Marktberichte

Verfall und Irland Euro geht auf Talfahrt

Der große Verfall und eine Herabstufung der Bonität von Irland durch die Ratingagentur Moody's schicken den Euro auf Talfahrt. "Es gab große Adressen, die im Rahmen des Verfalls große Geschäfte abgewickelt haben, das hat den Euro nach unten gebracht", sagt ein Händler.

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Der Krisenmechanismus steht: Noch hängt der Euro in der Luft.

Die europäische Gemeinschaftswährung ist zum Wochenschluss bis auf 1,3140 Dollar gefallen, nachdem sie zuvor noch bis auf 1,3358 Dollar gestiegen war. "So kurz vor Weihnachten werden nur noch sehr wenige Leute aktiv, und von daher sind die Volumina äußerst dünn", meinte ein Markteilnehmer.

Aus diesem Grund seien auch der Kompromiss des EU-Gipfels und die Herabstufung Irlands zunächst ohne nennenswerte Reaktion zur Kenntnis genommen worden. Moody's hatte am frühen Morgen die Kreditwürdigkeit Irlands gleich um fünf Stufen auf "Baa1" gesenkt. Damit sind die Staatsanleihen der Inselrepublik nur noch zwei Stufen vom hochspekulativen Schrott-Niveau entfernt.

Die Rendite der zehnjährigen irischen Anleihen stieg auf 8,583 (spätes Vortagesgeschäft: 8,469) Prozent. Damit blieb sie aber deutlich unter den 9,9 Prozent von Ende November. "Moody's ist ja letzten Endes nur nachgezogen, das Rating ist jetzt in etwa mit denen der anderen Agenturen vergleichbar", brachte Volkswirt Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus die Einstellung der Investoren auf den Punkt. S&P's Bewertung liegt bei "A", die von Fitch bei "BBB+".

Auch um spanische und portugiesische Anleihen machten Investoren weiter einen Bogen. "Eigentlich könnten die Papiere inzwischen ja durchaus als lukrativ bewertet werden, erst recht nach den Aussagen vom EU-Gipfel", sagte ein Händler. "Aber Banken bauen ihre Bestände nach wie vor eher ab. Keiner traut sich, seine Positionen in diesen Ländern aufzustocken." Profiteure waren wieder einmal die als sicher geltenden Bundesanleihen, die zehnjährigen Papiere zogen um 40 Ticks auf 95,43 Punkte an und rentierten mit 3,034 Prozent.

EU-Gipfel lässt viele Fragen offen

Die Einigung der europäischen Staats- und Regierungschefs auf einen gemeinsamen Kurs nach 2013 wurde generell positiv gewertet. "Dass es die Politiker geschafft haben, sich auf ein gemeinsames Vorgehen nach 2013 zu einigen, ist löblich", sagte ein Händler. "Das mussten sie aber auch, sonst wäre der Euro richtig auf Talfahrt gegangen. Aber um dem Euro Schwung zu geben, reichen solche Kompromisse nicht aus, dafür sind noch zu viele wichtige Fragen offen."

Die 27 Staats- und Regierungschefs hatten eine Änderung des EU-Vertrags vereinbart. Dadurch soll es möglich werden, angeschlagene Euro-Staaten dauerhaft zu unterstützen. Eine Aufstockung des Schutzschirms beschlossen die Euro-Länder wie erwartet nicht, sie gaben aber deutlich zu erkennen, dass sie im Bedarfsfall noch tiefer in die Tasche greifen würden. "Eine Absichtserklärung, die noch mit Leben zu füllen ist", resümierten die Analysten der HSH Nordbank. Investoren warteten auf deutlich konkretere Ansagen.

In einem ersten Schritt haben Deutschland, Frankreich und Großbritannien einen gemeinsamen Sparvorschlag für die Europäische Union vorgelegt und regten ein Einfrieren des inflationsbereinigten EU-Haushalts für 2014 bis 2020 an.

Unterdessen bewies sich Deutschland wieder einmal als Konjunkturlokomotive der Eurozone: Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Dezember auf den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung.

Quelle: ntv.de, rts