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"Noch Speck an den Kursen" Dax kocht ab

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Schnell mal ein paar Kilos abkochen, um eine leichtere Gewichtsklasse zu erreichen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der deutsche Aktienmarkt bleibt angeschlagen. Vorsichtige Erholungsversuche reißen nach enttäuschenden US-Daten jäh ab. Die deutschen Standardwerte werden weiter nach unten durchgereicht.

Schwache US-Daten und Unternehmensausblicke haben die Erholung am deutschen Aktienmarkt am Nachmittag brüsk beendet und den Dax unter 7500 Punkte gedrückt.

Der deutsche Leitindex Dax verlor am Ende 0,4 Prozent auf 7474 Punkte, nachdem er im Verlauf bei 7436,78 Punkten ein neues Jahrestief markiert hatte. Am Vortag war der Dax über zwei Prozent nach unten gerauscht und hatte auf dem niedrigsten Stand seit vier Monaten geschlossen. Händler machten dafür unter anderem Verkaufsorders im superschnellen Computer-Handel (Algo-Trading) verantwortlich. In der zweiten Reihe zeigten sich MDax und TecDax mit leichten Abgaben.

"Die Lage trübt sich ein", sagte Achim Matzke, technischer Analyst der Commerzbank. "Nach in der Spitze 2.100 Punkten Anstieg wäre eine 10-Prozent-Korrektur normal", also in den Bereich zwischen 7.300 und 7.200 Punkten, ergänzte er. Viele Anleger hätten noch "Speck an den Kursen" und verkauften nun.

Ein enttäuschend ausgefallener Philly-Fed könnte Markteilnehmern zufolge die Notenbanken zu einer weiteren Lockerung der Geldpolitik herausfordern. In den USA gerate nicht nur die Erholung der Beschäftigung ins Stocken, wie der schwache Sub-Indikator zeige. Auch das Umfeld werde zunehmend deflationärer. In der Eurozone hat Bundesbankpräsident Jens Weidmann am Vortag gegenüber dem "Wall Street Journal" eine Zinssenkung angedeutet.

Geld genug ist da

Den Kursrutsch vom Vortag hatten Analysten gelassen gesehen. Die konjunkturellen Rahmenbedingungen seien günstig für Aktien, stellte Martin Lakos, Vermögensverwalter bei Macquarie Private Wealth fest, schränkte aber ein, dass die Kurse noch ein wenig aufgeblasen seien. Auch Stan Shamu von IG Markets hielt die Lage an den weltweiten Aktienmärkten für schwierig. Die jüngste Entwicklung zeige die gestiegene Unsicherheit nach der vorangegangenen Rally.

Metzler-Analyst Sebastian Sachs sagte zum Kursrutsch am Vortag: "Die Märkte waren zuletzt einfach zu heiß gelaufen, und jetzt hat man erst einmal ausgespielt. Das ist eine gesunde Entladung." Trotz der zuletzt schwächelnden Kurse sollte man bedenken, dass die europäischen Börsen denen in den USA hinterherliefen, versuchte Analystenchef Philippe Gijsels von BNP Paribas Fortis Global Markets zu beschwichtigen. "Das reicht wahrscheinlich, um Schnäppchenjäger anzulocken. Außerdem gibt es noch genug Kapital, das bisher nicht eingesetzt worden ist und in Aktien gesteckt werden kann."

Die führenden Forschungsinstitute haben derweil ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr leicht nach unten korrigiert. Zugleich sagen die Ökonomen in ihrem Frühjahrsgutachten aber einen kräftigen Aufschwung im nächsten Jahr voraus. Gingen sie im Herbst noch von einem Plus von 1,0 Prozent für 2013 aus, rechnen sie nun mit einem Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 0,8 Prozent.

Nachdem am Vortag die Abstufung Deutschlands durch die kleine Ratingagentur Egan-Jones die Börse belastet hatte, brach Moody's eine Lanze für die Kreditwürdigkeit der Bundesrepublik. Deutschland habe eine hochgradig wettbewerbsfähige Volkswirtschaft und erfreue sich eines hohen Vertrauens seitens der Investoren, heißt es im Jahresbonitätsbericht der Ratingfirma.

Deutschland und China

Moody's bewertete die Bonität des Zugpferds der Eurozone mit der Bestnote AAA, allerdings mit negativem Ausblick. Der Ausblick war im Juli 2012 auf negativ von zuvor stabil gesenkt worden, was mit der hohen Unsicherheit über die Risiken der Schuldenkrise in Europa begründet worden war. Deutschland ist der größte Gläubiger der europäischen Rettungsschirme.

Lasteten die schwachen chinesischen BIP-Zahlen für das erste Quartal am vergangenen Montag schwer auf den Märkten, kamen nun bessere Nachrichten aus dem Reich der Mitte. Händler verwiesen auf den Anstieg der ausländischen Direktinvestitionen.

Bei den Einzeltiteln standen die Aktien von Infineon mit einem Plus von 1,5 Prozent mit an der Dax-Spitze, nachdem sie am Vortag 4,8 Prozent verloren hatten. Händler verwiesen auf eine Hochstufung der Titel durch Morgan Stanley auf "equal weight" von "underweight". Am Vortag hatten enttäuschende Autoabsatzzahlen in Europa die Titel des Halbleiterherstellers belastet, der auch ein wichtiger Zulieferer für die Autobranche ist.

RWE mit magerem Ausblick

Ein schwacher Unternehmensausblick drückte die Aktie von RWE um 2,5 Prozent auf 28,51 Euro: Nach 2013 werde es "kaum möglich sein, das Ergebnisniveau zu halten", sagte der Vorstandschef des Konzerns, Peter Terium, auf der Hauptversammlung. Er wiederholte damit frühere Warnungen und setzte sich für Korrekturen an der Energiewende ein. Eon gaben im Sog von RWE um 1,4 Prozent auf 13,23 Euro nach. VW setzten ihre Talfahrt mit einem Minus von 2,1 Prozent fort.

Im MDax verteuerten sich die Gea-Papiere um 3,4 Prozent. Der Maschinenbaukonzern hatte ungeachtet des im ersten Quartal gesunkenen Auftragseingangs die Jahresprognose bestätigt.

Dagegen büßten die Aktien der SGL Group am Indexende 9,7 Prozent ein. Der Kohlenstoffspezialist musste seine Gewinnprognose nach einem überraschend schwachen Jahresstart senken.

Der einstige Börsenliebling und mittlerweile in keinem großen Index mehr gelistete Solarkonzern Solarworld brach um 27,0 Prozent auf 0,67 Euro ein und war damit größter Verlierer auf Xetra. Das Tagestief lag bei 0,56 Euro. Der Solarkonzern hatte am Vorabend einen noch nicht konsolidierten Verlust für 2012 von bis zu 550 Mio. Euro bekannt gegeben. Am 1. November hatte die Aktie ein Rekordhoch von 48,80 Euro erreicht, ehe ihr Stern angesichts der sich allmählich ausweitenden Krise im Solargeschäft zu sinken begann.

Quelle: n-tv.de, ddi/rts/DJ

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