Marktberichte

Inside Wall Street Die Anti-Palin-Aktie

In Amerika sind alle Augen auf St. Paul gerichtet, denn in der Stadt in Minnesota halten die Republikaner ihren Parteitag ab. Am Mittwoch und Donnerstag wird John McCain zum Präsidentschaftskandidaten gemacht, doch um seine Vize-Kandidatin Sarah Palin gibt es immer mehr Trubel: Investoren setzen jetzt gegen die Gouverneurin aus Alaskas.

Die britische Wettplattform Intrade.com, auf der Zocker all die Wetten finden, die an der Wall Street nicht ausgetragen werden können, hat einen "Palin-Contract" aufgesetzt. Die Wette fragt, ob Sarah Palin vor der Wahl im November zurückgepfiffen und durch einen anderen Vize an der Seite McCains ersetzt werden wird.

Es könnte eng werden

Die "Aktie" eröffnete zunächst bei 3, was bedeutet: 3 Prozent der Investoren glauben an und setzen auf einen solchen Ausgang. Binnen weniger Stunden schnellte das Papier aber auf 18 hoch, dann pendelte es sich bei 12 ein. Kurzfristig orientierte Spieler konnten also bereits gut Geld machen, doch könnte sich ein langfristiges Engagement durchaus lohnen. Denn für Sarah Palin wird es immer enger. Wer sich jetzt mit 12 (Punkten=Dollar) einkauft, bekommt 100 (Punkte=Dollar) ausbezahlt, wenn die Frau wieder im Zug nach Anchorage sitzt.

Unmöglich ist es übrigens nicht, dass ein Vize-Kandidat kurz vor der Wahl ausgetauscht wird - doch ist das höchst selten. Zuletzt war 1972 Senator Thomas Eagleton zurückgetreten, nachdem er von George McGovern bereits für den gemeinsamen Wahlkampf gegen das amtierende Republikaner-Gespann Richard Nixon/Spiro Agnew vorgestellt worden war. Eagleton war seinerzeit über gesundheitliche Probleme gestolpert; der Mann hatte psychische Störungen, mehrere Zusammenbrüche hinter sich und war in Spezialkliniken sogar mit Elektroschocks behandelt worden.

Von Sarah Palin ist über psychologische Störungen und Therapien nichts bekannt. Dafür weiß man, dass die vor einer Woche noch gänzlich unbekannte Frau wegen Amtsanmaßung untersucht wird, als Bürgermeisterin ihres Dorfes fast gestürzt worden wäre, einen Trip nach Irland zur Vortäuschung internationaler Erfahrungen einfach vorgetäuscht hat, die Evolutionslehre in der Schule gerne vom Lehrplan nehmen würde, die Eisbären nicht für bedroht hält und den Öl-Firmen im Kampf gegen die Biester freien Lauf lassen will, den Klimawandel für eine Erfindung der Linken hält und, ach ja, dass ihre 17-jährige Tochter schwanger ist und nun ihren völlig unreifen Tennie-Schwarm heiraten muss, der sich auf seiner Homepage als "verf---ten Hinterwäldler" beschreibt, der gerne Motorrad fährt und "auf keinen Fall Kinder haben" will.

Freud'scher Versprecher


Das Drama um die ungewollte Schwangerschaft ihrer Tochter hat Palin zwar die Stimmen der christilichen Rechten gesichert, die sich darüber freuen, dass das Kind ausgetragen wird und die Gouverneurin damit zu ihrer Haltung gegen Abtreibung steht. Alle anderen Wähler wird der Fall abschrecken, und zum Kurssprung für die Anti-Palin-Aktie dürfte das maßgeblich beigetragen haben.


Dass die Vize-Präsidentin des Parteitags den Namen der Kandidatin am Dienstagabend falsch aussprach und „Sarah Pawlenty vorstellte, dürfte die Aktie noch einmal antreiben. Hinter dem Freud'schen Versprecher steckt nämlich die eigentliche Hoffnung der Partei-Oberen auf den Gouverneur von Minnesota, Tim Pawlenty, als McCain-Vize.

Am meisten Geld dürften Anleger aber damit verdienen, mit weiteren Spekulationen den Anti-Palin-Kurs nach oben zu treiben - dann aber auszusteigen. Denn die sturen Republikaner werden höchstwahrscheinlich an der umstrittenen Dame festhalten. Sie loszuwerden hieße, eine gewaltige Fehleinschätzung zuzugeben. Ein Mann wie McCain, der seinen Wahlkampf gegen Barack Obama komplett auf seine Erfahrung und Obamas Naivität aufgebaut hat, kann sich das nicht leisten.

Quelle: ntv.de

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