Marktberichte

Wall Street sackt ins Minus Dax startet mit Gewinn in die Handelswoche

imago64486849h.jpg

(Foto: imago/Thomas Eisenhuth)

Die Stimmung am deutschen Aktienmarkt ist weiter positiv - schwache Daten zur chinesischen Konjunkturentwicklung hemmen den Dax nur anfänglich. Schnell dreht der Index ins Plus, getragen von guten Daten für Europas Wirtschaft.

Es geht weiter aufwärts an der deutschen Börse: Nachdem sich der Leitindex Dax Anfang vergangener Woche noch der 11.000-Punkte-Marke angenähert hatte, nimmt er mittlerweile wieder Kurs auf 11.500. Am ersten Handelstag der Woche ging es am Ende schon mal 1,2 Prozent nach oben auf 11.444 Punkte.

Dax
Dax 15.603,88

Ein besserer Einkaufsmanager-Index für die Eurozone hatte bereits am Vormittag für europaweite Erleichterung gesorgt. Der Index wurde im Juli auf 52,4 nach 52,2 in der ersten Veröffentlichung nach oben revidiert. Enttäuscht hatte am Morgen noch Konjunkturdaten aus China. Die Aktivität im verarbeitenden Sektor in China ist im Juli auf ein Zweijahrestief zurückgefallen, wie der von Caixan und Markit ermittelte Index der Einkaufsmanager verdeutlicht. Er sackte auf 47,8 Punkte von 49,4 im Juni ab.

Am ersten Tag nach ihrer fünfwöchigen Zwangspause ist die Börse in Athen regelrecht eingebrochen. Der Athener Leitindex stürzt zur Eröffnung um 22,9 Prozent auf 615 Punkte ab - am Ende verringerte sich der Verlust auf rund 16 Prozent. Das war der tiefste Fall binnen eines Handelstags in der Geschichte der Börse. Zwischenzeitlich war der griechische Aktienmarkts insgesamt etwa so viel Wert, wie alleine das Dax-Unternehmen ThyssenKrupp. Die Anleger machten Kasse, jeder möchte sein Geld außer Landes bringen. "Die institutionellen Investoren haben ihr Vertrauen in das Land verloren", so ein Händler.

Gut kam der Verkaufspreis des Brasiliengeschäfts von HSBC an. Der Verkaufspreis von 5,2 Milliarden Dollar an Banco Bradesco SA sei "in Ordnung", hieß es im Handel. Die Aktie stieg in London um 0,1 Prozent. Besser als erwartet waren auch die Zahlen von Heineken ausgefallen. Der niederländische Bierbrauer habe die Erwartungen des Marktes übertroffen, hieß es, die Aktie legte um 5,4 Prozent zu.

Deutschland: Fresenius dominiert den Dax

Fresenius SE
Fresenius SE 36,34

Der Dax schloss am Ende um 1,2 Prozent verbessert auf 11.444 Punkten. Beim Nebenwerte-Index MDax zeigte sich sogar ein Plus von 1,8 Prozent auf 21.131 Zähler. Ebenfalls um 1,8 Prozent legte der TecDax zu und stieg auf 1803 Punkte. Für den Euro-Stoxx-50 ging es um 0,9 Prozent nach oben auf 3633 Punkte.

Auf Erholungskurs gehen auch die Papiere von Fresenius Medical Care, die 3,1 Prozent gewannen. Die Titel der Dialysetochter des ebenfalls im Dax gelisteten Gesundheitskonzerns Fresenius waren in der Vorwoche im Sog eines schwachen Ausblicks um sechs Prozent eingebrochen. Am Ende des Handelstages standen sie auf Platz zwei in der Dax-Rangliste. Auf Platz eins landete der Mutterkonzern: Fresenius stiegen sogar um 3,9 Prozent.

Deutsche Telekom konnten um rund 3,0 Prozent zulegen. Ein positiver Kommentar der Analysten von Equinet schob die Aktien in die Höhe. Die Experten hatten ihre Gewinnschätzungen angehoben und die Titel auf "neutral" von "reduce" hochgestuft. Die Titel der Commerzbank stiegen um 2,2 Prozent. Das teilverstaatlichte Geldhaus konnte seinen Nettogewinn im ersten Halbjahr auf 646 Millionen Euro mehr als verdoppeln.

