Marktberichte

Glaxo unter Druck Eurostoxx ohne Richtung

Die europäischen Blue Chips suchten am Donnerstag eine Richtung - und fanden sie nicht. Der EuroStoxx50 legte 0,2 Prozent auf 3.711 Punkte zu. Der Stoxx50 gab 0,2 Prozent auf 3646 Zähler ab. Die neuesten Konjunkturdaten aus den USA hätten auch am Donnerstag die Hoffnung der Anleger nicht erfüllt, so ein Händler.

Das US-Arbeitsministerium hatte am Nachmittag einen leichten Rückgang der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der Woche zum 9. März vermeldet, mit 377.000 lag die Zahl der Anträge allerdings etwas über den Erwartungen von Analysten, die bei 374.000 gelegen hatten. Das US-Handelsministerium gab zudem einen Anstieg der Lagerbestände der Industrie um 0,2 Prozent im Januar bekannt. Hier hatten Experten mit einem Rückgang um 0,3 Prozent gerechnet.

Auch die guten Zahlen von zyklischen Werten wie BASF und Bayer würden den Anlegern auf der Unternehmensseite als Zeichen für eine Erholung der Wirtschaft nicht ausreichen und seien zudem auch schon eingepreist, hieß es weiter. Die Anleger würden vielmehr auf gute Zahlen von den Technologie-Werten hoffen.

Im Mittelpunkt des Handels standen die Aktien des Pharmakonzerns GlaxoSmithKline. Das US-Bundesgericht von Virginia hatte drei der US-Patente für das Antibiotika-Mittel "Augmentin " für ungültig erklärt. Nun könnte die israelische Firma Teva Pharmaceuticals ihre generische Version des Medikaments auf den Markt bringen. Glaxo kündigte bereits an, Einspruch gegen das Urteil einzulegen. Augmentin ist das Präparat mit den zweithöchsten Umsätzen des Konzerns. Die Aktie gab 1,8 Prozent auf 1694 Pence nach.

Die Spekulationen um eine mögliche „Baseler Elefantenhochzeit“ der beiden Schweizer Pharma-Riesen Roche und Novartis verhalfen den Aktien auch am Donnerstag zu vorderen Plätzen auf den Gewinnerlisten. Roche legte 2,7 Prozent auf 132,00 Franken zu, für Novartis ging es 1,3 Prozent auf 64,80 Franken nach oben.

Der zweitgrößte europäische Versicherungskonzern, AXA, hat im Geschäftsjahr 2001 einen Gewinneinbruch auf 500 Millionen Euro von 3,4 Milliarden Euro im Vorjahr hinnehmen müssen, was allerdings im Rahmen der Erwartungen lag. Allein die Anschläge auf das World Trade Center im September 2001 schlugen bei den Franzosen mit 561 Millionen zu Buche. Als weiteren Grund für den Gewinneinbruch nannte AXA Abschreibungen auf Firmenwerte. Für 2002 gab sich der Konzern optimistisch. Man sei auf dem Wege der Erholung. Das Ziel, den operativen Gewinn um 20 Prozent zu steigern, bekräftigte das Unternehmen. Die Aktie legte 4,1 Prozent auf 23,48 Euro zu.

Zu den Gewinnern gehörte auch Vodafone. Der britische Mobilfunkkonzern will gemeinsam mit dem deutschen Konkurrenten T-Mobile eine elektronische Plattform für das mobile Bezahlen per Handy anbieten. Die offene Plattform solle zum Jahresende zunächst in Großbritannien und Deutschland gestartet werden, teilte Vodafone am Donnerstag in London mit. Die Aktie legte 0,7 Prozent auf 140,70 Pence zu.

Die Mobilfunksparte des niederländischen Telekommunikationskonzerns KPN will 13,7 Milliarden Euro an Firmenwerten aus der Akquisition der deutschen Mobilfunktochter E-Plus abschreiben. Damit schrumpfe das Ergebnis der Gruppe für 2001 um 12,4 Milliarden Euro, so das Unternehmen weiter. Zuvor hatte KPN die Belastung des Ergebnisses durch die Abschreibungen mit maximal 11 Millionen Euro beziffert. Die Aktie gewann nach anfänglichen Verlusten 0,2 Prozent auf 5,35 Euro.

Unter Druck stand die Aktie des Nachrichten- und Informationskonzerns Reuters, die zeitweise bei 494 Pence auf den tiefsten Stand seit Oktober 1999 fiel. Die Investmentbank Morgan Stanley hatte die Papiere zuvor auf „underperform“ von „neutral“ heruntergestuft. Zum Schluss lag die Aktie noch mit 0,8 Prozent bei 516,00 Pence im Minus.

Zu den Verlierern gehörte auch der Rüstungskonzern Thales, die Aktie fiel 2,7 Prozent auf 40,10 Euro. Die Franzosen hatten vor Börsenbeginn einen Verlust von 366 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2001 vermeldet, im Vorjahr hatte noch ein Gewinn von 201 Millionen Euro in den Büchern gestanden. Mit dem Ergebnis verfehlte der Konzern die Erwartungen von Analysten deutlich, die mit einem Minus zwischen 97 und 243 Millionen Euro gerechnet hatten.

Der Finanzkonzern CS Group hat am Donnerstag Gerüchte über einen möglichen Verkauf der Investmentbank Credit Suisse First Boston nicht kommentiert. Einen Zeitungsbericht zufolge wollten die Schweizer die CSFB an die Citibank verkaufen. Die Aktie legte 2,6 Prozent auf 62,15 Franken zu.

Ganz oben in den Gewinnerlisten standen am Donnerstag die dänischen Windanlagenbauer Vestas und NEG Micon. Am Mittwoch hatte Vestas seine Prognosen für 2002 und 2003 erhöht, nachdem die US-Behörden die steuerliche Förderung für alternative Energien um zwei Jahre verlängert hatten. Am Donnerstag hatte dann die Deutsche Bank den Konkurreneten NEG Micon auf "Kaufen" hoch gestuft - aus den gleichen Gründen. NEG Micon legten 10,0 Prozent auf 297 dänische Kronen zu, Vestas verbesserten sich um 6,9 Prozent auf 273 dänische Kronen.

Kräftig in den Keller ging es für den Kurs der schwedischen Versicherungsgruppe Skandia. Das Brokerhaus ABG Securities hatte den Konzern in einer ersten Analyse auf "Verkaufen" gesetzt und dabei ein Kursziel von 30 schwedischen Kronen genannt. Andere Analysten zeigten wenig Verständnis für diese Einstufung, trotzdem gab die Aktie 7,1 Prozent auf 59,00 schwedische Kronen ab.

Quelle: ntv.de