Marktberichte

China hilft Wirtschaft nicht Dax gibt sich den Sorgen hin

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(Foto: picture alliance / dpa)

Wiederholt prallt der deutsche Leitindex an den 9800 Punkten ab. Die Stimmung wird von neuerlichen Sorgen um den Zustand der chinesischen Wirtschaft gedämpft. Bei den Einzelwerten rücken Merck und Siemens ins Rampenlicht.

Neue Sorgen um die chinesische Konjunktur haben die Aktienmärkte zu Wochenbeginn weltweit ins Minus gedrückt. Chinas Finanzministers Lou Jiwei will trotz überraschend schwacher Wirtschaftsdaten in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt keinen dramatischen Kurswechsel einleiten. Dies habe entsprechenden Hoffnungen der Anleger einen Dämpfer versetzt, sagte Händler Markus Huber vom Broker Peregrine & Black. Darüber hinaus wird wieder Geldes aus Schwellenländern abgezogen - Grund ist die anstehende Zinswende in den USA.

Letztlich verlor der Dax 0,5 Prozent auf 9750 Punkte. Am Mittag hatte Merck kurz für ein Aufbäumen gesorgt. Doch mit Öffnung der US-Börsen weitete der markt sein Minus aus. Der MDax sank um 0,5 Prozent auf 16.215 Zähler zurück. Der TecDax büßte 0,2 Prozent auf 1250 Stellen. Der Eurozonen-Leitindex Eurostoxx 50 gab 0,5 Prozent auf 3256 Zähler ab.

Die Blicke richteten sich bereits auf die Einkaufsmanagerindizes am morgigen Dienstag, sagt Herve Goulletquer vom Credit Agricole in China und Europa. Gute Daten aus Europa würden der Europäischen Zentralbank (EZB) mehr Zeit erkaufen. "Ich erwarte, dass der Einkaufsmanager-Index in China unter die Expansionsschwelle von 50 fällt", heißt es indes von Mitul Kotecha, Devisenstratege bei der Barclays-Bank.

Autowerte unter Druck - Siemens mit Zukauf

Das Papier der britischen Einzelhandelskette Tesco geriet nach einer neuerlichen Gewinnwarnung unter die Räder. Angesichts der Warnung sei eine Untersuchung eingeleitet worden. Die Tesco-Aktie sackte um zwischenzeitlich mehr als elf Prozent ab.

Im Dax standen einmal mehr Autowerte unter Druck. Hier belasten die Sorgen vor einer Abkühlung in China. Der dortige Markt verschafft den deutschen Autoherstellern immer noch hohe Wachstumsraten. Nach einer Studie der Boston Consulting Group wünschen sich zudem fast alle Chinesen im Falle eines Kaufs eines Neuwagens ein deutsches Auto. So verloren BMW 2,6 Prozent. Daimler gaben 1,7 Prozent nach. Volkswagen büßten 1,4 Prozent ein. Conti verbilligten sich um 3,3 Prozent. Daneben ermäßigten sich Commerzbank um 3,2 Prozent. Die Aktie ist von der französischen Bank Exane BNP auf "Underperform" abgestuft worden.

Siemens fielen um 0,4 Prozent zu. Mit der Übernahme des Öl- und Gastechnik-Spezialisten Dresser-Rand wollen die Münchener am dortigen Fracking-Boom mitverdienen. "Für einige Investoren ist das erst einmal nur eine Übernahme, die viel Geld kostet", sagte ein Börsianer. Aus Sicht des DZ Bank-Analysten Jasko Terzic ist der Kaufpreis von umgerechnet knapp sechs Milliarden Euro zwar hoch, aber gerechtfertigt. Parallel dazu verkauft Siemens seine Anteile an Bosch-Siemens-Hausgeräte (BSH) für drei Milliarden Euro an den Partner Bosch.

Milliarden-Deal treibt Merck

An der Spitze der Gewinner stehen indes Merck und verteuern sich 4,6 Prozent in die Höhe. In der Spitze hatte das Plus mehr als neun Prozent betragen. Der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern hat einen Milliardenkauf angekündigt: Er übernimmt für 17 Milliarden Dollar die US-Firma Sigma-Aldrich, einen weltweit führenden Hersteller von chemischen und biochemischen sowie pharmazeutischen Forschungsmaterialien. "Im Conference Call gab es die eine oder andere Aussage zu den Finanzierungskosten und den Synergien, die die Euphorie gedämpft haben könnten", sagte ein Händler mit Blick auf die Reduzierung des Aufschlags

Aufwärts ging es auch weiter für Bayer. Dies sind Anschlusskäufe nach dem Rücksetzer im Schlussgeschäft am Freitag. Die Perspektiven hätten sich mit der Ankündigung der Abspaltung des Kunstoff-Bereichs Material Science verbessert, so die übergeordnete Begründung der guten Performance. Das Papier verteuert sich um 0,5 Prozent.

Gesucht waren auch die beiden Energiewerte: RWE und Eon verteuerten sich um 0,4 und 0,5 Prozent. Beide Werte profitieren von einem weiteren positiven Analystenkommentar zum Versorgersektor. Die Goldmänner erhöhten für beide Titel das Kursziel und bekräftigten ihre Kauf-Empfehlung. "Nach der Berenberg Bank äußert sich nun auch Goldman optimistisch zu den Versorgern - das hilft den Titeln heute", sagt ein Händler.

In der zweiten Reihe verloren Gagfah 3,8 Prozent. Dem negativen Umfeld konnten sich auch die Neulinge nicht entziehen: Deutsche Annington gaben 1,1 Prozent nach. Kion gingen immerhin nur minimal schwächer aus dem Handel.

Auch im TecDax richteten sich die Blicke auf den Debütanten: RIB Software verlieren 1,1 Prozent. Nordex legten mit einem Großauftrag im Rücken um 3,4 Prozent zu.

Quelle: n-tv.de, kst/jwu/DJ/rts

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