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Inside Wall Street Milliardengeschäft Olympia

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Apolo Ohno holte Silber im Short Track über 1500 Meter.

(Foto: picture alliance / DPA)

Das Olympische Feuer brennt, die Spiele sind in vollem Gange. Während die amerikanischen Fans für die Lindsey Vonn, für Snowboard-Wunder Shaun White oder den Short-Track-Läufer Apolo Ohno die Daumen drücken, wird hinter den Kulissen gezählt: Wer hat die meisten Medaillen? Und wie lässt sich das Ganze in harte Dollar umrechnen. Die Olympischen Spiele sind ein Milliardengeschäft.

Es gibt zurzeit kaum ein Milliarden-Geschäft, das nicht irgendwie unter der Wirtschaftskrise leidet. Auch unter den fünf Ringen Zeichen gibt es Probleme. Den Olympischen Spielen sind zwei große Sponsoren verloren gegangen: General Motors ist verständlicherweise nicht mehr dabei. Der Autobauer befindet sich nach wie vor in einer Restrukturierung und kann sich kaum Werbespots leisten - von einem Mega-Auftritt in Vancouver ganz zu schweigen.

Auch die Bank of America und die Baumarktkette Home Depot haben sich aus dem Kreis der Sponsoren zurückgezogen. Die drei Großkonzerne haben allein während der letzten beiden Spiele insgesamt 45 Millionen Dollar in die olympischen Kassen gespült. Bereits vor zwei Jahren haben sich der Pharmariese Johnson & Johnson, der Fotospezialist Eastman Kodak und der Versicherer ManuLife abgemeldet.

Amis müssen auf's Podium

Geblieben sind vor allem einige Konsumgiganten, die den "family appeal" der Olympischen Spiele nutzen und während der tagelangen Fernsehübertragungen tatsächlich alle Generationen eines Haushalts erreichen: Procter & Gamble gehört nach wie vor zu den Top-Partnern der Veranstaltung, ebenso Coca-Cola und McDonald's.

Der auf amerikanischer Seite vielleicht wichtigste Partner der Spiele ist und bleibt NBC. Die Fernsehtochter von General Electric hat 820 Millionen Dollar für Übertragungsrechte nach Vancouver überwiesen - das Geld will erst einmal wieder verdient sein. Solange viele amerikanische Sportler zu den Favoriten zählen, darunter die eingangs genannten Vonn, White und Ohno, dürfte die Rechnung aufgehen. Schwächelt die US-Delegation allerdings, sieht es auch für NBC düster aus. Denn in Amerika gilt: Wenn kein Ami auf dem Podium steht, schaltet die Nation aus. Die Quoten sinken, die Werbeeinnahmen brechen ein.

Umso genauer schaut die Wall Street auf den Medaillenspiegel: Experten haben vor Beginn der Spiele Hochrechnungen aufgestellt und versucht, die Performance der Sportler in Zahlen zu fassen. Das ist nicht leicht. Schon bei den Sommerspielen ist es schwer, Sieger vorauszuberechnen. Im Winter ist es noch schwieriger, schließlich sind Stars auf Schnee und Eis kaum berechenbar - es kommt regelmäßig zu Unfällen und überraschenden Platzierungen.

Kanada vor den USA

Dennoch hat man im Vorfeld der Spiele Computer mit allen möglichen Daten gefüttert. Bisherige Platzierungen, direkte Vergleiche mit Konkurrenten, aber auch olympia-geschichtliche Daten wie frühere Medaillenspiegel. Die Sportanalysten des Wall Street Journal kommen nach ihren Berechnungen auf 33 Medaillen für die USA, wovon 10 golden glänzen sollen. Man hat wohlgemerkt Alpin Star Lindsey Vonn für drei Goldmedaillen eingerechnet, was wegen ihrer aktuellen Schienbeinverletzung alles andere als sicher ist.

Das Wall Street Journal sieht die USA in seiner Prognose auf dem zweiten Gesamtplatz, gleich hinter Kanada. Die Ausrichter der Spiele sollen Nach Meinung der Analysten mit 37 Medaillen abschließen. Eine unabhängige Studie des Sportstatistikers John Dewan sieht das genau so. In 1000 Computersimulationen der Spiele holten die Gastgeber 772 Mal die meisten Medaillen, 240 Mal hatten die Amerikaner die Nase vorn. Immerhin 84 Mal siegte die deutsche Mannschaft, die in den meisten Statistiken auf den dritten Platz prognostiziert wird.

Bei NBC hat man wohlgemerkt seine eigenen Prognosen angestellt - immerhin geht es um viel Geld. Bitter ist dabei, dass man selbst im besten Fall mit einem Verlust von 250 Millionen Dollar rechnet. So einen Aufschlag sind die Spiele dem Sender allerdings wert. Immerhin lassen sich zwischen Sportschalten mit Rekordquoten auch weitere Programme ankündigen, für die der zurzeit angeschlagene Sender dringend ein Publikum begeistern muss. Gelingt dass, hätten die Olympischen Spiele für NBC - und damit auch für General Electric - noch weit über den Winter hinaus Potenzial.

Quelle: ntv.de