Marktberichte

Heftige Verluste in New York Märkte weiter im Sturzflug - Panik regiert

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An diesen Montag werden sich die Händler noch lange erinnern.

(Foto: imago images/UPI Photo)

Nach dem heftigen Absturz des Dax kommt es in New York noch dicker. Die Panik hat die Märkte dort fest im Griff - trotz aller Versuche gegenzusteuern. Die Verluste sind dramatisch, so schlimm wie seit dem "schwarzen Montag" von 1987 nicht mehr. Ein Ende des Abwärtstrends? Nicht in Sicht.

Die Angst vor den Folgen der Coronavirus-Krise hat den US-Aktienmärkten die schlimmsten Verluste seit dem "schwarzen Montag" im Jahr 1987 eingebrockt. Ein sich im Handelsverlauf anbahnender Erholungsansatz verpuffte wieder. Am Ende gingen die Indizes stattdessen nahe den Tagestiefs aus dem Handel. Die Angst vor kaum mehr kontrollierenden Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf die globale Wirtschaft hat die Finanzmärkte somit weiter fest im Griff. Gegenmaßnahmen wirtschafts- und finanzpolitischer Seite kommen dagegen nicht an, auch nicht die diversen Maßnahmen der Notenbanken. Dazu gesellte sich ein verheerend schlecht ausgefallener Empire State Manufacturing Index.

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Die überraschende massive Zinssenkung der US-Notenbank (Fed) vom Sonntag schürte eher Ängste als dass sie die Anleger beruhigte. Das Timing spät am Sonntag und kurz vor Öffnung der Märkte in Asien und kurz vor der regulär geplanten Sitzung zur Wochenmitte sei vom Markt als Zeichen der Panik gewertet worden, sagte David Madden, Analyst bei CMC Markets; auch wenn er die Maßnahmen an sich für gerechtfertigt halte.

Der Dow-Jones-Index sackte um 12,9 Prozent ab auf 20.188 Punkte. Der S&P-500 verlor 12,0 Prozent, der Nasdaq-Composite 12,3 Prozent. Am Freitag waren die Indizes nach einer spektakulären Schlussrally noch mit Aufschläge von knapp 10 Prozent aus dem Tag gegangen.

Heldenhafte Fed

"Was die Fed gemacht hat war heldenhaft", sagte Steven Skancke, Chefwirtschaftsberater bei Keel Point. "Aber die Unternehmen und damit auch der Markt warten auf mehr Informationen dazu, was hinter den Ankündigungen von Weißem Haus und Kongress von vergangener Woche steckt", ergänzte er mit Blick auf erhoffte weitere fiskalische Stimuli und Hilfen für Arbeitnehmer.

An andere Stelle wurde kritisiert, dass die Maßnahmen der Notenbank zu stark ausgefallen und zu schnell gekommen seien. Damit habe die Fed ihr gesamtes Pulver bereits verschossen. Die Fed selbst hatte im begleitenden Kommentar zu ihren drastischen Maßnahmen dagegen betont, damit nicht am Ende ihrer Möglichkeiten zu sein.

"So sieht Panik aus", sagte Patrick Healey, Präsident und Gründer von Caliber Financial Partners. "Es spielt keine Rolle, was die Fed am Wochenende getan hat oder was sie hätte tun können. Der Handel spiegelt reine Angst und Unsicherheit wider", meinte er und verwies auf unterbrochene Lieferketten, Freistellungen von Arbeitskräften und neue Ansteckungen tausender Menschen.

Die schon zweite Notfall-Zinssenkung der US-Notenbank innerhalb von zwei Wochen werde am Markt als Akt der Verzweiflung gesehen, kommentierte Terence Wong, CEO von Azure Capital in Singapur, die negative Reaktion an den Börsen.

Die Fed hatte am Sonntagabend den Leitzins um 100 Basispunkte auf 0,00 bis 0,25 Prozent gesenkt. Darüber hinaus kündigte sie neue Ankäufe von Anleihen und Hypothekenpapieren an. In seiner Stellungnahme sagte Fed-Chef Jerome Powell, dass die Coronavirus-Pandemie die US-Wirtschaft im zweiten Quartal beeinträchtigen werde. Die Aussichten für die Zeit danach hingen vom weiteren Verlauf der Pandemie ab. Die Analysten von Goldman Sachs rechnen derweil mit einem Einbruch des US-Bruttoinlandsprodukts um 5 Prozent im zweiten Quartal.

Ölpreis auf Vierjahrestief - Gold 50 Dollar billiger

Die Konjunkturängste zeigten sich auch am Ölmarkt, wo der Preis für ein Barrel US-Rohöl um über 9 Prozent einbrach auf knapp 29 Dollar. Auf Settlement-Basis war Öl damit so billig wie zuletzt im Februar 2016.

Gold war trotz der Risikoscheu der Anleger als sicherer Hafen nicht gesucht. Marktteilnehmer sprachen von einer "irren Jagd nach Liquidität". Händler wie Anleger hätten alles verkauft, "was irgendwie zu Geld zu machen war". Der Preis für die Feinunze sank um fast 50 Dollar auf zuletzt 1.497. Marktbeobachter vermuten hinter dem Preisverfall auch Notverkäufe von Anlegern, die Verluste an anderer Stelle kompensieren müssen.

Passend zur Zinssenkung vom Wochenende gab der Dollar nach. Der Euro stieg im Gegenzug auf rund 1,1168 Dollar. Am Freitag notierte die Gemeinschaftswährung im Tagestief bei 1,1080 Dollar. Der Dollar-Index fiel um 0,6 Prozent. Am US-Anleihemarkt bricht die Rendite zehnjähriger US-Anleihen um 23 Basispunkte ein auf 0,74 Prozent.

Mit die höchsten Verluste verzeichnen Finanzwerte, weil die erneut gesenkten Zinsen den Geldhäusern das Geschäft erschweren. Der S&P-Branchenindex brach um rund 16 Prozent ein. Auch der Auto-Index sackte in dieser Größenordnung ab. Am besten hielten sich - mit allerdings immer noch kräftigen Abschlägen von rund 3 Prozent und mehr - defensive Sektoren wie Pharma, Massenkonsumgüter, Nahrungsmittel und Telekommunikation.

In der allgemeinen Panik fanden Nachrichten zu einzelnen Unternehmen keine Beachtung. Bei Apple hätten sie auch kaum gestützt. Der Kurs fiel mit dem schwachen Markt um fast 13 Prozent. Das Unternehmen muss in Frankreich ein Bußgeld von 1,1 Milliarden Euro zahlen, weil es nach Einschätzung der dortigen Wettbewerbsbehörde mit zwei Großhändlern Absprachen zu Lasten von unabhängigen Einzelhändlern getroffen hat.

Im Dow brachen Boeing mit den Hiobsbotschaften für die Reise- und Transportbranche und angesichts hausgemachter Probleme mit dem Typ 737 Max sogar um fast 24 Prozent ein. Zudem hatte die Ratingagentur Fitch den Ausblick für die Luftfahrtbranche auf "negativ" gesenkt.

Quelle: ntv.de, vpe/DJ