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Lässt Draghi Anleihen kaufen? Euro drückt nach oben

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Was werden die Währungshüter tun: Abwarten oder den Leitzins weiter nach unten schrauben?

(Foto: dpa)

Die neue Woche beginnt an den Devisenmärkten mit bedenklichen Blicken in Richtung EZB. In kommenden Tagen stehen schwerwiegende Entscheidungen im Euroraum an. In den USA erwarten Experten neue Daten.

Im Vorfeld gewichtiger Konjunktursignale gewinnt der Euro weiter an Stärke. Am frühen Nachmittag kostet die Gemeinschaftswährung 1,3656 Dollar und damit etwas mehr als am späten Freitagabend. Ein Dollar war zuletzt 0,7322 Euro wert.

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,14

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs zu Wochenbeginn auf 1,3658 (Freitag: 1,3620) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7322 (0,7342) Euro. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,80150 (0,79965) britische Pfund, 138,44 (138,09) japanische Yen und 1,2156 (1,2162) Schweizer Franken fest.

Mit Beginn der neuen Woche gerät der Devisenhandel in die Sogwirkung des anstehenden EZB-Zinsentscheids. Die Sitzung der Währungshüter ist für Donnerstag angesetzt. Nach der großen Lockerungsrunde Anfang Juni mit Negativzins und neuen Langfristkrediten werden zunächst keine konkreten Schritte erwartet.

Allerdings lässt sich aus den jüngsten Daten zur Preisentwicklung durchaus weiterer Handlungsbedarf ableiten:  Die Euro-Inflation bleibt angesichts günstiger Energiepreise auf Niedrigniveau. Die jährliche Teuerungsrate betrug im Juni - wie schon im Mai - 0,5 Prozent, wie die Europäische Statistikbehörde Eurostat in einer ersten Schätzung mitteilte.

"Breit angelegte Anleihenkäufe"

Preisstabilität sieht die EZB bei einer deutlich höheren Rate von knapp unter 2 Prozent gewährleistet. Im Kampf gegen die Niedriginflation hatte die Notenbank Anfang des Monats Juni ein weitreichendes Maßnahmenpaket beschlossen. Unter anderem senkten die Währungshüter in Frankfurt den Leitzins in der Eurozone auf das Rekordtief von 0,15 Prozent.

Die Volkswirte der Commerzbank erwarten, dass die Inflationsrate bis zum Herbst auf dem niedrigen Niveau bleiben wird. "Die Spekulationen um breit angelegte Anleihenkäufe der EZB werden damit so schnell nicht verstummen", lautet die Einschätzung der Bank-Experten. EZB-Patron Mario Draghi hatte erklärt, die Notenbank sei bei ihrem Vorgehen für mehr Wachstum und gegen einen drohenden Preisverfall noch nicht am Ende. Weitere Schritte seien in Vorbereitung.

Italien nur noch knapp über Null

Draghi nannte zu Monatsbeginn den Kauf von Kreditpaketen und breit angelegte Wertpapierkäufe ("Quantitative Easing"/QE). In Italien schwächte sich der allgemeine Preisauftrieb von bereits niedrigem Niveau aus weiter ab. Nach Zahlen des Statistikamts Istat fiel die Inflationsrate von 0,4 Prozent im Mai auf 0,2 Prozent im Juni. Das ist der tiefste Stand seit August 2009, also seit fast fünf Jahren.

Nach seinen jüngsten Verlusten hat sich der Dollar zu Wochenbeginn etwas stabilisiert. Zur japanischen Landeswährung trat die US-Währung auf der Stelle und lag bei 101,37 Yen. Nach einer Reihe enttäuschender US-Konjunkturdaten hatte der Dollar zum Euro in der vergangenen Woche 0,4 Prozent verloren, zum Yen waren es 0,7 Prozent.

Mit Spannung erwarten Dollar-Investoren derzeit vor allem die US-Arbeitsmarktdaten, die am Mittwoch und Donnerstag anstehen. Die Analysten der Helaba gehen von einem robusten Stellenaufbau aus. Die Verfassung der US-Konjunktur ist entscheidend für die künftige Zinspolitik der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Bislang peilen die meisten Geldpolitiker eine Zinserhöhung erst für 2015 an.

Nach den eher enttäuschenden Konjunkturdaten aus den USA in dieser Woche würden Anleger Wetten auf einen steigenden Dollar vor dem Wochenende auflösen, hatten Händler vor dem Wochenende noch erklärt. Dies belaste die US-Währung und verschaffe dem Euro etwas Auftrieb. Die US-Wirtschaft habe wohl noch nicht die gewünschte Dynamik aufgenommen, hieß es weiter. Das am Freitag überraschend gestiegene Verbrauchervertrauen konnte in diesem Umfeld den Dollar nicht stützen.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa/rts

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