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Erdrutsch im US-Kongress? Wall Street zittert im Wahlstress

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Ein fallender Ölpreis und die Aussicht auf zwei Jahre Stillstand in Washington: US-Anleger bleiben vorsichtig.

(Foto: REUTERS)

Am Wahltag herrscht schlechte Stimmung an den New Yorker Börsen: Die US-Exportdaten enttäuschen, die Angst vor der schwachen Weltkonjunktur kehrt in die USA zurück. Der Ölpreis gibt weiter nach. Wer bekommt die Mehrheit im US-Kongress?

Der fallende Ölpreis hat die US-Börsen belastet. Insbesondere die Papiere von Energiekonzernen wurden von den Aussichten auf eine sinkende Nachfrage in Mitleidenschaft gezogen. Mit bangen Blicken schauten die Anleger zudem auf die laufenden Kongresswahlen in den USA. Da die Entscheidungen in einigen Bundesstaaten knapp ausfallen könnten, sei eine längere Hängepartie nicht auszuschließen, fürchten Börsianer. Enttäuschende Unternehmensaussagen steuerten einen zusätzlichen Stimmungsdämpfer bei.

Der Dow-Jones-Index schloss 0,1 Prozent fester bei 17.383,84 Punkten. Im Verlauf pendelte er zwischen 17.278 und 17.397 Punkten. Der breiter angelegte S&P-500-Index fiel um 0,28 Prozent auf 2012,09 Punkte. Der Composite-Index an der technologielastigen Börse Nasdaq verlor 0,33 Prozent und schloss bei 4623 Punkten. Der Auswahlindex Nasdaq 100 büßte 0,31 Prozent auf 4156,23 Punkte ein. In Frankfurt war der Dax mit 9166 Punkten und damit einem Minus von etwa 0,9 Prozent aus dem Handel gegangen.

Demokraten im Abschwung?

Im Blick der Anleger standen neben dem fallenden Ölpreis und weiteren Quartalsberichten das unerwartet hohe Handelsbilanzdefizit der USA sowie die erwartungsgemäß ausgefallenen Auftragseingänge der Industrie. Zudem richtete sich das Augenmerk auf die Wahlen in den USA. Umfragen sehen eine Niederlage der Demokraten von Präsident Barack Obama voraus: Sie dürften im Senat die Mehrheit an die Republikaner verlieren. Zudem gilt als sicher, dass die Republikaner ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus halten oder gar ausbauen können.

Hinweis: Den n-tv.de Liveticker zu den Midterm Elections in den USA finden Sie hier

Sollte sich dies bewahrheiten, wäre der Handlungsspielraum des Präsidenten in seinen verbleibenden beiden Amtsjahren noch stärker eingeschränkt. Anleger warten nun gespannt darauf, ob und wie die Europäische Zentralbank (EZB) auf ihrer anstehenden Sitzung am Donnerstag darauf reagieren wird.

Eindeutiges Signal der Schwäche

Wegen einer neuen Runde im Preiskampf der Förderländer geriet der Ölmarkt unter Druck. Saudi-Arabien räumt nun auch US-Abnehmern Rabatte ein. Der Preis in den USA liegt inzwischen auf dem tiefsten Stand seit etwa drei Jahren. "Eine starke Nachfrage nach Öl zeigt, dass die Wirtschaft brummt", erklärte John Kosar von Asbury Research. Daher gebe der Preisverfall zu denken.

Zu den Verlierern in New York gehörte entsprechend Chevron mit einem Minus von 1,2 Prozent. Die Aktien von ExxonMobil sanken im Zuge des anhaltenden Ölpreisverfalls um 0,8 Prozent. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte WTI war um fast 3 Dollar auf unter 76 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit etwas mehr als drei Jahren gefallen.

Der chinesische Internet-Handelsriese Alibaba hatte dagegen mit seinem Umsatzwachstum im zweiten Geschäftsquartal die Erwartungen der Analysten übertroffen. Unter dem Strich hatte der Börsenneuling von Juli bis September aber fast 40 Prozent weniger verdient als im Vorjahr. Die Alibaba-Titel verteuerten sich um 4,2 Prozent auf gut 106 Dollar und erzielten kurz vor Handelsende ein weiteres Rekordhoch. Allerdings werden die Papiere weder an der Nasdaq gehandelt, noch sind sie im Dow oder dem S&P 500 gelistet.

Unter den übrigen Einzelwerten standen die Papiere von Sprint mit einem Kurseinbruch von 16,5 Prozent im Rampenlicht. Nach einem hohen Verlust im zweiten Geschäftsquartal streicht der Mobilfunk-Anbieter rund 2000 Arbeitsplätze. Zudem kappte das Management um den seit kurzem amtierenden Vorstandschef Marcelo Claure die Geschäftsziele für 2014 deutlich.

Die AIG-Aktien verloren 0,7 Prozent. Der US-Versicherer, der während der Finanzkrise beinahe kollabierte, hatte im dritten Quartal unter dem Strich 2,2 Milliarden Dollar verdient und damit die Prognosen der Analysten übertroffen. Auch der Umsatz hatte etwas über den Erwartungen gelegen. AIG will zudem das Aktienrückkaufprogramm um 1,5 Milliarden US-Dollar ausweiten.

Die Papiere von JP Morgan büßten 1,03 Prozent ein, nachdem die größte US-Bank ihre milliardenschweren Rückstellungen wegen des Skandals um manipulierte Devisenkurse erhöht hatte.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 832 Millionen Aktien den Besitzer. 1231 Werte legten zu, 1837 gaben nach und 130 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,91 Milliarden Aktien 1149 im Plus, 1529 im Minus und 131 unverändert.

Der Kurs des Euro stabilisierte sich im US-Handel auf dem im europäischen Geschäft erklommenen höheren Niveau und notierte zuletzt bei 1,2542 US-Dollar. Bei den US-Staatsanleihen stand ebenfalls die Konjunktur im Vordergrund. Die zehnjährigen Papiere stiegen um 1/32 auf 100-9/32. Sie rentierten mit 2,34 Prozent. Die 30-jährigen Bonds stiegen um 9/32 auf 101-15/32 und hatten eine Rendite von 3,05 Prozent.

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Quelle: n-tv.de, mmo/kst/DJ/dpa/rts

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