Ganz hinten landeten hingegen Infineon, die 0,5 Prozent einbüßten. Auch Adidas gaben nach, allerdings nur 0,2 Prozent, Deutsche Bank verloren 0,1 Prozent.

Der im MDax notierte Spezialchemiekonzern Wacker Chemie hatte im zweiten Quartal Umsatz und Ergebnis kräftig verbessert und damit die Erwartungen an der Börse getroffen. Geholfen hatten vor allem günstige Wechselkurseffekte und eine gute Nachfrage. Die Jahresprognosen hatten die Münchener bestätigt. Die Aktie sank dennoch - womöglich gedrückt von Gewinnmitnahmen - mit einem Minus von 0,6 Prozent. Nach sehr bullischen Analysten-Calls von Goldman Sachs und Oddo Seydler legten Drillisch im TecDax um 9,1 Prozent zu.

USA: Schwache Konjunkturdaten belasten Dow Jones

Dow Jones
Dow Jones 34.265,37

Neben den schwachen Daten aus China belasten auch Konjunktursignale aus den USA zu Wochenbeginn die Wall Street. So ist der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe im Juli statt der vorhergesagten Stagnation gefallen. Der weniger stark beachtete Markit-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe ist dagegen in zweiter Lesung gegenüber Juni gestiegen.

 Ähnlich uneinheitlich präsentieren sich die auf den ersten Blick schwachen Bauausgaben für Juni, die die Markterwartungen klar verfehlt haben. Allerdings wurden die Maiwerte kräftig nach oben revidiert. Die vorbörslich veröffentlichten persönlichen Einkommen und Ausgaben trafen die Erwartungen des Marktes. Die Vormonatswerte wurden allerdings leicht nach unten revidiert.

Dow-Jones-Index der Standardwerte verzeichnete ein Minus von 0,5 Prozent bei 17.598 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 büßte 0,3 Prozent ein und hatte einen Stand von 2098 Zählern. Der Index der Technologiebörse Nasdaq fiel 0,25 Prozent auf 5115 Stellen.

Übergeordnet sei der Blick der Investoren bereits auf den am Freitag anstehenden US-Arbeitsmarktbericht für Juli gerichtet, heißt es. Er könnte die Wahrscheinlichkeit für eine Anhebung der Leitzinsen im September erhöhen, oder aber auf eine mögliche weitere Verschiebung des ersten Zinsschritts seit der Finanzkrise hindeuten. Keine größere Rolle dürfte dagegen die Wiedereröffnung der Börse in Athen nach der fünfwöchigen Handelsunterbrechung spielen.

ExxonMobil
ExxonMobil 64,15

Bei den Einzelwerten setzen die Ölwerte Chevron und Exxon Mobil ihre negative Entwicklung vom Freitag fort. Die Papiere der Ölkonzerne hatten nach schwachen Quartalszahlen kräftige Kursverluste verzeichnet. Der anhaltende Ölpreisverfall hat den Unternehmen stärker zugesetzt als erwartet. Exxon vermeldete den niedrigsten Quartalsgewinn seit zehn Jahren. Auch bei Chevron brach das Ergebnis überraschend deutlich ein. Chevron verlieren 3,3 Prozent, Exxon Mobil 1,4 Prozent.

Yahoo steigen minimal um 0,1 Prozent. Der Internet-Konzern gab die Übernahme der auf Mode und Heimdekor spezialisierten Seite Polyvore bekannt. Finanzielle Details der Übernahme wurden bislang nicht veröffentlicht.

Devisen: Euro knapp unter 1,10 Dollar

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,13

Der Euro ist nach gemischten Konjunkturdaten aus den USA und der Eurozone nahezu unverändert geblieben. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde im späten US-Geschäft mit 1,0951 Dollar gehandelt und damit auf dem Niveau des asiatischen Handels. Am frühen Nachmittag hatte der Kurs kurzzeitig ein Tief bei 1,0941 erreicht. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,0951 (Freitag: 1,0967) US-Dollar fest.

Der etwas besser als zunächst ermittelt ausgefallene Einkaufsmanagerindex für die Industrie der Eurozone im Juli bewegte den Devisenmarkt kaum. Nach Ländern betrachtet zeichnete sich kein einheitliches Bild ab. Italien überraschte positiv. Frankreich blieb wie erwartet schwach. In Griechenland brach der Indikator dramatisch von 46,9 Punkten im Vormonat auf 30,2 Punkte ein und erreichte so einen historischen Tiefstand.

