Marktberichte

Anleger greifen beherzt zu US-Börsen schließen freundlich

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Einer versucht zu arbeiten, die anderen beobachten die tägliche Balkon-Zeremonie mit dem Schlagen Eröffnungsglocke: Das Treiben an der Nyse zur Wochenmitte.

(Foto: REUTERS)

Zwei starke Signale reißen die US-Börsen aus ihrem sorgenschweren Ängsten: Die wirtschaftliche Dynamik in China wirkt robuster als erwartet. Das "Beige Book" der Fed deutet eine solide Erholung an. Die Aktien von Yahoo gewinnen mehr als 6 Prozent.

Die Wall Street geht zur Wochenmitte mit einem satten Kursplus in den Feierabend. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte legte 0,99 Prozent zu auf 16.424,85 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 stieg um 1,05 Prozent auf 1862,31 Zähler. Der Composite-Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 1,29 Prozent auf 4086,23 Stellen.

Neu aufkeimender Konjunkturoptimismus habe die US-Anleger beherzt zu Aktien greifen lassen, erklärten Beobachter. Überraschend starke Wachstumsdaten aus China hätten die Ängste zerstreut, dass es sich die Dynamik der riesigen chinesischen Volkswirtschaft deutlich abschwächen könnte. In der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal mit 7,4 Prozent zwar so schwach wie seit anderthalb Jahren nicht mehr. Analysten hatten aber nur 7,3 Prozent erwartet. "Wachstumsraten von über 7 Prozent sind mittlerweile für die neuen chinesischen Verhältnisse akzeptabel", schrieb Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank in einem Kommentar.

Auch die US-Wirtschaft scheint auf einem guten Weg: Im aktuellen Konjunkturbericht "Beige Book" kam die US-Notenbank zu dem Schluss, dass die USA nach dem harten Winter auf den Wachstumspfad zurückgekehrt sind. "Zwar hat sich das chinesische Wirtschaftswachstum zwischen Januar und März weiter abgekühlt, dies jedoch auf hohem Niveau und nicht so stark wie zuvor befürchtet", fassten die Analysten von IG Markets zusammen. Zusammen mit starken Signalen aus dem Beige Book seien die Sorgen über die Krise in der Ukraine in den Hintergrund gerückt, erläuterte LBBW-Analyst Ralph Herre.

Fed-Chefin Yellen bestätigt die Linie

Die Wirtschafts- und Unternehmensdaten signalisierten, dass die USA im zweiten Quartal einen Wachstumssprung im Vergleich zum ersten Jahresviertel verzeichnen dürften, sagte ein Fondsmanager. Äußerungen von US-Notenbankchefin Janet Yellen kurbelten den Markt zusätzlich an. Yellen bekräftigte die Haltung der Fed, die Zinsen auch nach dem Ende ihres Anleihe-Kaufprogramms niedrig zu halten, so lange die Arbeitsmarkt- und Inflationsziele nicht erreicht seien.

Die Berichtssaison zeigte sich ebenfalls überwiegend von ihrer freundlichen Seite. So hatten mit Yahoo und Intel am Vorabend zwei Sorgenkinder unter den Unternehmen zumindest die Erwartungen übertroffen. Die Intel-Aktie legte um 0,6 Prozent zu, während die Aktie von Yahoo ein sattes Plus von 6,3 Prozent einfuhr. Der Internet-Pionier profitierte im ersten Quartal von einem kräftigen Wachstum des chinesischen Internet-Händlers Alibaba, an dem er beteiligt ist.

Schwache Zahlen aus dem Bankensektor

Vorbörsliche Zahlen der Bank of America lasen sich weniger erfreulich. Das zweitgrößte Geldhaus des Landes ist im ersten Quartal in die Verlustzone gerutscht. Die Einnahmen lagen zwar über den Erwartungen, das reichte aber nicht für ein Kursplus. Im Gegenteil: Die enttäuschten Anleger schickten die Aktie um 1,6 Prozent nach unten.

Der Pharmakonzern Abbott Laboratories legte ebenfalls seinen Quartalsbericht vor. Der Gewinn je Aktie von 41 Cent kam bei den Investoren gut an. Die Aktie stieg um 1,1 Prozent.

Kleinere Konjunktursignale festigten das Zutrauen der US-Anleger: Die Anzahl der Baubeginne hat mit einem Plus von 2,4 Prozent deutlich weniger zugelegt als mit plus 6,4 Prozent erwartet. Immerhin zeugten sie davon, dass der Markt wächst. Und die Industrieproduktion zeigte sich mit plus 0,7 Prozent im März stärker als Experten erwartet hatten.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 670 Millionen Aktien den Besitzer. 2405 Werte legten zu, 624 gaben nach und 127 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,84 Milliarden Aktien 1868 im Plus, 752 im Minus und 101 unverändert.

Euro fällt, Gold zieht an

Der Euro gab einen Teil seiner Tagesgewinne nach den guten US-Daten zur Industrieproduktion wieder ab. Er notierte im späten New Yorker Handel bei etwa 1,3820 Dollar. Der Preis für Gold pendelte den ganzen Tag um die Marke von 1300 Dollar. Die Feinunze schloss um 0,3 Prozent oder 3,20 Dollar höher bei 1303,50 Dollar. Anleger waren unschlüssig, ob sie wegen der drohenden Eskalation in der Ukraine Gold als sicheren Hafen kaufen oder wegen der voraussichtlich rückläufigen chinesischen Goldnachfrage eher auf einen sinkenden Preis setzen sollten.

Der US-Ölpreis fiel nach der Veröffentlichung von Daten zu den Ölvorräten der USA zurück, nachdem zuvor die guten chinesischen Daten Hoffnungen auf einen steigenden Verbrauch geweckt und den Preis etwas nach oben getrieben hatten. Die US-Rohöllagerbestände hatten in der vergangenen Woche den stärksten Zuwachs seit 2001 verzeichnet. Zum Settlement stieg der Preis für das Barrel Leichtöl der Sorte WTI um einen Cent auf 103,76 Dollar. Die europäische Referenzsorte Brent legte um 0,2 Prozent bzw 0,21 Dollar auf 109,60 Dollar zu.

Für Anleihen war die Stimmungslage nicht günstig, die Anleger waren an Sicherheit nicht sonderlich interessiert. Aussagen der US-Notenbankchefin Janet Yellen wurden von einigen Beobachtern als zu wenig "taubenhaft" kritisiert. Sie hatten sich deutlichere Signale in Richtung einer auf längere Sicht lockeren Geldpolitik erhofft. Yellen bekräftigte in einer Rede im Economic Club of New York ihre Ansicht, dass die Aussichten der US-Wirtschaft ungewiss seien und die Inflation unverändert niedrig sei. Die Federal Reserve sei aber bereit, ihre monatlichen Anleihekäufe an sich verändernde Bedingungen anzupassen. Die Rendite der zehnjährigen Treasurys stieg um einen Basispunkt auf 2,64 Prozent.

Quelle: n-tv.de, bad/DJ/rts

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