Marktberichte

Deutsche Bilanzsaison beginnt Dax hat weiter mit Coronavirus zu tun

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(Foto: picture alliance/dpa)

Auch in der kommenden Woche schauen die Börsianer nach China, wo gegen die Ausbreitung des Coronavirus gekämpft wird. Ansonsten stehen zahlreiche Konjunkturdaten an. Zudem öffnen mit SAP und Deutscher Bank zwei Dax-Unternehmen ihre Bücher.

Die möglichen Folgen des Coronavirus-Ausbruchs in China werden Anleger nach Einschätzung von Experten auch in der neuen Woche beschäftigen. Die nach dem Handelsabkommen mit den USA aufkeimenden Hoffnungen auf bessere Nachrichten aus der chinesischen Wirtschaft hätten sich erst einmal zerschlagen, sagt Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets.

Im Kampf gegen die Ausbreitung der Lungenkrankheit riegelte die Regierung in Peking mehrere Millionenstädte ab, strich offizielle Neujahrsfeiern und schloss Tempel sowie Touristen-Attraktionen. Die Sars-Pandemie, deren Erreger dem Coronavirus ähnelt, hatte 2002/2003 das chinesische Wirtschaftswachstum gebremst.

In den vergangenen Tagen gingen Investoren durch ein Wechselbad der Gefühle. Sorgen bereiteten ihnen neben dem Coronavirus auch die wiederholten Drohungen von US-Präsident Donald Trump mit Strafzöllen auf europäische Autos. Der Dax kam unter dem Strich kaum vom Fleck, obwohl er zeitweise ein Rekordhoch von 13.640,06 Punkten erreicht hatte. Größere Rücksetzer seien aber nicht zu erwarten, sagt Anlagestratege Axel Botte vom Vermögensverwalter Ostrum. "Es gibt keine liquiden Alternativen, die ein ähnliches Aufwärtspotenzial wie Aktien bieten." Außerdem schienen sich die Gewinne der Unternehmen besser zu entwickeln als gedacht.

Deutsche Bilanzsaison geht los

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SAP 102,80

Vor diesem Hintergrund läutet am Dienstag SAP die deutsche Bilanzsaison ein. Das Software-Haus öffnet als erster Dax-Konzern seine Bücher. Am Donnerstag folgt die Deutsche Bank. Hier erwarten Experten einen milliardenschweren Verlust. Daher richten sie ihr Augenmerk auf den Ausblick für das Jahr des 150-jährigen Jubiläums.

Auch aus dem Ausland rollt wieder eine Flut von Geschäftszahlen auf die Investoren zu. So geben unter anderem der iPhone-Anbieter Apple oder der angeschlagene Airbus-Rivale Boeing Ergebnisse bekannt. Bei Letzterem interessieren sich Börsianer vor allem für die Kosten im Zusammenhang mit den Problemen bei den Maschinen des Typs 737 Max.

Konjunkturdaten und Fed-Entscheid

Apple
Apple 256,31

Daneben stehen zahlreiche Konjunkturdaten auf der Agenda: So gibt der Ifo-Index am Montag Auskunft über die Stimmung in den deutschen Chef-Etagen. Über die Kauflaune der hiesigen Verbraucher informiert am Mittwoch der GfK-Index. Einen Tag später folgen vergleichbare Stimmungsbarometer für die Eurozone. Den Abschluss bilden die europäischen Inflationsdaten am Freitag. Das Highlight sind allerdings wenige Stunden später die US-Konsumausgaben. Denn die Kauflaune der Verbraucher gilt als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft.

Da die US-Notenbank Fed den Leitzins am Mittwoch voraussichtlich nicht antasten werde, bestehe die größte Herausforderung für die Fed in der Kommunikation der jüngsten Eingriffe am Geldmarkt, sagt Commerzbank-Volkswirt Bernd Weidensteiner. Deren Umfang sei mit demjenigen der bislang letzten Welle von Anleihekäufen vergleichbar. Um Liquiditätsengpässe zu verhindern, musste die Notenbank in den vergangenen Wochen wiederholt Geld in den Interbanken-Markt pumpen.

Auftakt zum Finale im Brexit-Drama

Unabhängig davon verlässt Großbritannien die EU am Freitag offiziell. Zunächst werde sich gar nichts ändern, weil dann die bis Ende 2020 laufende Übergangsfrist beginne, betont Martin Lück, Chef-Anlagestratege für Deutschland, Österreich und Osteuropa beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock. Sollte bis zu deren Ablauf aber kein Handelsabkommen stehen, drohe ein harter Bruch.

Am Tag vor dem offiziellen Brexit könnte die Bank von England (BoE) den Leitzins um einen Viertel Prozentpunkt auf 0,5 Prozent senken. Die zuletzt ermutigenden Konjunkturdaten würden die Zentralbank wohl nicht von einem solchen Schritt abhalten, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Die britische Konjunktur habe die Talsohle noch lange nicht durchschritten. Investoren taxieren die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung auf rund 50 Prozent.

Quelle: ntv.de, Hakan Ersen, rts