosseln, bis auf Weiteres festhalten wird", sagte Helaba-Analyst Ralf Umlauf. Auch HSBC-Experte Rainer Sartoris erwartete, dass die Fed ihren Kurs fortsetzt. "Der Arbeitsmarktbericht zeigt, dass die US-Konjunktur im ersten Halbjahr 2014 auf Wachstumskurs bleibt."

Kurz darauf ging es am Frankfurter Aktienmarkt wieder abwärts. Einige Händler machten dafür keine Nachrichten, sondern starke Kapitalrückführungen zurück in die USA als Grund aus. "Da nehmen ein oder zwei Spieler ganz kräftig Geld vom Tisch", sagte ein Händler. Dies passe zu dem Bild der beständigen Underperformance, die der Dax seit einigen Tagen in Europa ausweise. "Das Anlagethema Deutschland scheint zu Ende zu sein, man geht jetzt lieber an den US-Markt", so ein anderer Händler.

Investoren positionieren sich

Doch andere Börsianer widersprachen und verwiesen auf die Krim. Vor allem die deutschen Aktien stehen demnach im Blick, weil hiesige Firmen von einer Verschlechterung der Beziehungen zu Russland besonders stark betroffen wären. Am Derivatemarkt sichern sich viele besonders gegen einen Kursrutsch des Dax ab, wie es hieß. Die Nachfrage nach entsprechenden Optionsgeschäften sei wegen der Situation in der Ukraine so stark gestiegen wie bei keinem anderen europäischen Index, sagte die Derivateexpertin Delphine Leblond-Limpalaer von Societe Generale Corporate & Investment Banking.

Bereits im kommenden Monat könnte es nach Einschätzung von Investoren kräftig bergab gehen. Das zeigten Daten auf der Internetseite der Terminbörse Eurex. Dort zogen die Wetten auf einen sinkenden Dax in jüngster Zeit deutlich an: Die gehandelten Verkaufsoptionen (Puts) auf den deutschen Leitindex überwiegen bei weitem die Kaufoptionen (Calls).

Investoren befürchten offenbar, dass die faktische Besetzung der ukrainischen Halbinsel Krim zu Wirtschaftssanktionen der EU gegen Russland führt, das dann seinerseits mit Handelseinschränkungen reagieren dürfte. Leidtragende wären auch deutsche Unternehmen, für die Russland ein wichtiger Absatzmarkt ist. Unter den großen Konzernen machen sich etwa Adidas, Henkel und Metro erhebliche Sorgen.

Commerzbank im Minus

Bei den Einzelwerten herrschte nachrichtliche Ruhe. Zu den stärksten Verlierern im Dax gehörten Commerzbank mit einem Minus von 2,9 Prozent. Anleger mieden besonders als riskant eingestufte Titel wie Finanzwerte, sagte ein Börsianer zur Erläuterung. Deutsche Bank gaben 2,6 Prozent nach.

Im MDax büßten Fraport 2,1 Prozent ein. Der Flughafenbetreiber hat im vergangenen Jahr weniger Gewinn eingefahren. Dagegen tendierten Evonik gegen den Trend unverändert. Der Chemiekonzern hat im vierten Quartal bei stagnierenden Umsätzen zwar weniger verdient. Allerdings fiel der Rückgang geringer aus als vom Markt erwartet. Außerdem ködert das Management die Anleger mit einer höheren Dividende als bisher erwartet.

Papiere von Krones verteuerten sich um 5,9 Prozent. Die UBS hat die Aktien des Herstellers von Abfüll- und Verpackungsanlagen auf "Kaufen" erhöht.

Quelle: ntv.de, jga/mmo/DJ/dpa/rts