Marktberichte

Furcht vor Notverkäufen Droht am Kupfermarkt ein Crash?

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Etwa 40 Prozent des weltweiten Kupfer-Absatzes gehen nach China. Ein Großteil der Importe dient allerdings als Sicherheit für Kredite.

(Foto: Reuters)

Kupfer hat den China-Blues: Wegen schwacher Konjunkturdaten aus der Volksrepublik steigt bei Anlegern die Sorge um die Nachfrage aus dem Land. Angeblich ist Chinas Notenbank schon in der Spur, gegenzusteuern. Anleger laufen sichere Häfen an.

Die Furcht der Anleger vor Kupfer-Notverkäufen chinesischer Pleitefirmen hat den Preis für das Metall weiter in den Keller gedrückt. Außerdem sorgen die enttäuschenden Konjunkturdaten der vergangenen Wochen für Verkäufe. An der Londoner Metallbörse LME fiel der Kupfer-Kurs um bis zu ein Prozent. Mit 6411 Dollar je Tonne lag er auf dem niedrigsten Stand seit Anfang Juli 2010. In Shanghai rutschte der Terminkontrakt um die maximal möglichen fünf Prozent ab auf ein Viereinhalb-Jahres-Tief von 43.740 Yuan (7119 Dollar).

Etwa 40 Prozent des weltweiten Kupfer-Absatzes gehen nach China. Ein Großteil dieser Importe dient allerdings als Sicherheit für Kredite. Dieses Geld wird dann von sogenannten Schattenbanken an andere Unternehmen weiterverliehen. Nach einer Reihe von Firmenpleiten befürchten Börsianer nun, dass Gläubiger die als Sicherheiten hinterlegten Kupferbestände verkaufen, um an einen Teil ihres Geldes zu kommen. "Aber wenn man sich die Fakten anschaut, deutet bislang noch nichts darauf hin", betonte Analyst Sijin Cheng von der Barclays Bank in Singapur.

Schattenbanken sind der chinesischen Regierung seit längerem ein Dorn im Auge. Zu dieser Gruppe zählen Versicherer oder Fonds, die bankähnliche Finanzgeschäfte anbieten, dabei aber nicht im selben Umfang staatlich kontrolliert werden wie reguläre Banken.

Chinas Notenbank wappnet sich

Eine Serie schwacher Konjunkturdaten nährte zudem Spekulationen auf eine geringere Nachfrage nach Kupfer in China. Börsianer bezeichneten den aktuellen Preisverfall aber als überzogen. Die Regierung werde der Wirtschaft sicher unter die Arme greifen. Insidern zufolge denkt die chinesische Notenbank bereits darüber nach, die Regelungen für die Bargeld-Reserven der Geschäftsbanken zu lockern und damit zusätzliche Mittel für die Kreditvergabe freizumachen.

Seit Mai 2012 müssen Großbanken im Reich der Mitte etwa ein Fünftel ihrer Barbestände als Reserven vorhalten. "Die Wirtschaft gerät unter enormen Abwärtsdruck", sagte ein Ökonom aus dem Umfeld des staatlichen Planungsstabs. Dennoch werde die Zentralbank zunächst wohl die Daten des ersten Quartals 2014  abwarten, bevor sie über zusätzliche geldpolitische Maßnahmen entscheide. Die frischen Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt werden Mitte April veröffentlicht.

Investoren erhoffen sich aber bereits von den am Donnerstag anstehenden Daten zur Industrieproduktion sowie zu den Einzelhandelsumsätzen Hinweise darauf, wie rund der Konjunkturmotor noch läuft. Zuletzt hatte ein überraschender Einbruch der Exporte Sorgen genährt, dass er ins Stottern geraten könnte.

Anleger laufen Gold-Hafen an

Der Konflikt um die Krim und die Furcht vor einem globalen Konjunkturrücksetzer lassen die Anleger bei Gold zugreifen. Der Preis für das Edelmetall stieg in der Spitze um 1,2 Prozent auf 1366,11 Dollar je Feinunze und war damit so teuer wie seit Ende September 2013 nicht mehr. Gold wird von Anlegern gern in unsicheren Zeiten angesteuert.

Unklar ist derzeit vor allem, wie es mit der ukrainischen Halbinsel Krim weitergeht. Die Bewohner sollen in einem Referendum am Sonntag über einen Beitritt der Halbinsel zu Russland abstimmen. Sowohl die Regierung in Kiew als auch der Westen lehnen die Abstimmung als rechtswidrig ab. Die Ukraine hat mit dem Aufbau einer Nationalgarde begonnen, um ihr Militär gegen die Übermacht der russischen Truppen zu verstärken.

Wärmeres Wetter füllt US-Öllager

Die Ölpreise gaben angesichts gestiegener US-Vorräte nach. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im April kostete zuletzt 107,71 US-Dollar. Das waren 50 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Ölsorte WTI sank um 1,29 US-Dollar auf 97,73 Dollar. Am Vortag war der US-Ölpreis erstmals seit knapp vier Wochen unter die Marke von 100 Dollar gerutscht.

Händler erklärten den Rückgang der Ölpreise mit einem Anstieg der US-Lagerbestände an Rohöl. Am Vorabend hatte das private American Petroleum Institute (API) einen Zuwachs der Reserven um 2,63 Millionen Barrel gemeldet. Steigende Lagerbestände gelten als Hinweis auf eine sinkende Nachfrage. Zudem hat die Energy Information Administration (EIA) ihre Prognosen für die Ölproduktion in den USA für 2014 und 2015 nach unten genommen.

Am Nachmittag wird die US-Regierung die offiziellen Daten zu den US-Ölreserven veröffentlichen. Der Markt rechnet mit einem Anstieg um 2,0 Millionen Barrel. Grund ist wieder milderes Wetter in Amerika.

Quelle: ntv.de, ddi/rts/DJ