Marktberichte

Agenda quillt über Dax rutscht ab

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Der Handel hat einen großen Schwung Zahlen zu bewerten.

(Foto: picture alliance / dpa)

Händler stehen vor einem Berg an Quartalszahlen. Allein aus der erste Reihe berichten sieben Unternehmen über den Dreimonatszeitraum. Hinzu kommen etliche Firmen aus der zweiten und dritten Reihe. Daneben schwelt der Ukraine-Konflikt weiter.

Die Kämpfe in der Ukraine haben Aktienanleger vorsichtig gestimmt. Der Dax drehte nach freundlichem Start ins Minus und fällt unter die Marke von 9500 Punkten. Der Leitindex schloss 0,6 Prozent schwächer bei 9467 Punkten. Der MDax lag mit 16.000 Punkten leicht im Minus, während der TecDax 0,2 Prozent auf 1232 Zähler gewann.

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Von den zahlreich vorgelegten Quartalsberichten gingen zwar Impulse aus, doch richtungsweisend für den Markt waren sie nicht. Einerseits habe es gute Einzelhandelsdaten aus der Eurozone gegeben, und auch das verringerte Handelsbilanzdefizit der USA sei positiv, hieß es. Andererseits sei zu hören, dass sich die Lage in der Ostukraine besorgniserregend verschärfe, sagte Händler Markus Huber vom Broker Peregrine & Black. Viele Anleger hielten sich daher mit Engagements am Aktienmarkt zurück. "Wir haben gestern erst gesehen, wie schnell es im Dax 100 Punkte nach unten gehen kann, wenn es Nachrichten aus der Konfliktregion gibt", warnte ein Händler.

"Die vorgelegten Geschäftszahlen sind bislang nicht allzu schlecht", sagte ein Börsianer. Größere Enttäuschungen gebe es nicht, allerdings auch keine starken positiven Impulse. Diese seien aber notwendig, um den Aktien zu weiteren Kursgewinnen zu verhelfen.

Für den Druck auf den Dax seit Montag sei der Ausstieg eines "großen Anlegers" aus deutschen Aktien verantwortlich, hieß es im Handel. "Hier zeigt sich gerade ein typisches Verkaufsmuster", sagt ein Börsianer. Seit Montagmorgen würden Dax-Titel regelmäßig in großen Stücken und zu ähnlichen Zeiten verkauft. Dies sei häufig im Zusammenhang mit der Reduzierung von Portfolioanteilen in einem Markt zu beobachten. Umgekehrt erhole sich der Markt immer dann wieder sehr schnell, wenn die tägliche Verkaufsorder ausgelaufen sei. Auch dies sei Montag und Dienstag zu beobachten.

"Dazu passt genau die negative Deutschland-Empfehlung von Credit Suisse", sagte ein anderer Händler. Die Analysten haben gewarnt "die Ära der deutschen Outperformance ist vorbei". Daher stufen sie die Landesgewichtung herab auf "Benchmark" nach zuvor "Overweight". Grund sei, dass der Wachstumsvorsprung relativ zu anderen Europäern schrumpfe, gleichzeitig aber die Wettbewerbsfähigkeit und die Vorteile einer billigeren Finanzierung nachlassen. Zudem sei Deutschland stark gefährdet von einer Wachstumsabschwächung in China. Die Exportabhängigkeit sei rund dreimal so hoch wie im restlichen Europa. Zudem sei der Spielraum nach oben für steigende Gewinne im Vergleich gering: So sei der durchschnittliche Gewinn je Aktie nur noch sieben Prozent von seinem Höhepunkt 2008 entfernt.

Die Bekanntgabe der europäischen Service-Einkaufsmanagerindizes setzte an den Märkten keine Akzente. Howard Archer von IHS Global Insight sah sich in seiner Erwartung einer wirtschaftlichen Erholung in der Eurozone bestätigt. Die Service-Aktivitäten in allen Ländern hätten sich im April ausgeweitet. Positiv hebt der Analyst die Entwicklung in Spanien hervor, wo sich die Wirtschaftsaktivität im sechsten Monat in Folge gesteigert und das Wachstum die höchste Dynamik seit März 2007 entwickelt habe.

Adidas verfehlt Prognosen

Für wenig Begeisterung sorgten die Erstquartalszahlen von Adidas, die Papiere pendelten um ihren Schlusskurs vom Vortag und schlossen unverändert. Der starke Euro und die Sorgen um das Russland-Geschäft angesichts der Ukraine-Krise ließen den Umsatz im ersten Quartal um 6 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro sinken, wie der Dax-Konzern mitteilte. Zudem lief das Geschäft der Golftochter TaylorMade wegen des langen Winters in den USA schlecht. Adidas gehört seit Jahresbeginn zu den großen Verlierern im Dax, seit Neujahr hat die Aktie 17 Prozent nachgegeben.

Nach der Veröffentlichung der Geschäftszahlen verzeichneten Fresenius und Fresenius Medical Care (FMC) Abschläge. In beiden Fällen blieben die Zahlen unter den Erwartungen des Marktes. Immerhin seien die Jahresausblicke bestätigt worden, so ein Börsianer. Negative Wechselkurseffekte sowie das problematische Dialysegeschäft hätten ihre Spuren in den Bilanzen hinterlassen.

Sven Kürten von der DZ-Bank bestätigte nach den Zahlen seine Verkaufsempfehlung für die FMC-Aktie bestätigt. Das Ebit sei signifikant unter seinen Erwartungen geblieben. Angesichts des schwachen ersten Quartals erscheine der Ausblick nicht mehr so konservativ wie das bislang der Fall gewesen sei.

