Marktberichte

Autos nehmen Fahrt auf Fulminantes Dax-Finale

Der Dax musste am Dienstag lange kämpfen - vor allem der schwache US-Einkaufsmanagerindex stand dem Kursbarometer wie eine fast unüberwindbare Hürde im Weg. Am Abend setzte der Blue-Chip-Index dann allerdings angeführt von den Auto-Werten und der T-Aktie zu einem fulminanten Schlussspurt an. Am Ende stand ein Plus von 3,5 Prozent auf 2.865 Punkte vor dem Index.

Wie das Institute for Supply Management (ISM) am Nachmittag bekannt gab, ist der nationale Einkaufsmanagerindex von 50,5 Punkten im August auf 49,5 Zähler im September gesunken. Analysten hatten mit einem leichten Anstieg auf 50,8 Punkte gerechnet.

Auf dem Börsenparkett zeigten Händler sich allerdings pessimistisch. Mehr als eine technische Reaktion sei die Erholung heute nicht. Man sehe den Dax eher in Richtung 2.500 Zähler fallen als in Richtung 3.000 Punkte steigen, hieß es. Eine kleine Entspannung bringe natürlich die Tatsache, dass Steuererhöhungen in Deutschland offenbar ausgeschlossen seien. Diese Diskussion habe den Markt zusätzlich belastet, da der Verbraucher derzeit ja jeden Cent brauche.

Besonderes Augenmerk zog die Deutsche Telekom auf sich. Medienberichten zufolge will der Bonner Konzern bis Ende Oktober entscheiden, wer die Führung übernimmt. Zu dem Bewerberkreis sollen Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick, T-Mobile-Chef Kai-Uwe Ricke sowie BDI-Chef Hans-Olaf Henkel und der Chef der Porsche AG, Wendelin Wedeking gehören. Die Telekom lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht ab.

Neuigkeiten gab es bei der Telekom auch in Sachen TV-Kabelnetze. Wie aus Unternehmenskreisen bekannt wurde, hat der Bonner Konzern für die Netze Gebote zwischen knapp zwei und 2,5 Mrd. Euro erhalten. Mit zwei oder drei Bietern wolle das Unternehmen nach einer abschließenden Bewertung weiterführende Verkaufsverhandlungen führen, hieß es. Die vielen neuen Möglichkeit für die Zukunft der Deutschen Telekom ließen die T-Aktie um 5,9 Prozent auf 8,62 Euro steigen.

Die US-Tochter Chrysler des Stuttgarter Autobauers DaimlerChrysler hat im September pro Verkaufstag 18 Prozent mehr Fahrzeuge abgesetzt als im Vorjahr. Wie Chrysler am Dienstag mitteilte wurden an 23 Tagen im September 165.397 Autos verkauft, im Vorjahresmonat waren es an 25 Tagen 152.165 Autos verkauft. Die DaimlerChrysler-Aktie fuhr mit 5,3 Prozent bei 35,70 Euro ins Plus.

Gute Zahlen legte auch BMW vor. Der US-Absatz ist nach Angaben der Münchener im September um 32,3 Prozent auf 18.412 Fahrzeuge gestiegen. Die Aktie legte 4 Prozent auf 33,80 Euro zu.

Volkswagen konnte seinen Absatz in den USA im September um 9,9 Prozent auf 27.494 Fahrzeuge steigern. Die Aktie verbesserte sich 3,6 Prozent auf 37,82 Euro.

MLP und Epcos müssen sich nach Ansicht von Analysten an den Gedanken gewöhnen, bald nicht mehr zum Dax zu gehören. Nach den jüngsten Kursverlusten sei es wahrscheinlich, dass zumindest einer der beiden herausgenommen werde, hieß es. Bei der letzten Neuordnung des Börsenbarometers im August war dieser Kelch noch an den beiden Titeln vorbeigegangen. Die Plätze der beiden Abstiegskandidaten könnten die Deutsche Börse selbst, der Kosmetikkonzern Beiersdorf oder der Reifenhersteller Continental einnehmen. Die Epcos-Aktie legte 0,8 Prozent auf 7,25 Euro zu.

MLP litt neben dem drohenden Ausschluss aus dem Dax auch unter Berichten über erneute Untersuchungen durch die Staatsanwaltschaft. Wie am Nachmittag bekannt wurde, wurden verschiedene Standorte des Finanzdienstleisters auf richterlichen Beschluss durchsucht. Die Justiz verfolgt den Verdacht des Anlegermagazins "Börse Online ", wonach MLP die Gewinne im vergangenen Jahr künstlich aufgebläht haben soll. MLP hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen. An der Börse nützt dies jedoch nichts, der Titel verlor 6 Prozent auf 8,46 Euro.

Die gebeutelte Infineon-Aktie erhielt Schützenhilfe von der Dresdner Kleinwort Wasserstein. Die Investmentbanker haben die Bewertung der Aktie von "Hold" auf "Add" heraufgestuft. Der Titel sei zuletzt deutlich unter das Kursziel von acht Euro gefallen, hieß es zur Begründung. Außerdem gebe es erste positive Anzeichen, dass das Geschäft für Computerhauptplatinen wieder anziehe. Diese Platinen werden mit Speicherchips, wie sie Infineon herstellt, bestückt. Die gute Bewertung sorgte im Markt offensichtlich für Verwirrung und schickte die Infineon-Aktie auf eine Achterbahnfahrt. Der Titel legte am Morgen um 3,4 Prozent zu, stürzte anschließend vier Prozent ins Minus, am Ende kam ein Plus von 4,1 Prozent bei 5,84 Euro heraus.

Siemens will sich nicht von seiner Mobilfunksparte trennen. Der Konzern dementierte nun entsprechende Medienberichte. Gerüchte, wonach Siemens mit dem US-Konzern Motorola über einen Tausch von Mobilfunk-Aktivitäten verhandelt, wurden nicht kommentiert. Man spreche mit Motorola und einer Reihe von anderen Firmen über Kooperationen oder andere Möglichkeiten zur Kostensenkung, hieß es lediglich. Das ist dem Markt offensichtlich zu vage, die Aktie stieg um 2,4 Prozent auf 34,82 Euro.

Zu den Verlierern gehörten auch ThyssenKrupp mit einem Minus von 5,3 Prozent auf 10,61 Euro. Die "Financial Times Deutschland " hatte zuvor berichtet, dass der Konzern für seinen Versicherungsschutz künftig 60 Prozent mehr zahlen muss.

Quelle: ntv.de

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