Marktberichte

EZB bleibt locker Euro steigt auf Jahreshoch

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Die EZB in Frankfurt: Experten haben mehrheitlich nicht mit einer Senkung des historisch niedrigen Leitzinses von 0,25 Prozent gerechnet.

(Foto: picture alliance / dpa)

Am Devisenmarkt sorgt vor allem die Europäische Zentralbank für Gesprächsstoff. Der Euro legt kräftig zu. Doch auch China steht im Fokus der Investoren.

Aussagen von EZB-Präsident Mario Draghi im Anschluss an die EZB-Zinsentscheidung hinterlassen deutliche Spuren an den Märkten: Mit dem Euro geht es erst abwärts, dann gewinnt die Gemeinschaftswährung an Wert und erreicht mit 1,3832 Dollar ein Jahreshoch.

"Ich glaube nun ist allen klar, dass die EZB erst einmal keine Schritte unternehmen wird", so ein Händler. Bei den Inflationsprojektionen wurde nur der Ausblick für 2014 leicht angepasst, kein Wort dagegen zur Deflation. Auch zu möglichen Liquiditätsmaßnahmen gebe es keine Aussage. "Damit ist klar, dass auch für die kommende Sitzung keine Zinssenkung zu erwarten ist", so der Händler weiter. Damit gehen sämtliche Zinssenkungs-Spekulationen aus dem Markt

Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs auf 1,3745 (Mittwoch: 1,3732) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7275 (0,7282) Euro. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,82340 (0,82170) britische Pfund, 141,22 (140,71) japanische Yen und 1,2190 (1,2186) Schweizer Franken fest.

Die meisten Experten hatte zwar nicht mit einer weiteren Zinssenkung gerechnet. Doch war dieser Schritt wegen der niedrigen Inflationsrate in der Eurozone und einer stockenden Kreditvergabe in den Krisenländern zumindest nicht ausgeschlossen. "Abwarten dürfte die beste Strategie für die EZB sein", meinte Dirk Gojny von der National-Bank. Die jüngsten Konjunkturdaten aus der Peripherie der Eurozone deuteten an, dass diese aus der Krise kommt. Gleichzeitig gebe es aus Sicht der Notenbank weder Inflation noch Deflation.

Zuletzt hatten die Währungshüter den zentralen Zinssatz drei Mal unverändert auf dem Tief von 0,25 Prozent belassen. Die Idee dahinter ist, durch dauerhaft niedrige Zinsen der kriselnden Wirtschaft neuen Schub zu verleihen, indem Kredite für Unternehmen und Verbraucher billiger werden.

Der Dollar zog zum Yen auf 102,70 Yen von 102,30 Yen am Vorabend an. Händler sagten, durch die Fälligkeit von Optionen könnte es stärkere Schwankungen in dem Währungspaar geben. Die Konjunkturdaten aus den USA waren zuletzt etwas schwächer ausgefallen. Dennoch rechnen viele Börsianer damit, dass die US-Notenbank Fed die Drosselung der Anleihekäufe unbeirrt fortsetzen wird.

Blick nach China

Unterdessen baut der Yuan seine jüngsten Gewinne weiter aus, nachdem er zuvor zwei Wochen lang nur abgewertet hatte. Bis zum vergangenen Freitag habe die chinesische Notenbank den Wechselkurs zum Dollar auf ein Zehnmonatstief gesteuert, in dieser Woche sei sie noch nicht aktiv geworden, hieß es im Handel mit Blick auf den von ihr festgelegten Mittelkurs, um den der Yuan sich nur um 1 Prozent bewegen darf. Der Dollar kostet 6,1185 Yuan, nachdem er am Vortag mit 6,1282 aus dem Tag gegangen war.

"Bei 6,1000 Yuan liegt eine psychologisch wichtige Marke. Ich rechne deshalb damit, dass wir in den kommenden Tagen ein Niveau zwischen 6,1000 und 6,1600 sehen werden", so ein Händler in Shanghai. Er betont, dass die erhöhten Schwankungen des Yuan nach oben und nach unten den Erwartungen der Notenbank entsprächen.

Quelle: ntv.de, jga/ddi/rts/dpa/DJ