Nach einer kurzzeitigen Schwächung des Euro gaben überraschend schlechte Daten aus der US-Industrie der Gemeinschaftswährung wieder Auftrieb. Die eingetrübte Stimmung lege nahe, dass der exportorientierte Industriesektor an den Folgen des starken Dollars leide, schreiben Analysten des Londoner Forschungsunternehmens Capital Economics. Weitere Konjunkturdaten bewegten am Devisenmarkt nicht, weil sie im Rahmen der Erwartungen lagen. Der private Konsum legte wie erwartet zu. Die Bauausgaben stiegen im Juni zwar schwächer als erwartet. Allerdings wurde gleichzeitig der Anstieg vom Vormonat deutlich nach oben korrigiert.

Rohstoffe: Nordsee-Öl auf Sechs-Monats-Tief

Rohöl (Brent)
Rohöl (Brent) 87,90

Die Aussicht auf eine Ausweitung des weltweiten Überangebots schickt den Ölpreis erneut auf Talfahrt. US-Leichtöl der Sorte WTI verbilligte sich um 4,1 Prozent auf 45,17 US-Dollar pro Fass, Nordseeöl der Sorte Brent um 5,2 Prozent auf 49,52 Dollar.

Die Ölförderung der Opec-Staaten stieg im Juli um 140.000 auf 32,01 Millionen Barrel pro Tag. Das ist der höchste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen 1997. Offenbar halte das Öl-Kartell an seiner Strategie fest, seine Marktanteile um jeden Preis verteidigen zu wollen und damit Konkurrenten mit höheren Förderkosten zu verdrängen, sagten Börsianer.

Asien: Shanghai kann Verluste doch noch eindämmen

Die schwachen chinesische Konjunkturdaten haben zu Beginn der neuen Handelswoche auch an den ostasiatischen Börsen für Abgaben gesorgt. Allerdings hielt sich vor allem der Aktienmarkt in Shanghai vor dem Hintergrund der jüngsten Marktturbulenzen mit einem Abschlag von 1,1 Prozent auf 3623 Punkten recht gut. "Die Investoren setzen auf weitere Maßnahmen durch die Regierung", erklärte Analyst Li Lei von China Minzu Securities das moderate Minus in Schanghai.

Für den Nikkei-Index in Tokio ging es um 0,2 Prozent auf 20.548 Punkte nach unten. Es habe vor den am Freitag anstehenden US-Arbeitsmarktdaten unter den Anlegern bereits eine gewisse Zurückhaltung geherrscht, hieß es.  "Die US-Notenbank hat den September als Zeitpunkt für eine Zinserhöhung immer wieder ins Spiel gebracht", merkte Stratege Hiroyuki Fukunaga von Investrust an. "Daher kommt dem Arbeitsmarktbericht am Freitag eine besondere Bedeutung in Hinblick auf einen genauen Zeitpunkt der Zinserhöhung zu. Bis dahin dürften sich die Investoren eher in Zurückhaltung üben", so der Teilnehmer.

Unter den Einzelwerten fielen Fuji Heavy Industries mit 3,9 Prozent kräftig. Zwar erfüllte das Unternehmen die Prognosen, änderte jedoch nicht wie erhofft den Ausblick. "Gut ist nicht gut genug", kommentierte ein Teilnehmer die Marktreaktion.

Gleiches gelte für die Großbanken, wie Morgan Stanley betonte. Die Quartalszahlen hätten eine teils sehr solide Entwicklung gezeigt, doch die große Sorge einer Abschwächung des Asien-Geschäfts habe dies völlig überlagert. Mitsubishi UFJ verloren 1,6 Prozent, Sumitomo Mitsui 1,3 Prozent und Mizuho 1,5 Prozent.

Dagegen machten Honda Motor einen Sprung von 8,8 Prozent nach oben. Der Anstieg des operativen Gewinns fiel im ersten Geschäftsquartal stärker als erwartet aus. TDK legten um 0,9 Prozent zu, nachdem der Betriebsgewinn im ersten Geschäftsquartal die Erwartungen geschlagen hat.

Quelle: ntv.de, kst/ppo/rts/DJ

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.