Marktberichte

Google schiebt an der Nasdaq Dow schließt im Minus

Im New Yorker Aktienhandel endet der Tag mit uneinheitlichen Signalen: Während der Dow-Jones-Index unter der Last der Hypothekensorgen und der Zahlen von General Electric tiefer schließt, verhilft der Internetkonzern Google den Technologietitel an der Nasdaq zu einem hoffnungsfrohen Wochenschluss.

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Alle tragen dieselbe Flagge wie um sich zu vergewissern, das sie an der New York Stock Exchange handeln und nicht etwa an der Bovespa.

(Foto: REUTERS)

Der New Yorker Aktienmarkt hat am Freitag uneinheitlich geschlossen. Enttäuschende Umsätze des Mischkonzerns General Electric (GE) lasteten auf den Standardwerten. Finanzwerte litten unter der Furcht vor neuen Milliardenlasten für die Bankenbranche wegen umstrittener Praktiken bei Zwangsvollstreckungen.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss mit einem Minus von 0,28 Prozent bei 11.062 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 gewann dagegen 0,20 Prozent auf 1176 Zähler. Angetrieben von starken Quartalszahlen des Internetriesen Google legte der Composite-Index der Technologiebörse Nasdaq deutlich stärker zu als der Gesamtmarkt und notierte am Abend 1,37 Prozent im Plus bei 2468 Punkte zu. Auf Wochensicht gewann der Dow Jones 0,5 Prozent, der S&P 0,9 Prozent und der Nasdaq-Index 2,8 Prozent. In Frankfurt ging der Dax mit einem Plus von 0,6 Prozent bei 6492 Punkten aus dem Handel.

Dow Jones
Dow Jones 26.281,82

Die Aktien von General Electric rutschten fünf Prozent ab und zerrten damit als schwächste Titel im Leitindex den Dow-Kurs nach unten. Zwar konnte der Siemens-Konkurrent seinen Gewinn im dritten Quartal kräftig steigern. Der Umsatz schrumpfte aber unerwartet deutlich um 5,1 Prozent. Das beunruhigte Anleger wie Experten. Sie werteten die Zahlen als einen weiteren Hinweis darauf, dass die Konjunkturerholung in den USA nur sehr zögerlich voranschreite. Die Anleger warteten auf Hinweise, dass die Wirtschaft ihren Erholungskurs fortsetze, sagte Analyst Brian Battle von Performance Trust Capital Partners. "Von GE haben wir diese Hinweise nicht erhalten."

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Mit einem Abschlag von 2,4 Prozent lag der Bankenindex KBW den dritten Tag in Folge im Minus. Die Aktien von US-Branchenprimus Bank of America gaben rund fünf Prozent nach. Die Titel der Großbank JP Morgan fielen um vier Prozent. Hausfinanzierern geht es derzeit in den USA an den Kragen, erklärten Händler die Talfahrt. Die Banken mit Hypothekengeschäft stehen im Verdacht, Zwangsvollstreckungen ohne ausreichende Prüfung und mit falschen Dokumenten in Gang gesetzt zu haben.

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Dabei sollen auch ganz Große der Branche wie Bank of America, JP Morgan mitgemischt haben. Börsianern zufolge können die zu befürchtenden neuen Regelungen im Hypothekengeschäft die Banken künftig teuer zu stehen kommen. "Die Unsicherheiten über die Zwangsversteigerungen und die Belastungen für die Bankbilanzen setzen den gesamten Finanzsektor unter Druck", sagte Analyst John Canally von LPL Financial. Experte Battle zufolge sind die Risiken für die Banken noch nicht abzuschätzen. Belastungen in Milliardenhöhe seien möglich. "Es könnte für die Finanzbranche zu einem ähnlichen Problem werden, wie wir es 2008 erlebt haben."

Die Enttäuschung über GE und die Sorgen über den Finanzsektor überlagerte zudem Hoffnungen auf weitere Geldspritzen der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Diese hatten zu Handelsbeginn noch für Gewinne beim Dow und S&P gesorgt. Fed-Chef Ben Bernanke bekräftigte, dass wegen der hohen Arbeitslosigkeit noch mehr Hilfen nötig werden könnte. Unklar ist aber, wie aggressiv der Schritt der Fed ausfallen wird.

Eine glänzende Quartalsbilanz von Google ließ dagegen die Aktien der weltgrößten Suchmaschine in die Höhe schnellen. Die Papiere legten gut elf Prozent zu und stiegen erstmals seit Januar wieder über 600 Dollar. Der Internetkonzern verdiente im dritten Quartal mehr als von Analysten erwartet. Aktienhändler Andreas Lipkow von MWB Fairtrade sagte: "Die Zahlen von Google sind wahrhaftig Wahnsinn und sie zeigen die Allmacht und kluge Strategie des Internetkonzerns. Wer den Werbemarkt im Internet für tot erklärt hat, scheint nur die Konkurrenz von Google zu sehen." Die sehr positive Gewinnentwicklung habe die Zweifel an der Ertragsdynamik weggewischt, bestätigte auch Analyst Emil Heppel von der Landesbank Berlin.

Auch der Chiphersteller AMD übertraf wie wenige Tage zuvor sein Konkurrent Intel die Erwartungen. AMD-Papiere konnten davon aber nicht profitieren und gaben 0,3 Prozent nach.

Seagate sprangen um 22,14 Prozent auf 15,50 Dollar hoch. Der weltgrößte Festplattenhersteller bestätigte, dass ein ungenannter Interessent Seagate vom Markt nehmen wolle. US-Medien nannten unter anderem TPG, KKR, Bain Capital und Silver Lake als mögliche Käufer.

Mattel-Papiere um 6,38 Prozent auf 22,47 Dollar ab. Der Spielzeughersteller hat ein nur gemischtes Zahlenwerk vorgelegt. Während der Gewinn je Aktie über den Markterwartungen lag, blieb das Umsatzplus unter den Prognosen.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,42 Mrd. Aktien den Besitzer. 1188 Werte legten zu, 1796 gaben nach und 122 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,24 Mrd. Aktien 1253 im Plus, 1340 im Minus und 139 unverändert.

An den US-Kreditmärkten fielen die zehnjährigen Staatsanleihen um 18/32 auf 100-14/32. Sie rentierten mit 2,574 Prozent. Die 30-jährigen Bonds verloren 40/32 auf 98-00/32 und hatten eine Rendite von 3,990 Prozent. Der Kurs des Euro rutschte wegen Gewinnmitnahmen unter 1,40 US-Dollar. Zuletzt stand die Gemeinschaftswährung bei 1,3971 Dollar.

Quelle: ntv.de, DJ/dpa/rts