Marktberichte

Inside Wall Street Kasino-Pleiten und Zockertricks

Nicht zuletzt dank seines gigantischen Egos und einer halbwegs erfolgreichen Fernseh-Show gilt Donald Trump als einer der erfolgreichsten Business-Männer in Amerika. Der Schein trügt. Der Deutsch-Amerikaner, dessen Vorfahren aus Baden-Baden stammen, geriet in den vergangenen Jahren häufig in Zahlungsschwierigkeiten. Jetzt ist seine Kasino-Holding pleite.

Die Trump Entertainment Resorts Inc. hat am Dienstag Gläubigerschutz nach "Chapter 11" angemeldet - zum dritten Mal in drei Jahren. Donald Trump hat sein Amt als Chairman des Unternehmens aufgegeben, an dem ihm zuletzt noch 28 Prozent der Anteile gehörten, auch seine Tochter Ivanka ist aus dem Vorstand ausgeschieden. Damit protestiert die Familie gegen einige Entscheidungen der Gläubiger, die den größten Teil des einst erfolgreichen Kasino-Konzerns besitzen.

In den Blogs wird unterdessen heftig diskutiert, ob sich der Multimillionär mit der Tolle nicht aus der Verantwortung stehlen will. Immerhin haben er und Ivanka ihren Rückzug am Freitag eingeleitet, unmittelbar vor Eintritt in den Gläubigerschutz.

Wie dem auch sei, die Trump Entertainment konnte zuletzt die monatlichen Forderungen der Gläubiger von rund 53 Millionen Dollar nicht mehr begleichen. Das Bilanzvermögen liegt mit 2,06 Milliarden Dollar nur unwesentlich über den Schulden, die mit 1,74 Milliarden Dollar zu Buche schlagen. Die Aktie notiert zum Wochenbeginn bei 13 Cent - vor einem Jahr kostete das Papier noch 4 Dollar, zu seinen besten Zeiten im November 2006 noch satte 23 Dollar.

Die Pleite von Trump Entertainment ist interessanterweise nicht einer allgemeinen Krise im Kasino-Sektor zuzuschreiben. Zwar geht die Finanzkrise an Atlantic City und Las Vegas nicht spurlos vorüber und die Aktien von Konkurrenten wie MGM Mirage und Wynn verlieren steil. Doch stehen sie ungleich besser da als Trump: Wynn etwa baut gerade ein neues Milliarden-Projekt in der Wüste von Nevada und feiert den Einzug der Aktie in den S&P 500.

Dass zumindest einige Kasinos noch erfolgreich sind, liegt daran, dass verzweifelte Amerikaner selbst in finanziell schwierigen Zeiten noch an das schnelle Geld am Automaten bauen - oder dass sie gerade in schwierigen Zeiten dort die einzige Rettung sehen. Dass die Chancen schlecht stehen, wissen die meisten, doch das könnte sich schon bald ändern. In Spielerkreisen setzt sich "Card Counting" immer mehr durch, das einzige sichere System für Blackjack, mit dem nicht zuletzt einige MIT-Studenten um Ben Campbell den großen Reibach gemacht haben. Deren Abenteuer waren zuletzt unter dem Titel "21" ein Kino-Erfolg.

Beim "Card Counting" zählt der Spieler mit, welche Karten - hohe und niedrige - bereits gelaufen sind. Daraus lässt sich schließen, welche Karten noch im Spiel sind und wie die Gewinn-Chancen liegen. Bisher konnte das nur, wer über ein ausgezeichnetes Gedächtnis und unerschütterliche Konzentration verfügte. Heute reicht bereits ein iPhone, für das es seit kurzem eine Kasino-Application gibt. Die macht das Karten-Zählen einfacher, ist aber verboten. Für Zocker kein Problem, denn das iPhone bietet eine "Stealth"-Funktion an, die das Gerät bei dunklem Bildschirm laufen lässt.

Die Kasinos wurden jetzt vor dem iPhone gewarnt und dürften in nächster Zeit noch genauer als sonst schauen, welcher Spieler seine Hände wo hat. Schließlich ist ihnen daran gelegen, auch in Zukunft im Geschäft zu sein - und nicht den Weg der Trump Entertainment zu gehen.

Quelle: n-tv.de