Marktberichte

Amazon - das "Erste Mal" Nasdaq nicht beglückt

Achselzucken auf dem Börsenparkett - deutliche Minuszeichen gab es beim Dow Jones, die Technologiebörse Nasdaq erwischte sogar einen richtig schwarzenTag. Dabei bekamen die US-Börsen eigentlich alles, was sie für einen guten Handelstag brauchen: den ersten Quartalsgewinn in der Amazon-Geschichte, gute Nachrichten von Lucent Technologies und der Bank of America und schließlich positive Konjunkturdaten - doch es nützte nichts. Die Nasdaq fiel nach positivem Start mit 2,5 Prozent ins Minus auf 1.883 Punkte, der Dow Jones gab 0,6 Prozent auf 9.714 Zähler nach.

Auf die neuen Konjunkturdaten konnten die Abschläge an den Märkten nicht geschoben werden, denn der Ausblick auf die Entwicklung der US-Wirtschaft in den nächsten drei bis sechs Monaten hat sich im Dezember deutlich aufgehellt. Der Index für die US-Frühindikatoren sei im Dezember 2001 im Vergleich zum Vormonat um 1,2 Prozent auf 111,4 Indexpunkte gestiegen, teilte das private Wirtschaftsforschungsinstitut Conference Board am Dienstag mit. Dies sei der stärkste Anstieg seit November 1996, hieß es weiter. Analysten hatten nur mit einem Anstieg um 0,8 Prozent gerechnet.

Auch nach Einschätzung des Präsidenten der Federal Reserve Bank of Dallas, Robert Mc Teer, hat sich die US-Wirtschaft in den vergangenen zwei Monaten wieder etwas stabilisiert. Es sei aber zu früh um festzustellen, ob bereits eine Erholung von der Rezession eingesetzt habe, hieß es weiter. Das zuletzt gestiegene Verbrauchervertrauen und der Anstieg des Indexes führender Wirtschaftsindikatoren des US-Forschungsinstituts Conference Board in den vergangenen Wochen seien Anzeichen für einen Fortschritt.

Gut die Hälfte der 30 Dow-Jones-Unternehmen und 155 der S&P 500-Unternehmen werden in dieser Woche zudem ihre Zahlen vorlegen. Den Anlegern dürfte eine ähnlich stürmische Woche wie die vergangenen bevorstehen, als Intel, IBM und Microsoft die Börsen auf Talfahrt schickten während Compaq und Yahoo für steigende Kurse sorgten, so ein Händler.

Infineon mußte unter anderem als Prügelknabe herhalten. Der trübe Geschäftsausblick des deutschen Halbleiterherstellers hat nach Händlerangaben die Technologiewerte an den New Yorker Aktienmärkten nach zunächst positivem Start im Verlauf ins Minus gedrückt. Die Prognose des Unternehmens hätte die Anleger daran erinnert, dass bis zu einer Erholung der Unternehmensgewinne noch ein weiter Weg zurückzulegen sei, sagten Börsianer.

Die Blue Chips seien von Sorgen der Investoren über die Konsequenzen des Konkursantrages der US-Supermarktkette Kmart belastet worden. Der zweitgrößte US-Einzelhändler kündigte am Dienstag an, man habe Gläubigerschutz nach Chapter 11 des US-Konkursrechts beantragt. Am Montag hatten verschiedene Zeitungen bereits über einen solchen kurz bevorstehenden Schritt des Unternehmens gemutmaßt. Die Aktie brach 60 Prozent auf 0,69 US-Dollar ein.

Im Internet scheinen die Geschäfte da schon besser zu laufen, zumindest bei Amazon.com. Der Online-Händler hat im vierten Quartal des vergangenen Geschäftsjahres den ersten Gewinn der Unternehmensgeschichte verbucht - und das sogar Netto. Der Reingewinn pro Aktie habe im abgelaufenen Quartal 1 Cent betragen, so das Unternehmen. Im vergleichbaren Vorjahresquartal hatte Amazon noch einen Verlust je Aktie von 1,53 Dollar verbucht. Der Pro-Forma-Gewinn habe bei 9 Cent gelegen und übertraf damit die Erwartungen von Analysten, die nur mit einem Pro-Forma-Gewinn zwischen 4 und 8 Cent gerechnet hatten. Als Grund für das gute Ergebnis nannte Amazon vor allem das besser als erwartet gelaufene Weihnachtsgeschäft. Die Amazon-Aktie schnellte 24 Prozent auf 12,6 US-Dollar nach oben.

