Marktberichte

Auf dem Weg nach oben Euro legt kräftig zu

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Der Euro überwindet wieder die 1,39er Marke.

(Foto: picture alliance / dpa)

Das britische Pfund ist so teuer wie zuletzt im Sommer 2009. Zum Dollar rückt auch die europäische Gemeinschaftswährung weiter vor.

Der Eurokurs ist deutlich gestiegen. Die Gemeinschaftswährung erreichte bei 1,3952 Dollar fast ein Jahreshoch. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,3945 Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7171 Euro. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,82115 britische Pfund, 141,89 japanische Yen und 1,2169 Schweizer Franken fest.

Einige Händler führten positiv aufgenommene Konjunkturdaten aus der Eurozone als Begründung für den stärkeren Euro an. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft war im April um 0,9 auf 54,0 Zähler geklettert und erreichte damit den höchsten Wert seit knapp drei Jahren. Vor allem in Spanien und Irland gewannen die Geschäfte an Fahrt. Eine ähnlich positive Entwicklung zeigte sich im Dienstleistungssektor.

Doch andere Händler widersprachen. "Keine wirklich" fundamentalen Gründe machten sie für den Kurssprung des Euro aus. "Hier liegt eine klare Kombination von Faktoren vor", sagte ein Händler. Kurstreiber seien diesmal keine spekulativen Gründe, sondern eine echte Euro-Nachfrage durch Großunternehmen zu Finanzierungszwecken.  "Die waren wegen des langen Wochenendes und des Feiertags in Großbritannien am Montag auf heute aufgeschoben", so der Händler.

Fundamental könne man zwar die besseren Einkaufsmanagerindizes aus Europa bemühen, genauso aber die Forderung der OECD nach einer Zinssenkung in der Eurozone: "Und damit hätte man genau das Argument, um den Euro runterzumachen", so ein anderer Händler. Dass dieses Thema gespielt werde, zeige der Bund-Futures, der wieder Anlauf auf alte Höhen nimmt.

Mehr Jobs in Spanien

Ein anderer Händler verwies jedoch auf Spanien. "Auslöser für die Kursgewinne war der besser als erwartet ausgefallene spanische Arbeitsmarktbericht", sagte Stefan Rieke, Devisenexperte von der BHF-Bank. Wie das Arbeitsministerium am Dienstag in Madrid mitgeteilt hatte, waren im April knapp 4,7 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet - 110.000 weniger als im Vormonat. Dies war der größte Rückgang in einem April seit Beginn der Erhebungen.

"Die Zahlen sprechen für einen Wendepunkt zum Besseren in der viertgrößten Volkswirtschaft der Eurozone", sagte Rieke. Zudem hatte sich die Stimmung im Dienstleistungssektor der Eurozone im April merklich verbessert. "Die jüngsten Daten bestätigen das Bild einer anhaltenden wirtschaftlichen Erholung", sagte Rieke. Besonders positiv sei auch hier die Entwicklung Spaniens gewesen: "Viele Anleger, die zuletzt auf einen steigenden Dollar gewettet haben, sind auf dem falschen Fuß erwischt worden."

Pfund gewinnt an Wert

Überraschend starke Konjunkturdaten haben Spekulationen über eine Straffung der britischen Geldpolitik geschürt. Daraufhin stieg das Pfund Sterling um 0,7 Prozent und war mit 1,6979 Dollar so teuer wie zuletzt im August 2009. Das Stimmungsbarometer der Einkaufsmanager aus dem britischen Dienstleistungssektor war im April auf 58,7 Punkte von 57,6 Zählern im März. Analysten hatten dagegen im Schnitt mit einem unveränderten Ergebnis gerechnet.

Dass das Pfund nicht stärker zulegt, dürfte daran liegen, dass viele Akteure schon im Vorfeld auf das sogenannte Cable gesetzt haben, mithin auf starke Zahlen spekulierten.

"Das Pfund ist auf dem Weg, die 1,70 Dollar anzutesten", sagte auch Volkswirt Simon Smith vom Brokerhaus FXPro. "Oberhalb dieser Marke wird es aber etwas schwierig." Die weitere Entwicklung hänge von den für die kommende Woche angekündigten Inflationsdaten ab. Ein deutlicher Anstieg der Teuerung werde den Spekulationen um vorzeitige Zinserhöhungen neue Nahrung geben. Bislang rechnen Experten Anfang 2015 mit einem ersten Schritt.

Zinspolitik der RBA stützt "Aussie"

Beim Austral-Dollar setzt sich nach der Bestätigung der Leitzinsen bei 2,5 Prozent durch die Notenbank (RBA) eine leichte Aufwärtstendenz durch. Der "Aussie" steigt von 0,9284 auf 0,9300 US-Dollar. Es werde immer deutlicher, dass der nächste Zinsschritt nach oben zeigen werde, auch wenn die Zeit noch nicht reif sei, so die Commerzbank. Daher könne auch der Austral-Dollar unbeirrt auf hohem Niveau verharren.

Die fundamentale Lage in Australien sei erfreulich gut, berge aber noch einige Risiken, so dass die RBA noch nicht auf einen falkenhafteren Ton umschwenken müsse, heißt es weiter. Außerdem könne sie "getrost festhalten", dass die Inflation im Einklang mit dem Ziel sei. Etwas optimistischer habe sich die RBA allenfalls angehört, was das globale Wachstum, das zukünftige Wachstum am heimischen Häusermarkt und die Beschäftigung anbelange.
Spannend werde am Donnerstag die Veröffentlichung des Arbeitsmarktberichts für April. Jegliche Schwäche dürfte der Markt für Gewinnmitnahmen nutzen, aber 0,92 US-Dollar böten nach wie vor eine gute Unterstützung.

Quelle: n-tv.de, jga/jwu/dpa/DJ