Marktberichte

Anlauf auf 9600 erneut abgebrochen Dax geht mit kleinem Kater

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Kirre durch die EZB: Am Tag danach muss sich der Dax sammeln.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nach dem schwungvollen Vortag infolge der EZB-Sitzung verläuft der Handelstag in geordneten Bahnen. Die zuletzt zum Platzen gefüllte Agenda ist nahezu leer. Dämpfer kommen von der deutschen und chinesischen Wirtschaft.

Am deutschen Aktienmarkt haben Anleger am Tag nach den Turbulenzen im Zuge der EZB-Zinsentscheidung und unmittelbar vor dem Wochenende nichts mehr reißen wollen. Von der dünnen Agenda gingen keine Impulse aus. Zudem sorgte das anstehende Referendum in der Ost-Ukraine für Zurückhaltung. "Die Spannungen in der Ukraine werden noch eine ganze Weile die Stimmung dämpfen und für Risiken sorgen", sagte Marktstratege Ishaq Siddiqi vom Broker ETX Capital.

Für zusätzliche Ernüchterung sorgten schwache Konjunkturdaten aus China. Die dortigen Verbraucherpreise stiegen im April überraschend nur um 1,8 Prozent. Hinzu kommen negative Vorgaben aus den USA und Asien.

Letztlich verlor der Leitindex Dax 0,3 Prozent auf 9581 Punkte. Damit hat das das Börsenbarometer nun innerhalb kurzer Zeit mehrere Anläufe auf die 9600 Punkte abgebrochen. Der MDax legte dagegen 0,1 Prozent auf 16.302 Zähler zu. Etwas kräftiger zog der TecDax an, der 0,5 Prozent auf 1236 Punkten zulegte. Der Eurozonen-Leitindex Eurostoxx 50 büßte dagegen 0,6 Prozent auf 3184 Zähler ein.

In Zürich stemmte sich der Aktienmarkt gegen den weltweiten Abwärtstrend. Etwas Unterstützung kam vom Devisenmarkt, wo der Franken gegen den Euro etwas schwächer ging. Der SMI gewann 0,5 Prozent auf 8.510 Punkte. In einem nachrichtenarmen Geschäft stützten die Gewinne der Schwergewichte Nestle, Novartis und Roche. Sie stiegen zwischen 0,8 Prozent und 1 Prozent. Dagegen verloren Credit Suisse und UBS.

EZB schürt Spekulationen

Am Vortag hatten Spekulationen auf eine baldige Lockerung der Geldpolitik den deutschen Leitindex um 0,9 Prozent auf 9607 Zähler nach oben getrieben. EZB-Chef Mario Draghi bekräftigte auf der Pressekonferenz nach dem Zinsentscheid seine Bereitschaft, eine drohende Deflation - eine Spirale fallender Preise und rückläufiger Investitionen - zu bekämpfen. Evan Lucas, Marktstratege bei IG sagte: "Für den Dax und CAC40 ist das gut, wenn man an die export- und industriegetriebenen Volkswirtschaften der Länder denkt."

Die Auswirkungen sind bereits erkennbar: Die deutschen Ausfuhren sind im März abermals geschrumpft. Zum einen trifft die wirtschaftliche Schwäche einiger Schwellenländer die Exportwirtschaft, zum anderen könnte die Krise in der Ukraine potenzielle Investoren zur Vorsicht veranlasst haben. "Die schwachen März-Daten zu Warenausfuhr, Produktion und Auftragseingang deuten darauf hin, dass das zweite Quartal spürbar schwächer ausfallen wird als das erste", sagt BayernLB-Ökonom Stefan Kipar.

Dividendenabschläge und Analystenkommentare

Im Dax gaben Commerzbank die rote Laterne nicht mehr ab und verbilligten sich um 3,1 Prozent. Lufthansa fielen um 2,5 Prozent. Continental verbilligten sich um 1,9 Prozent.

Gesucht waren K+S, die nach einer Hochstufung 2,1 Prozent zulegten. JP-Morgan-Analyst Ben Scarlett rechnet wieder mit steigenden Kalipreisen in diesem und dem kommenden Jahr. In die Spitzengruppe reihten sich mit einem Aufschlag von 1,8 und 1,0 Prozent die beiden Fresenius-Werte in.

In der zweiten Reihe standen drei ex-Dividende gehandelte Titel an der Spitze der Verlierer. Bilfinger ermäßigten sich um 4,9 Prozent. Talanx sanken um 4,6 Prozent. Leoni verloren 3,4 Prozent.

Nach oben ging es für Salzgitter, die sich um 4,7 Prozent verteuerten. Das Unternehmen macht weniger Verlust. Zudem schlage das Restrukturierungsprogramm offenbar langsam auf die Bilanz durch, hieß es in einem Kommentar von Equinet. Obendrein hätten sich Bedingungen am Stahlmarkt verbessert. Tui kletterten 2,5 Prozent.

Im TecDax standen auf den Kauflisten letztlich Telefonica mit einem Plus von 5,4 Prozent ganz oben. Freenet kamen nach dem Vortagsverlust 5,2 Prozent zurück. Carl Zeiss Meditec verteuerten sich um 2,4 Prozent. Die Anleger ignorieren den zurückhaltenden Ausblick und konzentrieren sich stattdessen auf die besseren Geschäftszahlen für das zweite Quartal. Sowohl die Umsätze als auch das Ebit sind über den Marktschätzungen ausgefallen. Nach Einschätzung von Sven Kürten von der DZ-Bank hat das Unternehmen von Vorzieheffekten in Japan profitiert. Dort wurde im April die Mehrwertsteuer erhöht. Der Analyst geht davon aus, dass es sich um einen einmaligen Sondereffekt handelt. Nordex legen sogar 3,1 Prozent zu.

SLM beenden Debüt-Tag im Minus

Geglückt ist der Börsengang des 3D-Drucker-Herstellers SLM Solutions. Das Papier ging über dem Ausgabepreis von 18 Euro in den Handel. Allerdings fiel der Börsengang kleiner aus als geplant. Das Lübecker Unternehmen teilt nur 10 Millionen statt der geplanten bis zu 11,2 Millionen Aktien zu. Das Kapitalmarktumfeld für die 3D-Druck-Technologie hatte sich zuletzt verfinstert.

Konzernchef Markus Rechlin wollte bei n-tv keine Jahresprognose abgeben. Man wisse es selbst noch nicht. Allerdings liege der Auftragseingang bislang deutlich über dem Vorjahr. So sollen letztlich im Gesamtjahr auch deutlich mehr als 28 Maschinen  - so viele wurde 2013 an die Kunden gebracht - abgesetzt werden. Am Ende des ersten Tages auf dem Parkett stand aber ein Minus von 1,7 Prozent auf 18,04 Euro.

Quelle: n-tv.de, mmo/jwu/DJ/rts

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