Gute Nachrichten gab es auch von Lucent Technologies. Der Telekom-Ausrüster hat seinen Verlust je Aktie im ersten Quartal auf 23 Cent von 42 Cent im vergleichbaren Vorjahresquartal deutlich reduziert. Analysten hatten durchschnittlich mit einem Verlust je Anteilsschein von 24 Cent gerechnet. Für die Zukunft zeigte sich Lucent optimistisch: im zweiten Quartal rechnet das Unternehmen mit einer Umsatzsteigerung von bis zu 15 Prozent. Die Aktie legte 0,2 Prozent auf 6,70 US-Dollar zu.

Höhere Einnahmen aus dem Kreditkarten- und Hypothekengeschäft haben der drittgrößten US-Bankengruppe Bank of America einen Anstieg des Quartalsgewinns um fast 50 Prozent auf 2,06 Milliarden Dollar oder 1,28 Dollar je Aktie beschert. Wall Street-Analysten hatten nur mit einem Gewinn von 1,24 Dollar je Aktie gerechnet. Die Papiere legten 3,1 Prozent auf 62,67 US-Dollar zu.

Der US-Pharmakonzern Merck hat seinen Gewinn im vierten Quartal um 5 Prozent auf 81 Cent je Aktie gesteigert und damit die Erwartungen von Analysten genau getroffen. Ausblickend auf 2002 sagte Merck man könne gut mit den derzeitigen Gewinnprognosen leben. Im vergangenen Monat hatte Merck allerdings gewarnt, dass der Gewinn je Aktie in 2002 wahrscheinlich kaum verändert gegenüber 2001 sein werde. Die Aktie stieg 2,2 Prozent auf 59,29 Dollar.

Der US-Pharma- und Medizintechnikkonzern Johnson & Johnson hat im Schlussquartal 2001 Gewinn und Umsatz gesteigert.1,1 Milliarden US-Dollar oder 36 Cents je Aktie wurden verdient. Damit wurden die Analystenerwartungen getroffen. Für das Gesamtjahr 2002 wurde zudem die Geschäftsprognose bestätigt. Die Aktie gab dennoch leicht um 1 Prozent auf 59,12 US-Dollar nach.

Die Aktien des Mischkonzerns Tyco International stiegen 2,4 Prozent auf 47,55 US-Dollar. Das Unternehmen hatte zuvor mitgeteilt, es wolle sich in vier unabhängige börsennotierte Gesellschaften aufspalten.

AOL Time Warner dementierte einen Zeitungsbericht, wonach man am Anbieter des alternativen Linus-Betriebssystems, Red Hat, interessiert sei. Man befinde sich in keinen Übernahmegesprächen, hieß es von AOL. Die AOL-Aktie fiel 4 Prozent auf 28,40 US-Dollar. Die Red Hat-Aktie gab sogar knapp 12 Prozent auf 7,44 US-Dollar nach.

Die Aktie des Softwareherstellers Ariba geriet nach Bekanntgabe der Ergebnisse für das abgelaufene Quartal ebenfalls schwer unter Druck. Das Unternehmen hatte über einen Verlust berichten müssen nach einem Gewinn im Vorjahr. Der Verlust belief sich auf 6,9 Mio. US-Dollar bzw. 3 Cents pro Aktie gegenüber einem Gewinn von 14 Mio. Dollar bzw. 5 Cents pro Aktie im Vorjahr. Analysten hatten einen Verlust von 5 Cents pro Aktie erwartet. Der Umsatz im Quartal fiel von 170,2 Mio. US-Dollar im Vorjahr auf nun 55,3 Mio. US-Dollar. Das Papier gab knapp 13 Prozent auf 5,93 US-Dollar nach.

Das amerikanische Analystenhaus Goldman Sachs hat die Aktie des Server-Herstellers Sun Mircosystems unter Druck gebracht. Grund ist eine Herabsetzung der Gewinnerwartungen nachdem Sun am Freitag die Zahlen für das vergangene Quartal präsentiert hatte. Statt 16 Cents je Aktie erwartet Goldman jetzt nur noch einen Gewinn von 10 Cents je Aktie für das Jahr 2002. Die Kaufempfehlung wurde allerdings beibehalten. Trotzdem gingen für die Sun-Aktie am Dienstag die Lichter aus: Knapp 10 Prozent betrug der Abschlag auf 10,96 US-Dollar.

Quelle: n-tv.de