Marktberichte

Pfund verliert an Wert Euro fängt sich

Der Euro ist auf rasanter Talfahrt. Angesichts des griechischen Schuldendramas nehmen die Sorgen über eine Ansteckung anderer Euro- Länder zu. Dollar und Schweizer Franken sind als "sicherer Hafen" gesucht.

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Einige Devisenexperten sehen den Euro bereits unter 1,20 Dollar fallen.

(Foto: REUTERS)

Der Euro hat sich etwas erholt. Die Gemeinschaftswährung näherte sich der Marke von 1,28 Dollar, nachdem sie am Vortag bis auf 1,2510 Dollar und damit den tiefsten Stand seit 14 Monaten abgerutscht war. Händlern zufolge sorgte die Ankündigung, dass die Finanzminister der sieben führenden Industrienationen eine Telefonkonferenz abhalten, für eine steigende Euro-Nachfrage. Die Politiker wollten noch am Freitag über die Schuldenkrise Griechenlands beraten.

Nachdem es EZB-Chef Trichet am Vortag nicht geschafft hat, die Märkte davon zu überzeugen, dass die Notenbank die Verschuldungskrise im Euroraum im Griff hat, sprechen Devisenhändler allerdings lediglich von einer technischen Gegenbewegung. In der Spitze hat der Euro allein in dieser Woche rund acht Cent an Wert eingebüßt.

Nach der Herausnahme des Widerstands um 1,2735 Dollar habe sich die Lage aber auch charttechnisch zumindest leicht beruhigt, hieß es. Währungshändler sprechen allerdings jetzt bereits davon, dass einige Marktteilnehmer auf einen Stand von 1,22 Dollar bis 1,23 Dollar innerhalb der kommenden vier Wochen wetten. Seit Jahresbeginn belaufen sich die Verluste gar auf 20 Cent. Trotz dieser drastischen Kursverluste sehen viele Experten den Sinkflug des Euro als noch nicht beendet an.

So haben sich die Finanzierungsbedingungen nicht nur für Griechenland zuletzt drastisch verschlechtert - auch andere Wackelkandidaten wie Portugal und Spanien erhalten derzeit nur gegen kräftige Zinsaufschläge Kapital an den freien Märkten. Dies wiederum verschärft die haushaltspolitische Lage der Länder, was die Finanzierungsbedingungen zusätzlich belastet - ein Teufelskreis.

Aber nicht nur im Euroraum werden die Auswirkungen der Griechenlandkrise immer deutlicher: "Die Krise wird global", heißt es von den Devisenexperten der Commerzbank. Dies zeigt sich auch daran, dass die japanische Notenbank am Freitag soviel Geld wie seit Ende 2008 nicht mehr in die Märkte gepumpt hat. Ein Vergleich mit der Abwärtsspirale in der Finanzkrise drängt sich zusehends auf.

Kursrutsch in New York

Am späten Donnerstagabend war der Euro nach einem historischen Kursrutsch an der New Yorker Börse auf gut 1,25 Dollar gesunken. Die genaue Ursache des zwischenzeitlichen Kursrutsches in den USA ist noch nicht geklärt. Vermutlich handelte es sich um einen technischen oder menschlichen Fehler. Verstärkend dürfte die ohnehin große Nervosität wegen der Griechenlandkrise gewirkt haben. Von diesen Entwicklungen dürfte selbst der sonst vielbeachtete US-Arbeitsmarktbericht überlagert werden. Der Bericht wird am Nachmittag veröffentlicht.

Für die anhaltende Verunsicherung der Investoren spricht auch die Entwicklung des Goldpreises. Am Morgen kostet die Feinunze 1,202 Dollar nach 1,185,25 Dollar zum Londoner Nachmittag-Fixing am Donnerstag. "Das Edelmetall ist als sicherer Hafen gefragt", sagte ein Händler.

Dass der Euro an den Märkten derzeit regelrecht abgestraft wird, lässt sich auch an dem jüngstem Sprung des Schweizer Franken ablesen. Am Donnerstag schoss die Schweizer Währung um rund 2,5 Prozent förmlich nach oben und notiert nun auf einem Rekordstand von gut 0,70 Euro. Der Schweizer Notenbank SNB dürfte diese Entwicklung kaum schmecken, nachdem sie lange gegen den festen Schweizer Franken am Devisenmarkt interveniert hat. Wie auch der US-Dollar gilt der Schweizer Franken derzeit als "sicherer Hafen", in den sich viele Investoren wegen der Schuldenkrise im Euroraum flüchten.

Eine baldige Stimmungswende für den Euro halten die meisten Experten für unwahrscheinlich. Zu ungewiss scheinen die Erfolgschancen des drastischen Sparprogramms Athens, zu groß sind die Risiken eines noch stärkeren Übergreifens der Krise auf andere Euro- Länder.

Pfund unter Druck

Unterdessen baut das Pfund Sterling nach den Unterhauswahlen seine Wechselkursverluste sowohl zum Dollar als auch zum Euro aus. Das Pfund fiel bis auf 1,4596 Dollar - den tiefsten Stand seit April 2009. Die Konservativen sind zwar stärkste Kraft geworden, für eine absolute Mehrheit hat es allerdings nicht gereicht. "Für Großbritannien der wohl schlechteste Wahlausgang. Zumal die notwendige fiskalische Konsolidierung damit auf sich warten lässt", heißt es von den Analysten des Bankhauses Metzler. In diesem Umfeld könne sogar eine Herabstufung des Ratings nicht ausgeschlossen werden.

Quelle: n-tv.de, DJ/rts/dpa

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