Marktberichte

Anleger scheuen große Engagements Dax streift Verluste ab

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Marktbericht: Dax entfernt sich wieder von seinem Hoch.

(Foto: dpa)

Die Agenda ist dünn und so fehlen am Markt die großen Impulse. Anleger zeigen sich noch immer enttäuscht, dass dem Dax-Allzeithoch wenig folgte. Zudem steigt das Sicherheitsbedürfnis wieder. Dominierendes Thema ist die Deutsche Bank.

Der deutsche Aktienmarkt hat sich am ersten Tag der neuen Woche mühsam ins Plus gerettet. Vor allem der Dax verharrte lange Zeit in der verlustzone. Letztlich schob ein freundlicher Frühhandel in New York das Börsenbarometer in die Gewinnzone.

Die Stimmung sei angeknackst, sagte n-tv-Börsenexperte Frank Meyer. Die Anleger seien enttäuscht, dass der Dax aus dem Allzeithoch vergangene Woche nicht mehr gemacht habe, sondern sofort Verkäufe eingesetzt haben. Nun verstärke das Sicherheitsbedürfnis der Anleger sogar das Minus.

Der Leitindex Dax schloss am Ende 0,3 Prozent fester bei 9659 Punkten. Das Tagestief lag bei 9535 Punkten notiert. Der MDax kletterte um 0,8 Prozent auf 16.314 Zähler. Der TecDax erhöhte sich um 0,5 Prozent auf 1225 Stellen. Der Eurozonen-Leitindex Eurostoxx 50 verlor dagegen 0,1 Prozent auf 3171 Punkte. "Die Rahmenbedingungen bleiben schwierig", sagte auch LBBW-Analyst Werner Bader. Ein Grund sei der Ukraine-Konflikt. Zudem wüchsen wieder Zweifel an einer Konjunkturerholung.

Für zeitweise kräftige Abgaben sorgte zudem die anstehende Europawahl am kommenden Wochenende, bei der mit einem guten Abschneiden der EU- und Euro-skeptischen Parteien gerechnet wird. Analysten glauben aber nicht an einen längerfristigen Belastungsfaktor getreu dem Motto "politische Börse haben kurze Beine".

"Das Gros der Marktteilnehmer will sich in diesen Tagen weder in die eine oder andere Richtung festlegen", fasste Jens Klatt, Chefanalyst von DailyFX, zusammen. Dies spiegelte sich im Tagesverlauf in einem recht regen Auf und Ab der Kurse wider.

Banken im Fokus

Für Aufmerksamkeit sorgt in Europa der Banken-Sektor, der zwei Prozent nachgibt. Hauptthema ist die Kapitalerhöhung der Deutschen Bank. Verkauft werden vor allem italienische und französische Bankenaktien, wohl auch aus Sorge, dass in dem Sektor weitere Kapitalerhöhungen anstehen.

Commerzbank
Commerzbank 5,23

Im Dax verloren allen voran Commerzbank im Sog der Kapitalaufstockung des deutschen Branchenprimus' 2,6 Prozent. Anleger spekulierten auch hier auf eine Kapitalerhöhung, da der Puffer der Commerzbank mit einer Quote von neun Prozent nicht übermäßig komfortabel sei, sagte Equinet-Analyst Philipp Häßler. Zudem werde die Bank langsam ein Opfer ihres Erfolges: Seit der jüngsten Kapitalmaßnahme im Sommer 2013 hatte sich der Kurs der Papiere mehr als verdoppelt. "Die Investoren hatten sich große Hoffnungen gemacht, dass die Commerzbank den Turnaround schneller schafft. Aber das ist im derzeitigen Umfeld für Banken schwierig", sagt Analyst Michael Seufert von der Nord LB.

Deutsche Bank
Deutsche Bank 6,45

Deutsche Bank fielen um 1,7 Prozent zurück. Als "Befreiungsschlag" wertet ein anderer Händler die Kapitalerhöhung der Deutschen Bank. Mit acht Milliarden Euro sei sie weitaus größer als die am Markt zuvor spekulierten fünf Milliarden Euro.

Goldman Sachs begrüßte die Maßnahme. Doch sei fraglich, welchen Anteil des eingesammelten Kapitals die Bank für Prozesskosten vorgesehen habe und wie viel in das USA-Geschäft fließe. Daneben warnt die Societe Generale, dass die Kapitalerhöhung möglicherweise nicht hoch genug sei. Um bis Ende 2015 beim Verschuldungsgrad den Kriterien nach Basel III voll zu entsprechen, hätte es eines Volumens von 13 Milliarden Euro bedurft.

Ryanair-Ausblick beflügelt Lufthansa

Eine Beteiligungserhöhung an Bilfinger auf 20,19 Prozent durch den schwedischen Finanzinvestor Cevian bewegte kaum. Der Grund für die Nicht-Reaktion dürfte nach Einschätzung aus dem Handel daran liegen, dass Cevian laut eigenen Angaben keinerlei strategische Interessen bei Bilfinger verfolge. Bei der Beteiligung gehe es um eine reine Handelsposition, die der Erzielung von Handelsgewinnen diene. Die Bilfinger-Aktie schloss mit einem leichten Plus von 0,1 Prozent.

Gesucht waren am anderen Ende indes Lufthansa, die 3,6 Prozent zulegten. Die Kranich-Linie profitierte vom Ausblick des britischen Billigfliegers Ryanair. Eon RWE und BMW stiegen zwischen 2,3 und 2,0 Prozent zu. K+S kletterten nach einer Kurszielerhöhung durch die Citigroup um 1,7 Prozent.

Großauftrag für Jenoptik

In der zweiten Reihe kamen Aareal Bank mit einem Aufschlag von 2,6 Prozent als Tagessieger ins Ziel. Kuka verteuerten sich um 2,0 Prozent. Die Analysten der DZ Bank hatten ihre Verkaufsempfehlung bekräftigt und zugleich das Kursziel deutlich um 5 auf 34 Euro erhöht. Der bei der Zwischenbilanz bekanntgegebene Anstieg des Auftragseingangs habe über den Erwartungen gelegen, sagte DZ-Bank-Analyst Jasko Terzic in einer Kurzstudie. Salzgitter gewannen nach einer Hochstufung durch JP Morgan 0,6 Prozent an.

Im TecDax kletterten Nordex um 2,3 Prozent. United Internet zogen 2,1 Prozent an. Die Experten von Equinet gehen von einem soliden Quartal aus und haben daher am Morgen ihre Anlageempfehlung auf "accumulate" von "hold" erhöht. Bechtle verteuern sich um 2,0 Prozent. Jenoptik erhöhten sich um 0,9 Prozent. Die Verkehrssicherheit-Sparte vermeldet einen großauftrag aus Singapur.

Im SDax riß es Patrizia in die Höhe. Das Papier stieg um 6,0 Prozent. Die Analysten der Berenberg Bank hatten ihre Kaufempfehlung mit einem erhöhten Kursziel versehen. Die Anpassung hänge unter anderem mit den Anfang Mai veröffentlichten Quartalszahlen zusammen, schrieben die Analysten. Die Aussichten des Immobilienkonzerns seien vielversprechend, das Geschäftsmodell attraktiv.

Quelle: n-tv.de, jwu/rts/DJ

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