Marktberichte

"Window Dressing" Dax im Putzwahn

Der Dax präsentierte sich zum Wochenausklang noch einmal in Bestform. Kräftige Kursgewinne bei Technologie- und Versicherungswerten sowie gute Vorgaben aus den USA ließen die deutschen Standardwerte kräftig steigen. Positiv wirkte sich nach Angaben von Händlern auch das auch sogenannte "Window Dressing" aus. Dabei versuchen Fondsmanager, ihre Performance zum Halbjahresabschluss aufzupolieren. Meist werden dabei Aktien gekauft, die im Fonds enthalten sind. Durch die gezielten Käufe steigen die Kurse erheblich und verbessern somit die Performance des Fonds. Und auch die Dax-Performance konnte sich dadurch sehen lassen - das deutsche Börsenbarometer legte knapp 3 Prozent auf 4.382 Euro zu.

Auch erneute Bilanzunregelmäßigkeiten bei Xerox konnten die Anleger zum Wochenausklang nicht mehr schocken. Einem Zeitungsbericht zufolge hat der Drucker-Hersteller Xerox in den vergangenen fünf Jahren seine Umsätze in noch größerem Rahmen falsch dargestellt als eine frühere Untersuchung durch die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC ergeben hatte. Die SEC war bislang für die Jahre zwischen 1997 und 2000 von Unregelmäßigkeiten bei den Bilanzen des Unternehmens von rund 3 Milliarden Dollar ausgegangen. Bei einer neuen Untersuchung, die auch das Jahr 2001 unter die Lupe genommen habe, seien nun falsche Umsätze von bis zu 6 Milliarden Dollar ans Licht gekommen, so der Bericht weiter. Xerox selber erwartet eine Berichtigung seiner Umsatzangaben der vergangenen fünf Jahre in Höhe von rund zwei Milliarden Dollar.

Positiv wirkten sich hingegen neue US-Konjunkturdaten aus. Der Index des US-Verbrauchervertrauens ist im Juni weniger stark gefallen, als ursprünglich erwartet. Die Universität Michigan gab den endgültigen Wert mit 92,4 Punkten an, zuvor war ein Rückgang auf 90,8 Punkte nach 96,9 Punkten im Mai geschätzt worden. Der Konjunkturindex der Chicagoer Einkaufsmanager für den Juni fiel dagegen mit 58,2 Punkten enttäuschend aus. Experten hatten mit 58,9 Zählern gerechnet.

Im Blickpunkt auf dem Frankfurter Parkett stand unter anderem die Aktie der Deutschen Bank. Zusätzlich zu schon angekündigten Stellenstreichungen sollen weitere 3.800 Arbeitsplätze im Konzern wegfallen, teilte Deutschlands größtes Kreditinstitut am Donnerstagabend mit. Durch die weiteren Umstrukturierungen sei für das zweite Quartal 2002 ein Buchungsaufwand von 265 Millionen Euro veranschlagt worden. Seit Anfang vergangenen Jahres hat die Deutsche Bank somit rund 13.000 Arbeitsplätze gestrichen. Die Aktie legte 2 Prozent auf 70,40 Euro zu.

Nach oben ging es für Adidas. Der Sportartikelhersteller sei einer der Hauptsponsoren der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und profitiere von der WM-Endspielteilnahme, so ein Händler. Zudem habe der US-Konkurrent Nike überraschend gute Zahlen für das abgelaufene Quartal vorgelegt. Die Papiere verbuchten ein Plus von 1,5 Prozent auf 83,20 Euro.

Die HypoVereinsbank wird sich Finanzkreisen zufolge nicht an der Anfang 2003 startenden Börse Nasdaq Deutschland beteiligen. Allerdings wolle die Bank die neue Handelsplattform nutzen, hieß es weiter. Ein Sprecher der Bank wollte die Meldung nicht kommentieren. Die Aktie legte 5 Prozent auf 33 Euro zu.

Einen kurzen Schrecken gab es für den angeschlagenen Anlagenbauer Babcock Borsig. Völlig überraschend sei dem Aufsichtsrat am Donnerstag mitgeteilt worden, dass Babcock im Zusammenhang mit dem Kölner Müllskandal eine Summe von zusätzlich mindestens 100 Millionen Euro als Sicherheitsleistung aufbringen müsse, hieß es aus Aufsichtsratskreisen. Die Staatsanwaltschaft Köln teilte am Freitagmittag jedoch mit, auf die Bereitstellung der Sicherheitsleistung endgültig zu verzichten. Die Aktie schloss mit knapp 30 Prozent bei 1,50 Euro im Minus.

Quelle: ntv.de

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