Marktberichte

6-Monats-Hoch Dax schließt über 5.400

Der Freitagshandel stand ganz im Zeichen des dreifachen Verfallstermins an der Eurex. Um 13 Uhr wurden die Futures und Indexoptionen abgerechnet - und es passierte nicht wirklich viel. Schwung brachten am Nachmittag erst gute Konjunkturdaten aus den USA, die den Dax in der Schlussauktion über 5.400 Punkte führten - erstmal seit mehr als sechs Monaten. Der Schlussstand: 5401 Punkte, ein Plus von 2,4 Prozent. Bemerkenswert: alle 30 Standardwerte verabschiedeten sich mit Gewinnen ins Wochenende.

Das Vertrauen der US-Verbraucher in die Wirtschaftsentwicklung des Landes ist im März nach vorläufigen Zahlen der Universität Michigan auf 95 Punkte und damit stärker als erwartet gestiegen. Experten hatten nur mit einem Anstieg auf 92,9 Punkte gerechnet. Im Februar hatte der Index noch bei 90,7 Punkten gelegen. Die US-Industrieproduktion ist im Februar um 0,4 Prozent im Monatsvergleich gestiegen. Es war der stärkste Anstieg sei Juni 2000, teilte die US-Notenbank mit. Experten hatten mit einem Anstieg von 0,2 Prozent gerechnet. Die guten Zahlen hätten dem Dax Aufwind verliehen, so ein Händler.

Für die kommende Woche rechnen Experten allerdings mit einer anhaltenden Seitwärtsbewegung der deutschen Standardwerte. Die Stimmung sei nach den jüngsten Wirtschaftsdaten aus den USA aber weiter gut. Die DZ Bank rechnet nach dem Anstieg von rund 13 Prozent in den vergangenen Wochen nun mit einer längeren Verschnaufpause der Blue Chips. Für einen weiteren Anstieg bis auf 5.500 Punkte müsse der Dax zudem mehrere technische Widerstandsmarken überwinden. Im Mittelpunkt in der kommenden Woche dürften die Aktien der Münchener Rück, von Degussa und E.ON stehen, alle drei Unternehmen wollen Geschäftszahlen vorlegen. BMW und die HypoVereinsbank haben zudem zu Bilanzpressekonferenzen eingeladen.

Im Mittelpunkt auf dem Frankfurter Parkett standen die Technologiewerte, die von einer verhaltenen Prognose des US-Softwareherstellers Oracle allerdings kaum belastet wurden. Die Entwicklung sei weiterhin schleppend, es gebe noch keine Anzeichen einer Erholung, lautete der Ausblick des Unternehmens für das vierte Quartal. Finanzchef Jeff Henley senkte zudem seine Prognose für das laufende Quartal auf 13 bis 14 US-Cent je Aktie. Im Dezember hatte er den Gewinn je Aktie für das vierte Quartal noch mit 17 oder 18 US-Cent prognostiziert. Für Infineon ging es 2,6 Prozent auf 25,96 Euro nach oben, Siemens legte 2,2 Prozent auf 75,79 Euro zu, und Epcos stieg 1,5 Prozent auf 49,70 Euro.

Der Softwarehersteller SAP will für 2001 die Dividende je Stammaktie um einen Cent gegenüber dem Vorjahr erhöhen. Der Aufsichtsrat werde für das abgelaufene Geschäftsjahr eine Ausschüttung von 0,58 Euro je Aktie nach 0,57 Euro im Vorjahr vorschlagen, so das Unternehmen. Wie SAP weiter mitteilte soll die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen der Hauptversammlung als Konzernabschlussprüfer vorgeschlagen werden. In einem Zeitungsbericht hatte es vor wenigen Tagen geheißen, SAP wolle sich von Andersen trennen. Die SAP-Aktie legte 2,3 Prozent auf 170,07 Euro zu. Das Investmenthaus Lehman Brothers hat unterdessen das Kursziel für die SAP-Aktie auf 200 von zuvor 185 Euro erhöht, die Bewertung beließen die Analysten bei „strong buy“.

Der Wiesbadener Industriegase- und Gabelstaplerkonzern Linde hat im Geschäftsjahr 2001 in allen Geschäftsbereichen ein Ergebnisplus erzielt. Der operative Gewinn sei um 10,6 Prozent auf 900 Millionen Euro gestiegen und habe damit die eigenen Erwartungen von einem 8-prozentiegen Anstieg übertroffen, so das Unternehmen. Auch 2002 will Linde beim Ergebnis zulegen, konkrete Zahlen wurden allerdings nicht genannt. Die Aktie legte 3,2 Prozent auf 57,59 Euro zu.

Nach der Entflechtung ihrer Beteiligungsverhältnisse ziehen sich Vertreter der Allianz und der HypoVereinsbank aus dem Aufsichtsrat des jeweils anderen Instituts zurück. Dies gaben die beiden Unternehmen am Freitag bekannt. Die HypoVereinsbank-Aktie verbesserte sich 0,7 Prozent auf 37,98 Euro, für die Allianz ging es 4,3 Prozent auf 283,37 Euro nach oben. Die Allianz kündigte zudem an, man werde den Fluggesellschaften wieder eine Versicherung für Drittschäden am Boden bei Terroranschlägen auf Flugzeugen anbieten. Die Versicherer könnten aber auch in Zukunft nicht die kompletten Kosten solcher unkalkulierbarer Schäden übernehmen, so ein Sprecher des Unternehmens.

Im MDax stand der Titel von Babcock Borsig im Mittelpunkt, die Aktien brachen 27,5 Prozent auf 4,85 Euro ein. Händlern zufolge steigen institutionelle Investoren aus dem Wert aus, nachdem der Verkauf der Beteiligung an der Werft HDW Bedenken über die weitere Strategie des Unternehmens ausgelöst hatte.

Eine Insolvenz des Baukonzerns Philipp Holzmann wird nach Angaben aus Bankenkreisen trotz weiter laufender Gespräche über ein Rettungspaket immer wahrscheinlicher. Wenn sich über das Wochenende nichts tut, müsse Holzmann wohl schon am Montag Insolvenz anmelden, hieß es. Die Verhandlungen der Gläubigerbanken über eine Rettung des angeschlagenen Baukonzerns waren am Donnerstag in Frankfurt vorerst gescheitert. Holzmann ist insgesamt mit knapp 1,5 Milliarden Euro verschuldet. Das von dem Hauptgläubiger und Hauptaktionär Deutsche Bank vorgelegte Sanierungskonzept war am Freitag von der HypoVereinsbank, der Dresdner Bank und der Bankgesellschaft Berlin abgelehnt worden. Die Holzmann-Aktie fiel 11,0 Prozent auf 6,50 Euro.

Quelle: ntv.de