Marktberichte

Die Skepsis bleibt Dax schließt im Plus

Die Hoffnung auf weitere staatliche Hilfen für die Konjunktur hat dem deutschen Aktienmarkt am Montag Auftrieb gegeben. Der Dax beendete den Handel nach kräftigen Schwankungen 1,1 Prozent im Plus bei 4835 Punkten. Der MDax kletterte 2,75 Prozent ins Plus auf einen Schlusstand von 5568 Zählern. Der TecDax stieg 1,44 Prozent auf 553 Punkte.

"Man hat den Eindruck, als bahne sich hier ein ganz kleines Fünkchen Hoffnung den Weg", sagte ein Händler. Viele rechneten "mit dem Allerschlimmsten" - wenn das nicht eintrete, stütze das die Kurse. Zudem helfe die Aussicht auf mögliche weitere Konjunkturhilfen für einige Branchen, die Bundeskanzlerin Angela Merkel in Aussicht stellte.

US-Notenbankchef Ben Bernanke forderte indes für die USA ein weiteres Konjunkturprogramm. Außerdem hat US-Finanzminister Henry Paulson Details zum US-Rettungsplan für die Banken vorgelegt und dabei wie erwartet Hilfen für ausländische Institute ausgeschlossen. Geldhäuser, die nicht in US-Händen seien, könnten nicht an dem Programm teilnehmen, teilte Paulson mit. Die USA hatten vergangene Woche ihr ursprüngliches Paket verändert. Im Kampf gegen die Finanzkrise und eine Rezession folgen die USA nun dem Beispiel Europas und kaufen in einer Art Teilverstaatlichung für bis zu 250 Milliarden Dollar Anteile an den größten Banken des Landes.

Am deutschen Aktienmarkt brachte das von der Bundesregierung auf den Weg gebrachte 500-Milliarden-Euro-Rettungspaket zwar Erleichterung, wurde aber auch skeptisch gesehen. Die Hilfen sind an Bedingungen geknüpft, die vielen Marktteilnehmern nicht gefallen: So dürfen die Unternehmen, die die Hilfe in Anspruch nehmen, vorübergehend keine Dividende mehr zahlen. Die Vergütungen für Vorstände und Geschäftsleiter sollen auf je 500.000 Euro pro Jahr begrenzt werden, Abfindungen und Boni sollen wegfallen.

Falsche Scham

"Wer sich so stark vom Staat reinreden lässt, bei dem muss die Not schon sehr groß sein", sagte ein Börsianer zu den Anforderungen. Entsprechend erleichtert reagierten die Anleger auf Aussagen von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der das Rettungspaket für seine Bank ablehnt. Die Deutsche Bank benötige kein Kapital vom Staat, sagte Ackermann und zog damit harsche Kritik der Bundesregierung auf sich. Die Aktie stieg um 3,9 Prozent auf 33,90 Euro.

Auch die meisten anderen Finanztitel standen auf der Gewinnerseite. "Das wichtige bei den Banken ist, dass die Regierung etwas tut und deshalb das Schlimmste vorbei sein sollte", sagte ein Händler. Die Commerzbank-Aktien fielen hingegen 4,1 Prozent und waren damit der zweitschwächste Wert am deutschen Aktienmarkt. Commerzbank-Chef Martin Blessing hatte angekündigt, die staatlichen Hilfen zu prüfen.

Postbank-Aktien kosteten am Abend 21,63 Euro, was einem Aufschlag von 2,56 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag entspricht. Die Aktien der Hypo Real Estate verteuerten sich um 2,92 Prozent auf 6,35 Euro. Allianz-Aktien stiegen 1,31 Prozent auf 73,19 Euro.

Mit Erleichterung reagierten Anleger darauf, dass die niederländische Großbank ING zehn Milliarden Euro an Staatshilfen in Anspruch nimmt. Nun habe ING einen Puffer, um die Krise zu überstehen, hieß es. Die Aktien legten 29,2 Prozent zu.

Eon und RWE gefragt

Die Titel der Versorger waren als sicherer Hafen in ganz Europa gefragt. Auch der anziehende Ölpreis mache die Papiere bei den Anlegern wieder begehrter, sagten Händler. Eon setzten sich mit einem Aufschlag von 9,86 Prozent an die Spitze des Dax. Siemens-Papiere notierten 7,7 Prozent höher auf 48,68 Euro. RWE kosteten mit 62,46 Euro 6,71 Prozent mehr.

Daimler-Aktien legten am Nachmittag kräftig zu und notierten schließlich 3,19 Prozent im Plus bei 26,52 Euro. Eine Hochstufung der Titel auf "Neutral" von "Sell" durch UBS stütze den Kurs, sagten Händler. BMW lagen am Abend kaum unverändert 0,92 Prozent im Minus. Dagegen widersetzten sich Volkswagen einmal mehr der Entwicklung am Gesamtmarkt, die Titel stürzten 22,6 Prozent ab und waren damit größter Verlierer im Dax.

Lufthansa-Aktien verloren 1,2 Prozent, weil Händler einen Einstieg bei der angeschlagenen Fluggesellschaft Alitalia befürchten. Auch der steigende Ölpreis dürfte sie drücken.

Quelle: ntv.de