Wirtschaft
Ein sauberer Teller, gute Arbeit: Der Dax gibt den Tellerwäscher, arbeitet sich von unten nach oben.
Ein sauberer Teller, gute Arbeit: Der Dax gibt den Tellerwäscher, arbeitet sich von unten nach oben.(Foto: picture alliance / dpa)
Montag, 23. Juni 2014

Bis zum Millionär dauert's noch: Dax gibt den Tellerwäscher

Zum Start rauscht der Dax mehr als ein Prozent ins Minus. Die Gründe sind vielschichtig - und nicht nur politisch. Bis zum Nachmittag kämpft sich der Leitindex wieder zurück. Was fehlt, ist das Happy End.

Über Langeweile am deutschen Aktienmarkt zum Wochenauftakt kann sich kein Anleger beschweren. Nachdem positive Konjunkturdaten aus China einen freundlichen Start in den Montag suggerierten, fiel dieser ins Wasser: Die Kurse sackten weg, der Dax verlor binnen kürzester Zeit mehr als 1 Prozent. Danach sah sich der Leitindex in der Rolle des Tellerwäschers, der zum Millionär wird - und baut sukzessive seine Verluste ab.

Aus dem Handel ging der Dax dann dennoch mit einem Abschlag von 0,7 Prozent bei 9921 Punkten. Die Handelsspanne erstreckte sich von einem Tagestief bei 9885,96 Zählern bis zu einem Tageshoch von 9993,02 Stellen. Erst am Freitag hatte er bei 10.051 Punkten ein neues Allzeithoch markiert. Der MDax gab 0,8 Prozent auf 16.847 Zähler ab, der TecDax 0,7 Prozent auf 1322 Stellen. An den Rohstoffmärkten präsentierten sich die Ölpreise weiter auf hohem Niveau, der Goldpreis kletterte leicht. Am Devisenmarkt fiel vor allem der Australische Dollar in den Blick, der Euro kämpfte erneut um die 1,36er Marke.

Frankreich wird zum Bremsklotz

Vorbörslich erschienene Konjunktursignale aus China konnten den Markt nicht lange stützen. Der von der Großbank HSBC erhobene Einkaufsmanagerindex für die chinesische Industrie kletterte im Juni überraschend kräftig auf 50,8 Punkte von 49,4 Punkten im Mai und lag damit erstmals seit sechs Monaten über der Marke von 50 Punkten.

Die Zahlen waren aber nicht das einzige Thema: Enttäuschende Konjunkturdaten aus Frankreich, die EZB-Warnung vor möglichen Immobilienblasen, der Konflikt im Irak und die dadurch weiter steigenden Ölpreise  - "insgesamt ist die Lage derzeit nicht gut", kommentierte n-tv-Börsenexpertin Corinna Wohlfeil. "Das alles sorgt dafür, dass sich die Anleger eher an den Rand stellen, statt noch größere Positionen aufzubauen."

Siemens und der Alstom-Deal

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Ein weiteres Thema betraf einen Einzelwert im Dax: Siemens. Nach der Entscheidung im Bieterwettkampf um Alstom und dem Zuschlag für eine französisch-US-amerikanische Lösung gaben die Titel 1,5 Prozent nach. Der französische Staat will im Laufe der kommenden zwei Jahre 20 Prozent des Alstom-Kapitals erwerben und damit Alstom-Hauptaktionär werden. Siemens ist damit aus dem Rennen - und kann sich wieder den hauseigenen Baustellen zuwenden.

Ein Händler wertete den Zuschlag für General Electric als einen "strategischen Verlust" für Siemens. Denn die Münchener hätten das margenstarke Geschäft mit Gasturbinen und die damit verbundenen Wartungsgaufträge zu einem "vernünftigen Preis" erhalten. Am Markt mache sich allerdings auch Erleichterung breit, dass der Bieterkampf ein Ende gefunden habe und Siemens und Mitsubishi ihre Gebote nicht noch einmal erhöhen müssen.

"Ich habe den Eindruck, dass Siemens Alstom nie wirklich übernehmen, sich andererseits aber auch keine Blöße geben wollte", sagte Heino Ruland von Ruland Research. Er wertet den Zuschlag für GE ebenfalls nicht als Beinbruch für die Münchner.

Verluste auf breiter Front - auch bei den Banken

Neben Siemens büßten K+S rund 2 Prozent ein. Merck und Conti verloren je 1,3 Prozent. Auf der Gegenseite ragten ThyssenKrupp heraus, die sich um mehr als 2 Prozent verteuerten. Nennenswerte Gewinne konnten auch noch Henkel, RWE, Eon und Munich Re vorweisen.

Deutsche Bank gaben 0,1 Prozent ab. Der Bezugsrechtshandel für die Kapitalerhöhung ging mit dem so genannten Spitzenausgleich zu Ende. Im Anschluss könnte der Weg für eine ausgedehntere Kurserholung frei sein, meinten Händler mit Blick auf Kapitalerhöhungen in der Vergangenheit. Commerzbank standen mit 2,2 Prozent im Minus.

Süßes Hoch

Im Nebenwerteindex MDax mauserten sich Südzucker an die Spitze der Gewinner. Die Titel legten überdurchschnittliche 4,7 Prozent zu. Die Tochter CropEnergies konnte im ersten Quartal überzeugen und zog die Titel der Mutter mit nach oben. Zu den größten Verlierern zählten Symrise und Airbus, deren Anteilsscheine jeweils rund 2 Prozent nachgaben.

Ball rollt im SDax

Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund ist aufgestiegen: Die Aktie wurde erstmals im Kleinwerte-Index SDax geführt. Der Bundesligist war bereits Ende Mai vom sogenannten General Standard in den Prime Standard gewechselt, um seine Aktien attraktiver zu machen und mehr private und institutionelle Investoren anzulocken. Ein möglicher Einstieg der Deutschen Bank allerdings war gescheitert. Aktuell größter BVB-Aktionär ist der Unternehmer Bernd Geske, Borussia selbst hält gut 7 Prozent, 75 Prozent sind in Streubesitz. Die Titel schlossen 1,4 Prozent schwächer.

Ebenfalls in den SDax rückten Hornbach Baumarkt auf. Die Titel legten rund 0,8 Prozent zu. Für die beiden Werte mussten König & Bauer und Air Berlin ihre Plätze räumen. Papiere von König & Bauer verloren 0,1 Prozent, Air Berlin-Anteilsscheine gaben 2,2 Prozent ab.

Quelle: n-tv.de