Marktberichte

Sorgen um Deutsche Bank Dax weitet Verluste aus

Der Ausflug der deutschen Standardwerte in die Gewinnzone war am Mittwoch nur von kurzer Dauer. Schwächer als erwartete Konjunkturdaten aus den USA verdarben den Anlegern am Nachmittag die Laune und schickten den Dax zum Schluss wieder mit 0,6 Prozent bei 5.246 Punkten ins Minus.

Der Umsatz des US-Einzelhandels ist im Februar deutlich geringer angestiegen als von Experten erwartet worden war. Die Branche habe mit knapp 300 Milliarden Dollar 0,3 Prozent mehr umgesetzt als im Vormonat, so das US-Handelsministerium. Analysten hatten aber mit einem Umsatzanstieg von 0,9 Prozent gerechnet. Das sei nach den vielen guten Konjunkturdaten der letzten Wochen nun ein kleiner Rückschlag, so ein Händler. Die Stimmung könne aber schnell wieder drehen, da die Zahlen an sich ja immer noch auf eine Erholung der US-Wirtschaft hindeuten würden, wenn auch langsamer als viele sich erhofft hatten.

Positive Impulse erhofft der Markt sich auch von der Cebit, da sich dort eine ganze Reihe der großen Technologiekonzerne präsentieren würden, hieß es von Marktbeobachtern.

Eine erste Meldung von der Elektronikmesse in Hannover gab es am Mittwoch bereits vor Handelsbeginn von der Deutschen Telekom. Der Bonner Konzern wird beim Mobilfunk für Firmenkunden mit dem weltgrößten Softwarehersteller Microsoft kooperieren. Die T-Aktie schloss mit einem Plus von 0,8 Prozent bei 16,89 Euro.

Im Mittelpunkt auf dem Frankfurter Parkett stand die Aktie von Bayer. Der Chemie- und Pharmakonzern hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2001 wegen der weltweiten Konjunkturschwäche und der Rücknahme des Cholesterin-Mittels Lipobay eine Halbierung des Konzerngewinns im Vergleich zum Vorjahr hinnehmen müssen. Die Erwartungen von Analysten konnten die Leverkusener mit einem Gewinn von 965 Millionen Euro allerdings übertreffen, diese hatten durchschnittlich nur mit 750 Millionen Euro gerechnet. Für das laufende Jahr bekräftigte Bayer sein Ziel, den Konzerngewinn deutlich zu verbessern. Die Zahlen seien fantastisch und der Ausblick sehr positiv, so ein Händler. Die Aktie verbesserte sich um 0,8 Prozent auf 39,36 Euro.

Mit gemischten Gefühlen dürften die Anleger der ersten Stunde auf die Infineon-Aktie blicken, die am Mittwoch ihr zweijähriges Börsenjubiläum feierte. Die nach dem Börsengang der Deutschen Telekom bis dato zweitgrößte Emission hatte damals so viele Interessenten angelockt, dass die Aktien rund 33fach überzeichnet waren: Nur bei etwa jedem sechsten der vier Millionen Kleinanleger landete das Technologiepapier dann schließlich im Depot. Der Ausgabepreis von 35 Euro verdoppelte sich innerhalb der ersten Handelsminute. Längst Geschichte: Am Mittwoch ging es 1,7 Prozent auf 25,40 Euro nach unten.

Die Aktie der Infineon-Mutter Siemens fiel 2,1 Prozent auf 73,40 Euro, nachdem der Leiter des Netzwerkbereichs, Thomas Ganswindt, auf Grund der immer noch schwierigen Marktlage weitere Stellenstreichungen nicht ausgeschlossen hatte. "Bei Siemens ist man sich nicht sicher, wie sich die Geschäftsbereiche in der nächsten Zukunft entwickeln werden", sagte Florian Weber, Aktienhändler beim Börsenmakler Schnigge. In den Aussagen von Ganswindt sei eher Zurückhaltung zu spüren gewesen. "Und das ist etwas, was Börsianer im Moment überhaupt nicht hören wollen ", fügte Weber hinzu. "Die möchten hören, dass das Geschäft anzieht und damit auch die Unternehmensgewinne".

Nach Worten des SAP-Finanzvorstandes Werner Brandt ist das Softwareunternehmen in den USA gut in das erste Quartal 2002 gestartet. Die Geschäftsentwicklung in Europa sei allerdings weiter verhalten. „In Europa sehen wir insgesamt ein hartes Umfeld, aber wir werden unseren Weg finden“, so Brandt. SAP halte an seinem mittelfristigen Ziel fest, einen operative Gewinnmarge von 25 Prozent zu erreichen. SAP habe zudem dementiert, dass eine Wandelanleihe geplant sei. „Dieses Gerücht war Monate lang im Markt und es ist gut, dass es nun aus der Welt geschafft ist", so ein Händler. Die Aktie legte zwischenzeitlich kräftig zu, gab zum Schluss ihre Gewinne allerdings wieder ab. Zum Ende blieb ein Abschlag von 0,2 Prozent auf 164,50 Euro.

Unter Druck standen die Aktien der Deutschen Bank, die mit einem Minus von 2,3 Prozent auf 70,75 Euro der zweitgrößte Verlierer waren. Spekulationen, dass die Investmentbank Credit Suisse First Boston das Papier herabgestuft habe, belasteten die Aktie. Dem war zwar nicht so, die Einstufung wurde auf "Halten" belassen. Allerdings hatten die Schweizer institutionellen Anlegern wohl empfohlen, sich von der Aktie zu trennen. Zudem habe es Gerüchte gegeben, dass die Deutsche Bank große Abschreibungen auf „faule Kredite“ machen müsse, so ein Händler.

Das MDax-Unternehmen Puma gab am Mittwoch einen Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr. Der zweitgrößte deutsche Sportartikelhersteller will seinen Umsatz 2002 um mehr als 20 Prozent steigern, der Gewinn vor Steuern soll sich um 10 Prozent verbessern. 2001 war der Umsatz allerdings um knapp 30 Prozent auf 598,1 Millionen Euro gestiegen, das Vorsteuerergebnis wuchs um 125 Prozent auf 57,4 Millionen Euro. Für das Jahr 2001 will das Unternehmen die Dividende auf 0,30 Euro gegenüber dem Vorjahr verdreifachen. Die Aktie legte 1,3 Prozent auf 46,00 Euro zu.

Quelle: ntv.de