Marktberichte

Einsteiger gesucht Dax verpasst die 5500 Punkte

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Mutige Investoren hängen sich jetzt rein.

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Nach einer rasanten Talfahrt sorgen Kursgewinne an der Wall Street kurz für Entspannung. Für ein Plus im Dax reicht es allerdings nicht. Die Konjunktursorgen bleiben. Sobald die Märkte sich etwas beruhigen, decken sich Anleger bei niedrigen Niveaus wieder mit Aktien ein, sagt ein Händler. Wegen der Schuldenkrisen in Europa und den USA verliert der Dax seit Anfang August gut 20 Prozent an Wert.

Steigende Kurse an der Wall Street haben am Nachmittag das Minus im Dax weiter reduziert. Das Ruder rumreißen konnten die US-Börsen allerdings nicht. An den hochnervösen Märkten herrschte auch am letzten Handelstag der Woche größtenteils Ausverkaufsstimmung.

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Anleger warten auf die Krisenfeuerwehr.

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Zuletzt notierte der Dax 2,2 Prozent tiefer bei 5480 Punkten. Der MDax der mittelgroßen Werte gab 1,5 Prozent nach auf 8404 Punkte. Allein der Technologiewerte-Index TecDax schaffte ein Plus von 0,6 Prozent auf 690 Zähler.

Allein am Donnerstag hatte er mit einem Abschlag von knapp 6 Prozent bereits den größten Tagesverlust seit fast drei Jahren erlitten. Damit schloss der Dax auf Wochensicht das vierte Mal in Folge im Minus: Diesmal betrug der Abschlag satte 8,63 Prozent.

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Auch die Börsen in London, Paris und Mailand notierten im Minus. Am Donnerstag hatte der Dax den Handel mit einem Abschlag von 5,8 Prozent - dem größten Minus seit 2008 - beendet. Schuld waren US-Konjunkturdaten, die die Rezessionsängste noch einmal schürten. "Die Märkte sind sehr ängstlich und verunsichert", sagte Stefan Chmielewski vom Brokerhaus Lang & Schwarz.

Das Kaufinteresse vom Wochenbeginn durch Schnäppchenjäger und Deckungskäufe sei verschwunden, berichteten Marktbeobachter weiter. Vor dem Wochenende habe für viele Investoren gegolten, ihre Depots vor schlechten Nachrichten abzusichern. Den Markt brachte das unter Druck.

Die Angst geht um

Auch andere europäische Indizes notierten schwach. Der Goldpreis kletterte erstmals über die Marke von 1850 US-Dollar und komplettierte damit das Bild des nervösen Marktes. Allein in der laufenden Woche legte der Goldpreis um gut 110 Dollar oder rund sechs Prozent zu. Auch den Franken wurde wieder von vielen Anlegern als sicherer Hafen angesteuert. Zur Gemeinschaftswährung zog die alpenländische Währung um rund ein Prozent an, so dass für einen Euro 1,1252 (spätes Vortagesgeschäft: 1,1375) Franken gezahlt werden mussten.

Käuferstreik?

Neben den Sorgen um die Zustand der amerikanischen Wirtschaft hatte auch die europäische Schuldenkrise die Anleger fest im Griff. Sie warten immer noch vergeblich auf tiefgreifende Maßnahmen, um den Ländern einen Weg aus der Misere zu ebnen. Die US-Bank Morgan Stanley trug hier mit ihren gesenkten Prognosen für das Wachstum der Weltwirtschaft zur Verunsicherung bei.

Neben diesen Sorgen belasteten auch Spekulationen um die Finanzstärke europäischer Banken die Märkte. Die US-Notenbank befürchtet, dass eine Welle aus Europa nach Amerika schwappen könnte. Einige Experten sprachen bereits von einem Käuferstreik.

Schon Ende Juli und Anfang August hatte eine regelrechte schwarze Serie die internationalen Börsen in die Tiefe gerissen. Die Dimension der Kurseinbrüche hat mittlerweile das Niveau vom Herbst 2008 erreicht - also die Zeit der schweren Finanzmarktkrise im Zuge der Pleite von Lehman Brothers.

Ewig grüßt die Bankenkrise

Die Sorge um eine ausreichende Finanzierung belastete die europäischen Bankenwerte. Ursache für die schlechte Stimmung war unter anderem ein Bericht, wonach eine Bank bei der EZB um einen 500 Mio. US-Dollar schweren Notkredit gebeten habe. Zudem soll die New Yorker Notenbank die finanzielle Stärke der US-Ableger von europäischen Banken prüfen.

Auch das Verbot von Leerverkäufen von Bankaktien in mehreren europäischen Ländern stieß Marktteilnehmern weiterhin übel auf. Die Titel britischer Institute wie der Royal Bank of Scotland und Lloyds gehörten mit Abschlägen zu den größten Verlierern.

Im Dax gab die Deutsche Bank um 2,7 Prozent nach, womit sie zu den größten Verlierern zählte. Die Anteilsscheine der Commerzbank allerdings dampften ihr Minus ein und landeten am Ende sogar mit 0,4 Prozent im Plus. Ein Marktteilnehmer deutet die Stabilisierung der überaus volatilen Aktie als Signal für zunehmendes Entweichen der Abwärtsdynamik. Zudem liege die Aktie massiv unter den Zielen vieler Häuser. So haben die Analysten von JP Morgan ein Kursziel von 3,50 Euro, die der LBBW eines von 3,30 Euro genannt.

Die Banken stünden aber noch immer vor einer Reihe von Problemen, sagte Fondsmanager Ian Stewart, der den 4,6 Milliarden Euro schweren Newton Real Return Fund verwaltet. "Wir sind noch immer inmitten einer globalen Bankenkrise und die Erträge werden wahrscheinlich weiter zurückgehen."

Autowerte im Blick

Die Furcht vor einer neuen Rezession belastete vor allem die konjunktursensiblen Titell, wie die von Autoherstellern: Der Stoxx-Branchenindex sackte um 4,8 Prozent auf den tiefsten Stand seit einem Jahr ab. Zu den Verlierern zählten die im MDax gelisteten Aktien von Continental mit einem Minus von 2,7 Prozent, Porsche fielen um 4,5 Prozent. Im Dax verloren VW, BMW und Daimler zwischen 2,5 und 3,4 Prozent.

Die Analysten von Goldman Sachs reduzierten das Kursziel für BMW und VW, stuften die Titel von Daimler aber herauf auf "buy" von "neutral". Die niedrigeren Kursziele folgten der Absenkung der Konjunkturerwartungen für die USA und Europa durch Goldman Sachs, begründeten die Analysten ihren Schritt. Insgesamt halte man aber an der optimistischen Sicht auf den Autosektor fest. So gebe es weiterhin Wachstumspotenzial in den großen Schwellenländern.

Quelle: ntv.de, ddi/DJ/rts/dpa