Die Lufthansa hat sich im ersten Quartal zu einem, zumindest deutlich verringerten, operativen Verlust gespart. Dank des Programms Score konnte das Minus verringert werden. Die Aktien legten 2,9 Prozent zu.

Auch Infineon gehörten mit einem Plus von 2,9 Prozent zu den größten Dax-Gewinnern. Der Halbleiter-Hersteller will für sein Wachstum weniger Kapital einsetzen und dafür die Dividende kräftig erhöhen.

Der Autokonzern BMW ist wie erwartet gut ins neue Jahr gekommen. Dank Rekordverkäufen in den ersten drei Monaten steigerte der Münchner Hersteller Umsatz und Gewinn. Die Prognose für das laufende Jahr bestätigte das Dax-Unternehmen deshalb. Ein Händler spricht von überraschend guten Zahlen. Doch nach positivem Auftakt drehte die Aktie ins Minus und verlor 0,6 Prozent.

Erwartungsgemäß schwach gestaltete sich das Auftaktquartal dagegen für das Gasegeschäft von Linde. Hauptgrund sind die nach wie vor schwachen Währungen in Ländern wie Australien und Südafrika, die schon im Schlussquartal Bremsspuren hinterlassen hatten. Nur die gute Entwicklung im Anlagenbau bewahrte Linde insgesamt vor einem Erlösrückgang. Die Papiere büßten 2,5 Prozent ein.

Continental gewannen 0,6 Prozent. Die Erholung auf Europas Reifenmärkten und eine steigende Autoproduktion verhalfen dem Reifenhersteller zu einem starken ersten Quartal, wie die endgültigen Geschäftszahlen deutlich machten. Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler verweist auf erfreuliche Details in den Zahlen. Hervorzuheben sei der Nettogewinn, der klar über den Erwartungen ausgefallen sei. Der Analyst schätzt den Jahresausblick des Unternehmens als konservativ ein.

Monatelanges Tauziehen um Alstom droht

Keine Überraschung stellt nach Einschätzung aus dem Handel die ablehnende Haltung der französischen Regierung zum Übernahmeangebot von GE für Alstom dar. "Damit musste man rechnen", sagt ein Händler. Die Regierung ziehe im Gegensatz zum Alstom-Management klar eine Lösung mit Siemens vor. Vermutlich erhofft sich Paris von einer deutsch-französischen Lösung größere Einflussmöglichkeiten und den Erhalt von mehr Arbeitsplätzen. Die Siemens-Aktien schlossen 0,3 Prozent im Minus.

Deutsche Bank gaben 2,3 Prozent ab. Dem Unternehmen droht nach einem schwachen Quartal eine schlechtere Bonitätsbewertung der Ratingagentur Moody's. Die Agentur teilte mit, sie prüfe das "A2"-Langfrist-Rating der Deutschen Bank auf eine Herabstufung um eine Stufe. Gleiches gelte für das "C-"-Finanzstärke-Rating, bei dem externe Unterstützung durch den Staat außen vor bleibt. Der Einbruch des Nettogewinns um ein Drittel zeige die Probleme, die das Institut bei der Umsetzung seiner Strategie für 2015 habe.

Als "überzeugend" stuft ein Händler die Zahlen von Symrise ein. Der Duft- und Aromenhersteller habe beim Umsatz die Markterwartung zwar knapp verpasst, die Ergebnisseite überzeuge dagegen. Positiv sei zudem zu vermerken, dass der Margenausblick nach dem starken Jahresauftakt leicht nach oben angepasst wurde. Nachdem die Aktie seit Jahresbeginn allerdings bereits um acht Prozent zugelegt hat, gewinnt sie weitere 0,7 Prozent.

Evonik schrammt knapp an Prognosen vorbei

"Leicht enttäuschend" zeigt sich ein Marktteilnehmer von den Evonik-Zahlen. Das Unternehmen habe sowohl beim Umsatz wie auch beim Ergebnis die Markterwartung knapp verfehlt. Positiv sei zu sehen, dass Evonik den Ausblick bestätigt habe. Evonik-Aktien fielen um 4,7 Prozent.

Aixtron büßten 2 Prozent ein. Sie leiden nach Ansicht eines Händlers unter den schwachen Zahlen von Veeco. Der US-Wettbewerber habe zwar einen kleinen Gewinn geliefert, der allerdings hauptsächlich einem Einmaleffekt geschuldet sei. Zudem lese sich der Ausblick auf das zweite Quartal enttäuschend.

DMG Mori Seiki haben nach Ansicht von Anlegern noch viel Potenzial in diesem Jahr. Den sehr konservativen Ausblick habe das Unternehmen zwar bestätigt. Gleichzeitig erwarte die Gesellschaft, dass sich die  Marktentwicklung in der zweiten Jahreshälfte belebe. "Sollten nicht unvorhersehbare Ereignisse eintreten, sollte das Unternehmen im Sommer den Ausblick anheben", erwartet ein Händler. Ein Blick auf die Zahlen zum Jahresauftakt zeigt, dass das Unternehmen beim Auftragseingang, dem Umsatz wie auch bei den Ertragskennziffern die Markterwartung übertreffen konnte. Die Aktien legen 8,5 Prozent zu.

Quelle: n-tv.de, jwu/rts/DJ/dpa

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