Marktberichte

Dollar gewinnt an Stärke Euro reißt die Hürde

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(Foto: REUTERS)

Der Euro büßt ordentlich an Boden ein. Im Handel wird dazu unter anderem auf die unsichere Lage in der Ukraine sowie die militärischen Muskelspiele in Moskau verwiesen. Unter erheblichem Druck bleibt derweil die ukrainische Währung.

Der Euro ist am Mittwoch im Tagesverlauf in den Sturzflug übergegangen. Die europäische Gemeinschaftswährung fiel dabei unter die Marke von 1,37 Dollar. Am Nachmittag ging der Euro für 1,3674 Dollar um Zuvor hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,3726 Dollar festgesetzt. Der Greenback kostete damit 0,7285 Euro.

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,11

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,82260 britische Pfund, 140,50 japanische Yen und 1,2198 Schweizer Franken fest.

Im Handel wird darauf verwiesen, dass der russische Präsident Wladimir Putin die Streitkräfte in der Nähe der ukrainischen Grenze aufgefordert habe, die Waffenbereitschaft zu prüfen. "An den Märkten wird momentan sehr sensibel auf Nachrichten aus dieser Region reagiert", sagte ein Händler.

Deutschland wird nicht alle Bonds los

Unterdessen hat der Bund zum zweiten Mal binnen einer Woche nicht genügend Interessenten für seine Staatsanleihen gefunden. Bei der Versteigerung einer neuen 30-jährigen Bundesanleihe summierten sich die Gebote der Investoren auf knapp 2,8 Milliarden Euro - angepeilt waren drei Milliarden Euro. Bereits vor einer Woche war ein zehnjähriger Bond nicht auf genügend Nachfrage getroffen - zum ersten Mal seit knapp anderthalb Jahren. Analysten führen das auf die sehr niedrige Rendite zurück. "Der sichere Hafen Deutschland wird deshalb seltener angelaufen", sagte Experte Tobias Meyer von der NordLB.

"Die Anleger stecken derzeit wieder mehr Geld in die Euro-Krisenländer, denn dort gibt es höhere Renditen zu verdienen", sagte Analyst Meyer. So liegt die Rendite 30-jähriger italienischer Anleihen mit rund 4,5 Prozent um rund zwei Punkte über der der vergleichbaren Bundesanleihe. "Zudem bescheinigen Ratingagenturen ein wieder sinkendes Ausfallrisiko, weil sich in Ländern wie Spanien eine wirtschaftliche Erholung abzeichnet", sagte Meyer. "Das macht diese Papiere wieder interessant."

Hrywnja sackt weiter ab

Hrywnja / US-Dollar
Hrywnja / US-Dollar ,04

In der Ukraine fallt die Landeswährung angesichts der politischen Wirren auf neue Tiefststände. Bei 10,15 Hrywnja markierte der US-Dollar nun ein weiteres Allzeithoch, aktuell kostet ein Dollar 9,8060 Hrywnja. Seit Montag hat der Greenback zur Hrywnja um rund zehn Prozent aufgewertet. Die Umsätze werden jedoch als äußerst dünn bezeichnet. Auf den aktuellen Wechselkursen gehe fast nichts um, heißt es bei den Devisenanalysten der Citigroup.

Die Hrywnja steht bereits seit Jahresbeginn unter Druck. Doch seit der frühere Präsident Viktor Janukowitsch auf der Flucht ist, beschleunigt sich die Talfahrt der Hrywnja. Das krisengeschüttelte Land steht kurz vor der Staatspleite. Allgemein wird damit gerechnet, dass die Ukraine die Landeswährung signifikant abwertet, um die dringend benötigte Finanzhilfe aus dem Ausland nicht zu gefährden.

Die Absicherung eines zehn Millionen Dollar schweren Pakets ukrainischer Anleihen verteuerte sich um 76.000 Dollar auf 1,063 Millionen Dollar, wie der Datenanbieter Markit mitteilte.

Da die Bildung einer Übergangsregierung in der Ukraine auf sich warten lasse, rücke ein Hilfspaket des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Union (EU) wieder weiter in die Zukunft, urteilte Commerzbank-Analysin Thu Lan Nguyen in einem Kommentar. "Ohne neue Regierung in Kiew, dürften zunächst keine Gelder fließen."

China spricht von normalen Vorgängen

US-Dollar / Yuan
US-Dollar / Yuan 6,99

Derweil hat sich China erstmals zu den ausgeprägten Verlusten seiner Landeswährung Yuan geäußert und die Schwächephase relativiert. Die Wechselkursschwankungen des Yuan zum Dollar seien verglichen mit Kursverlusten zahlreicher Schwellenländerwährungen "normal", teilte die nationale Devisenverwaltungsbehörde SAFE. Es gebe keinen Grund, zu viel in die jüngste Kursentwicklung hinein zu interpretieren. Der Yuan hat seit Jahresbeginn gegenüber dem Dollar rund ein Prozent an Wert verloren.

Für die chinesische Währung ist der Schwächeanfall ein ungewöhnliches Bild, weil der Yuan in den vergangenen Jahren an Wert gewonnen hatte. Die US-Regierung hatte China in der Vergangenheit vorgeworfen, ihre Währung künstlich billig zu halten, um günstige Exportbedingungen für chinesische Unternehmen zu schaffen. Chinas Zentralbank hat auf die Kursentwicklung großen Einfluss, weil sie täglich einen Zentralkurs festlegt, um den der Yuan-Kurs nur in Grenzen schwanken darf.

Uganda bangt um Hilfsgelder

Spekulationen auf eine Kürzung ausländischer Hilfsgelder hat den ugandischen Schilling am Mittwoch auf ein Sechs-Wochen-Tief gedrückt. Bei der Citigroup ist von aggressiven Verkäufen und einem wilden Handel die Rede.´Ein Dollar verteuerte sich um bis zu 2,2 Prozent auf 2508 Shilling. Börsianern zufolge verkaufte die ugandische Notenbank Dollar, um die heimische Währung zu stützen.

Auslöser der Spekulationen sei das am Montag in Kraft getretene Anti-Homosexuellen-Gesetz, sagte Finanzmarkt-Experte Faisal Bukenya von der Barclays Bank. Es belegt Homosexualität mit harten Strafen. UN-Generalsekretär Bank Ki Moon rief Uganda dazu auf, die Bestimmungen aufzuheben. Sie könnten Gewalt gegen Schwule und Lesben fördern. Homosexualität gilt in Afrika als tabu. In 37 Staaten ist sie illegal. Norwegen hat bereits angekündigt, nun seine Hilfen für das Land zu kürzen. Andere Staaten könnten dem Schritt folgen, heißt es. Die USA hatten bereits angekündigt, ihre Beziehungen zu Uganda auf den Prüfstand zu stellen.

Quelle: n-tv.de, jwu/rts/dpa/DJ