Marktberichte

Nach Hiobsbotschaften Dax schließt nach Berg- und Talfahrt im Plus

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(Foto: picture alliance / dpa)

Der deutsche Leitindex schwankt heute zwischen Gewinn und Verlust: Nach einem starken Start und sattem Plus fällt er zwischenzeitlich jedoch wieder unter die 9000-Punkte-Marke. Am Ende schließt er fast unverändert zum Vortag.

Das Wachstum in Deutschland erhält einen Dämpfer, prognostizieren führende Wirtschaftsforschungsinstitute im sogenannten Herbstgutachten. Dem Dax war dies zunächst nicht anzumerken. Zunächst. Nachdem er seine satten Zugewinne vom Vormittag anfangs noch halten konnte, kam er nach und nach ins Rutschen. Am frühen Nachmittag sank der deutsche Leitindex dann - wie bereits am Vortag - unter die psychologisch bedeutsame Marke von 9000 Punkten und markierte bei 8983 Zählern ein Tagestief. Dann ging es wieder bergauf: Am Ende schloss er mit 0,1 Prozent im Plus bei 9005 Punkten.

Der MDax verzeichnete ein Minus von 1,1 Prozent und fiel auf 15.201 Zähler. Der TecDax gewann allerdings 0,2 Prozent auf 1184 Punkte hinzu.

"Die Eindeckungsrally ist zu Ende", sagte ein Händler nachdem der Dax gegen 14 Uhr seinen Tiefpunkt erreicht hatte. Anleger hätten in großem Umfang Leerverkaufspositionen nach den durch das US-Notenbankprotokoll ausgelösten Zinsspekulationen in den USA geschlossen. Effektive Käufe in der Kasse seien aber Mangelware. "Die schwache Konjunktur bremst die Anleger." Im Handel wurde unter anderem auf Aussagen der Bank of England verwiesen, wonach es vermehrt Hinweise gebe, dass sich das globale Wachstum abschwäche.

Allerdings war das Herbstgutachten heute nicht die einzige schlechte Nachrichten rund um die deutsche Wirtschaft. Auch die Exporte sind im August eingebrochen: Im Vergleich zum Vormonat Juli gingen die Ausfuhren kalender- und saisonbereinigt um 5,8 Prozent zurück. Dies war der höchste monatliche Rückgang seit Januar 2009. Ökonomen hatten nur mit einem Minus von 4,0 Prozent gerechnet.

Südzucker-Aktien brechen ein

Nach kräftigen Verlusten am Vortag gewannen SAP 1,7 Prozent und waren damit Dax-Spitzenreiter. Die Aktien des Autobauers BMW landeten mit einem Plus von 1,6 Prozent auf Platz zwei. Gut präsentierten sich auch Siemens: Nach ebenfalls starken Verlusten in den vergangenen vier Wochen (rund 12 Prozent) schloss die Aktie mit plus 0,4 Prozent an siebter Stelle im Dax.

Gestiegen ist über den Tag die Zahl der Dax-Verlierer: Auf dem vorletzten Platz schlossen Lufthansa - die Aktien ließen um 1,5 Prozent nach und markieren mit zwischenzeitlich 11,03 Euro ein neues 52-Wochen-Tief. Im vergangenen halben Jahr haben Lufthansa rund 41 Prozent verloren. Dax-Schlusslicht waren Adidas mit einem Minus von 1,9 Prozent.

Als erster Ausläufer der Berichtssaison hatte Südzucker am Morgen seine Bücher geöffnet - und auf niedrigem Niveau eine Enttäuschung vermieden. Das Unternehmen bestätigte seine Prognose. Zwar gingen Umsatz und Ergebnis im zweiten Quartal weiter zurück, unter dem Strich blieb aber ein deutlich höherer Gewinn als am Markt erwartet. "Trotzdem klingt der Ausblick eher negativ", sagte ein Händler. Die Titel brachen im MDax um rund 11,5 Prozent auf 10,39 Euro ein.

Gerresheimer verlieren weiter

Auch die Gerresheimer-Papiere enttäuschten mit einem dicken Minus von rund 11 Prozent und schlossen auf dem vorletzten Platz im MDax. Der Verpackungshersteller hatte zuvor einen nicht gerade zuversichtlichen Ausblick auf das kommende Jahr gegeben. Der Kurs der Aktie markierte zwischenzeitlich ein neues Jahrestief.

Die deutliche Erholung am deutschen Markt hat auch die Talfahrt der Börsen-Neulinge Zalando und Rocket Internet vorläufig beendet. Die seit voriger Woche börsennotierten Titel legten deutlich zu, blieben aber vorerst weit unter ihren Ausgabekursen von 21,50 und 42,50 Euro. Zalando stiegen in der Spitze um 6,4 Prozent auf 18,19 Euro und schlossen mit einem Plus von 4,6 Prozent bei 17,91 Euro. Rocket Internet legten am Ende 2,7 Prozent auf 34,00 Euro zu.

Wohl bereits am heutigen Donnerstag wird das Internetportal Scout24 seinen Gang aufs Parkett ankündigen, erfuhr das "Wall Street Journal" von Insidern. Der Börsengang, bei dem etwa ein Viertel der Anteile platziert werden soll, soll bis zu 700 Millionen Euro erzielen. Neben den Mehrheitseigentümern wird wohl auch die Deutsche Telekom ihren 30-Prozent-Anteil im Zuge des Börsengangs reduzieren. Die T-Aktie verloren 0,8 Prozent.

Quelle: ntv.de, kst/jwu/rts/DJ