Marktberichte

Abe verschießt den Pfeil Gewinnmitnahmen belasten Asien-Börsen

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Lange Gesichter gibt es in Japan derzeit nicht nur bei Fußballfans, sondern auch an der Börse.

(Foto: dpa)

Die ostasiatischen Aktienmärkte können sich den negativen Vorgaben aus den USA nicht entziehen. Auf breiter Front geben die Indizes nach. Daran ändert auch Abes "dritter Pfeil" nichts.

An den Börsen in Asien haben die Anleger am Mittwoch Kasse gemacht. Investoren verfolgten mit Sorge die Irak-Krise. Bei den Kämpfen sind nach Schätzung der Vereinten Nationen allein im Juni mehr als 1000 Menschen getötet worden. "Geopolitische Risiken haben Chinas Wachstum und die Fed-Politik als die Hauptsorgen von Investoren abgelöst", erklärten Analysten von Barclays.

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Einen Tag nach dem Abschuss des sogenannten dritten Pfeils von Ministerpräsident Abe zur Stärkung der Unternehmen und der Wirtschaft des Landes - die ersten beiden sind eine ultralockere Geldpolitik und massiv erhöhte Staatsausgaben - gab der Nikkei-Index um 0,7 Prozent nach auf 15.267 Punkte. Der MSCI-Index für die Region Asien-Pazifik ohne Japan verlor rund 0,4 Prozent.

Abe und sein Pfeil

Was der Markt vermisse, seien harte Zahlen zu den angekündigten Steuersenkungen und zur steigenden Aktienquote des staatlichen Pensionsfonds, kritisierte ein Teilnehmer. Auch Nomura-Analyst Shuichi Obata bemängelte das Fehlen von Details. "Aktien sind schon lange reif für eine Korrektur", meinte CSLA-Aktienexperte Nicholas Smith. "Das meiste, was Abe gesagt hat, ist schon lange in den Kursen drin. Details, wie beispielsweise Unternehmen, die keine Steuern zahlen, behandelt werden sollen, um Einnahmeausfälle wegen gesenkter Steuern anderswo auszugleichen,  fehlen noch."

Abe hatte lediglich Aussagen aus einem früheren Entwurf wiederholt, wonach die effektive Steuerquote für Unternehmen in mehreren Jahren auf unter 30 Prozent sinken soll. Weiter keine Klarheit gibt es auch dazu, in welchem Umfang der 1,3 Billionen Dollar schwere Pensionsfonds der Regierung Gelder in Aktien und anderen Wertpapieren investieren soll. Möglicherweise werde ein konkreteres Reformpapier erst im Herbst zur Abstimmung vorgelegt, sagte Nomura-Experte Obata.

Stärker verkauft wurden in Tokio Schwergewichte wie Fast Retailing und Softbank. Sie verloren 1 und 1,3 Prozent. Sony hielten sich mit einem Minus von 0,2 Prozent etwas besser als der breite Markt. Hier hätten ermutigende Aussagen des Elektronikherstellers zum Erfolg der Spielekonsole PS4 gestützt, sagten Händler. Canon kamen vom 2014er Hoch aus der Vorwoche erneut etwas zurück, diesmal um 0,4 Prozent. Die Aktie sei mit Blick auf die attraktive Dividende zuletzt verstärkt gesucht gewesen, nun verabschiedeten sich einige Anleger wieder aus dem Papier, hieß es. Der Dividendenabschlag wird am Donnerstag vollzogen.

Samsung im Blick

In Seoul standen Samsung Electronics mit einem Minus von 1,9 Prozent unter Druck. Seit Monatsbeginn beläuft sich das Minus damit bereits auf 8,5 Prozent. Händlern zufolge leidet das Papier unter Zurückhaltung der Anleger vor den Quartalszahlen Anfang Juli. KTB Investment & Securities senkte zudem die Prognose für das operative Ergebnis um 10 Prozent wegen schwächer als erwarteter Smartphone-Verkäufe.

Immobilien und Banken belasten

In Schanghai sorgten drei für Donnerstag anberaumte Börsengänge für Zurückhaltung. "Die Erfahrung zeigt, dass der Markt am Tag, bevor neue Aktien gelistet werden, gewöhnlich schwächer tendiert", erläuterte Tang Yonggang, Analyst bei Hongyuan Securities. In den vergangenen vier Monaten hatten Chinas Regulierungsbehörden neue Börsengänge untersagt. Während Verluste bei den Schwergewichten aus dem Immobilien- und Bankensektor den breiten Markt ins Minus gezogen hätten, seien Papiere von Unternehmen, die im Januar und Februar an die Börse gekommenen seien, gesucht gewesen, hieß es an anderer Stelle. Dazu gehörten der Autozulieferer Tianjing Pengling Rubber Hose, das Aluminiumunternehmen Zhejiang Yueling und der Dienstleister Guangdong Qtone Education.

Auch an der Wall Street hatten Anleger am Dienstag Gewinne mitgenommen - trotz ermutigender Konjunkturdaten. In den USA war das Verbrauchervertrauen etwas besser ausgefallen als erwartet, und der Eigenheimabsatz stieg stärker als prognostiziert.

Quelle: n-tv.de, bad/DJ/rts

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