Marktberichte

Deutsche Wirtschaft zeigt Schwäche Dax realistisch erwartet

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Der Dax zur Wochenmitte: Überraschend solide Konjunkturzahlen aus der Eurozone hieven den Leitindex erstmals seit sechs Börsentagen wieder über die 7700er Marke.

(Foto: REUTERS)

Am deutschen Aktienmarkt steht Anlegern ein ereignisreicher Tag bevor: Ergebnisse gibt es von Unternehmen wie Rheinmetall, Carl Zeiss und Gerresheimer. Aus dem europäischen Umfeld melden sich Schwergewichte wie Renault, Nestle und BNP Paribas zu Wort. Dazu kommen die BIP-Daten.

Mit Blick auf den Handelsauftakt am Donnerstag haben die Marktbeobachter ihre optimistische Grundhaltung vom frühen Morgen zunächst aufgegeben. Banken und Broker sagten für die Eröffnung im Dax einen zunächst kaum veränderten Stand voraus.

Am Vorabend war der deutsche Leitindex 0,7 Prozent fester bei 7711 Punkten aus dem Handel gegangen. Nach Börsenschluss in Europa hatten sich die großen Indizes an der Wall Street bei geringem Handelsvolumen nur noch minimal bewegt: Der S&P schloss nahezu unverändert, der Dow-Jones-Index grenzte die Verluste auf minus 0,3 Prozent ein und der Nasdaq-Composite weitete seine Gewinne leicht aus und schloss mit einem Plus von 0,3 Prozent.

In Tokio beendete der Nikkei-Index den Donnerstag mit einem Plus von 0,5 Prozent. In Shanghai blieb die Börse wegen des Neujahrsfestes noch geschlossen.

Enttäuscht registrierten Händler die Wirtschaftsdaten aus Japan. Stützend wirke jedoch auf die Stimmung, dass die Bank of Japan ihre weiteren Wertpapierkäufe bestätigt habe, hieß es am Markt. Der verbale Eingriff der japanischen Zentralbank dürfte den Yen weiter schwächen.

Die BIP-Daten aus Deutschland erreichten den Markt gut eine Stunde vor dem Handelsstart in Frankfurt: Im Schlussquartal 2012 verzeichnete das Statistische Bundesamt beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) ein bereinigtes Minus von 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorquartal.

"Wenn die Zahlenflut aus Europa nicht enttäuscht, sollte die Stimmung anhalten", meinte ein Händler am Morgen. Am deutschen Aktienmarkt gebe es mit den Berichtsunternehmen Rheinmetall, Carl Zeiss und Gerresheimer nichts, was den Gesamtmarkt beeinflussen dürfte.

Anders sieht es in Europa aus. Hier legen Schwergewichte wie Rio Tinto, Air Liquide, Renault und BNP Paribas Daten vor. Vor allem in der Schweiz ist eine Art Super-Donnerstag mit Nestle, ABB, Zurich Insurance und Actelion. Auch in Frankreich ballen sich die Zahlenvorlagen. Zurich und ABB konnten am Morgen bereits positiv überraschen.

Der Fokus liegt daneben auf den zahlreichen BIP-Daten aus Europa: Mit Deutschland, Frankreich und Italien sowie dem Gesamt-BIP der EU werden alle wichtigen Daten des Kernlandes vorgelegt.

Wie eine Stunde vor Handelsstart in Frankfurt bekannt wurde, haben die Auswirkungen der Schuldenkrise und der weltweite Konjunkturabschwung die deutsche Wirtschaft im Schlussquartal 2012 stärker ausgebremst als bislang erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im Vergleich zum Vorquartal preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,6 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

MIt Blick auf die eingehenden Impulse auf Unternehmensebene bezeichneten Händler die Zahlen von Nestle als "im Rahmen der hohen Erwartungen". Vor allem der zuversichtliche Ausblick auf eine weiter steigende Marge 2013 und die Erhöhung der Dividende dürften positiv ankommen. Der Nettogewinn liege leicht über den Prognosen, lediglich das organische Wachstum sei etwas höher gesehen worden. Wegen des abgeschwächten Wachstums in den Schwellenländern habe man aber bereits entsprechendes vermutet. "Bei Nestle achtet man aber vor allem auf Dividende und Marge, die Aktie sollte davon profitieren", sagte ein Händler.

Keine großen Sprünge seien dagegen bei den Aktien von BNP Paribas zu erwarten, hieß es am Morgen. "Die Zahlen sind sehr schlecht und deutlich unter Erwartung", meinte ein Händler. Allerdings liege dies erneut an hohen Abschreibungen: "Es kommt einfach darauf an, ob der Markt die Abschreibungen als 'Klarschiffmachen' bewertet oder nur den hohen Verlust sieht". Die BNP würde damit die Enttäuschung über die Zahlen der SocGen vom Vortag fortsetzen. "Es zeigt sich immer klarer, dass Europas Banken nicht der Erholung der US-Branche oder selbst den britischen Banken folgen können", erklärte ein anderer Händler.

Die Ergebnisse von Rio Tinto stimmten einzelne Analysten zuversichtlich: Mit Kursgewinnen rechnete zum Beispiel Jeff Largey von Macquarie. Der Bergwerkskonzern habe mit den Ergebnissen für 2012 die Erwartungen leicht überboten. Rio-Tinto-Chef Sam Walsh halte an der Strategie fest, den Wert für die Aktionäre zu steigern, hieß es. Der Markt werde die für das vergangene Jahr um 15 Prozent auf 1,67 US-Dollar erhöhte Dividende begrüßen. Die Einstufung der Aktie lautet "Neutral" mit einem Kursziel von 4.050 Pence.

Quelle: ntv.de, DJ