Marktberichte

Berg- und Talfahrt Dax schließt schwächer

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Am Frankfurter Aktienmarkt dominieren die grünen Vorzeichen.

(Foto: dpa)

Der zurückhaltende Auftritt von EZB-Präsident Mario Draghi sorgt für Abgaben am deutschen Aktienmarkt. Positive Wirtschaftsdaten stützen die Kurse allerdings. Bei den Einzelwerten steht Celesio im Blick.

Nach dem Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank ist der Frankfurter Aktienmarkt mit Verlusten aus dem Handel gegangen. Nach volatilem Handel schloss der deutsche Leitindex Dax 0,8 Prozent schwächer bei 9421 Punkten. Der MDax verlor 0,4 Prozent auf 16.543 Zähler, während der TecDax 0,4 Prozent auf 1199 Punkte zulegte. Börsianer sprachen von einem nervösen Handel.

Händler Jordan Hiscott vom Broker Gekko Markets verwies auf eine vorsichtige Haltung der Anleger vor dem morgigen US-Arbeitsmarktbericht. Die dünnen Handelsvolumina hätten die negative Kursentwicklung verstärkt, die übertrieben erscheine. Die Entscheidung der EZB, den Leitzins auf seinem Rekordtief von 0,25 Prozent zu belassen, war nach übereinstimmender Einschätzung von Experten keine Überraschung.

Zuletzt hatte die niedrige Inflation Europas Währungshüter erneut unter Druck gesetzt. Zumal gleichzeitig die Konjunktur nur mühsam in Fahrt kommt. Dennoch hatten Beobachter zunächst keine weitere Lockerung der Geldpolitik erwartet.

Leitzins auf Rekordtief

Die lockere Geldpolitik der Notenbanken hat in den vergangenen Jahren die Börsen angetrieben. Daher wird mit Argusaugen an der Börse verfolgt, ob die Geldhüter ihre Politik ändern werden. Ein solcher Schritt dürfte zu kräftigen Kursbewegungen am Devisenmarkt, bei Anleihen und auch am Aktienmarkt führen.

Um gegen Deflationsgefahren und die Kreditklemme in einigen südeuropäischen Euro-Ländern vorzugehen, hatten die Zentralbanker im November den Leitzins auf das Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt. Zudem versorgt die EZB die Banken noch bis mindestens Mitte 2015 mit so viel Geld, wie diese bei ihr ordern. "Um herauszuhören, ob die EZB in naher Zukunft weitere Maßnahmen ergreift, werden die Investoren jedes Wort von EZB-Chef Mario Draghi auf die Goldwaage legen", sagt ein Börsianer.

Geringe Inflation

"Mit einer Zinssenkung rechnet eigentlich niemand, aber andererseits wissen die Investoren, dass sich die EZB gern alle Türen offenlässt", sagte ein Händler. "Das Inflationsniveau ist mit unter einem Prozent zu niedrig, der Inflationsausblick ist angesichts hoher Arbeitslosigkeit weiterhin gedämpft und auch die anhaltend schrumpfende Kreditvergabe zeugt noch nicht von einem selbsttragenden Aufschwung", erläuterte Helaba-Analyst Ralf Umlauf.

"Mario Draghi dürfte es gefallen, dass an den Kreditmärkten die Spreads der Staatsanleihen so stark gefallen sind", sagt allerdings Chris Weston vom Broker IG. Auch der jüngste Rückgang der Referenzzinsen wie Eonia komme der Euro-Notenbank entgegen. Nicht gefallen dürfte der EZB dagegen die niedrige Inflation. "Die Märkte sind scharf darauf zu erfahren, auf welches Niveau die Inflation fallen muss, damit die EZB zu radikaleren Maßnahmen greift", sagt Weston. Dazu zählten eine erneute Zinssenkung, geringere Reserveanforderungen für die Geschäftsbanken und ein weiterer Langfristtender.

Für Unterstützung an den Aktienmärkten sorgten gute Konjunkturdaten aus Europa. Nach einem gestiegenen EU-Verbrauchervertrauen und einer verbesserten Wirtschaftsstimmung in der EU kommen auch die deutschen Produktionsdaten der Industrie gut an. "Gleichzeitig ist die spanische Anleiheauktion sehr gut verlaufen", sagte ein Händler. Sie habe die Renditen auf neue Rekordtiefs in diesem Jahr getrieben. Die Summe der guten Nachrichten aus der Eurozone bestätige damit die Ansicht, dass sich Europas Wirtschaft auf Erholungskurs befinde. "Das untermauert einfach die Zuversicht und wird die Aktienkurse auch mittelfristig stützen", so der Händler weiter. Sollte es keine negative Überraschung von der EZB-Sitzung geben, könnte der Markt auch weiterlaufen.

Analysten machen Kurse

Bei den Einzelwerten richtete sich der Blick auf die Deutsche Telekom, die Aktie legte gegen den Trend 0,2 Prozent zu. Positiv wird bewertet, dass die amerikanische Tochter T-Mobile US im vierten Quartal netto 1,6 Millionen Neukunden gewonnen hat. Damit wuchs die Kundenbasis das dritte Quartal in Folge um über eine Million Kunden. Ende Dezember umfasste sie 46,7 Millionen Nutzer, liegt damit allerdings immer noch deutlich hinter den Wettbewerbern Verizon Wireless, AT&T und Sprint.

Wie bereits am Vortag werden die Kurse am deutschen Aktienmarkt vor allem von Analystenkommentaren bewegt. So handelte die Aktie von Fresenius Medical Care 1 Prozent fester, nachdem die Analysten von JP Morgan die Aktie auf hochgestuft haben. 1,1 Prozent leichter notieren dagegen HeidelbergCement nach einer Kurszielsenkung durch die UBS.

Für Gesprächsstoff sorgte auch das am Abend auslaufende Angebot für Celesio. Die Aufstockung des Übernahmeangebots um 50 Cent nehmen die Anleger enttäuscht auf – sie hatten auf mehr gehofft. Die Aktien des Pharmahändlers verloren nach dem zuletzt deutlichen Kursanstieg auf 24,15 Euro. Am Mittwoch hatten die Titel 9,3 Prozent fester bei 24,50 Euro geschlossen. Der US-Konzern McKesson hat im Ringen um die Übernahme des Pharmahändlers seine Kaufofferte auf 23,50 Euro je Aktie aufgestockt.

Deutlich nach oben ging es dagegen für Gerry Weber. Die Titel des Modekonzerns profitierten von einem Umsatzplus im vierten Quartal und schießen um fast 5,2 Prozent in die Höhe. Die Eröffnung zahlreicher Modeläden sorgte bei dem Unternehmen für einen Wachstumsschub.

Quelle: ntv.de, jga/rts/DJ/dpa