Marktberichte

Nasdaq schwächelt Nemax geht Puste aus

Für den Neuen Markt hat es am Dienstag nicht für ein Plus gereicht. Und das, obwohl Amazon und Lucent Technologies mit guten Nachrichten für eine kurzzeitige Rally an der Frankfurter Wachstumsbörse sorgten. Doch wie gewonnen - so zerronnen, lautete am Ende das Tagesresümee. Die Schwäche der Nasdaq ließ auch beim Nemax die Kräfte schwinden. Ein Abschlag von 0,8 Prozent auf 1.154 Punkte musste der Nemax 50 verkraften, der Nemax All Share ging mit einem Minus von 0,2 Prozent bei 1.113 Zählern aus dem Tag.

Am frühen Nachmittag sah alles noch recht positiv aus: Für die gute Stimmung sorgte vor allem der Online-Händler Amazon.com, der den ersten Quartalsgewinn in der Unternehmensgeschichte bekannt gab. Im vierten Quartal des vergangenen Geschäftsjahres habe man dank eines gut gelaufenen Weihnachtsgeschäfts einen Gewinn von 1 Cent je Aktie erwirtschaftet, so das Unternehmen. Pro-Forma habe der Gewinn je Aktie bei 9 Cent gelegen. Die Erwartungen von Analysten, die 8 Cent prognostiziert hatten, wurden damit übertroffen.

Positive Nachrichten gab es auch von Lucent Technologies. Der weltgrößte Telekom-Ausrüster hat im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres einen operativen Verlust von 23 Cent je Aktie eingefahren, konnte damit aber die Erwartungen von Analysten, die 24 Cent prognostiziert hatten, übertreffen. Der Umsatz sank auf 3,47 Milliarden Dollar von 3,8 Milliarden im vergleichbaren Vorjahresquartal. Für das zweite Quartal erwartet Lucent allerdings einen Umsatzanstieg zwischen 10 und 15 Prozent im Vergleich zum Vorquartal.

Und auch die Nachrichten von Unternehmen des Neuen Marktes konnten sich durchaus sehen lassen: Das für Versicherer und Finanzdienstleister tätige Beratungs- und Softwarehaus FJA hat im Geschäftsjahr 2001 seine Umsatz- und Ergebnisziele erreicht. Nach vorläufigen Geschäftszahlen habe man den Umsatz um 34 Prozent auf 112 Millionen Euro steigern können. Das operative Ergebnis sei um 48 Prozent auf 20,6 Millionen Euro gestiegen, so das Münchener Unternehmen. Der Nettogewinn werde sogar um 56 Prozent über dem des Vorjahres bei 13,6 Millionen Euro liegen. Die Aktie fiel dennoch 0,6 Prozent auf 50,45 Euro.

Kleindienst Datentechnik hat von der Central Bank of Nigeria einen Auftrag über 9,3 Millionen Euro erhalten. Im Rahmen des Auftrages werde Kleindienst bei der Bank Lösungen zur automatischen Archivierung von Dokumenten wie Kundenakten bereitstellen. Die Aktie legte 13 Prozent auf 3,46 Euro zu und war damit der Tagessieger.

Unter Druck standen die Papiere von Aixtron, die 6,2 Prozent auf 24,20 Euro nachgaben. Die Investmentbank ABN Amro hat die Aktien des Herstellers von Anlagen zur Produktion von Verbindungsleitern auf "reduzieren" von zuvor "halten" heruntergestuft. Das Kursziel nannten die Analysten mit 19 Euro.

Der Versicherungskonzern Allianz wird Erwartungen aus Finanzkreisen zufolge ein erneutes Angebot für den zum Verkauf stehenden Online-Broker Consors abgeben. "Die Allianz hat keine Online-Marke und kann es sich leisten, für 500 Millionen Euro eine zu kaufen", hieß es in den Kreisen. Die Allianz hatte bereits vor etwa einem Jahr über eine Übernahme von Consors verhandelt. Die Gespräche waren damals jedoch unter anderem am Preis gescheitert. Die Consors-Aktie profitierte allerdings nicht von diesem Gerücht und gab 0,9 Prozent auf 11,10 Euro nach.

Nach Börsenschluss gab Telegate bekannt, man hätte sich mit BMW im Rechsstreit um den bestehenden Formel 1-Sponsoring-Vertrag außergerichtlich geeinigt. Der Auskunftdienstleister wird dem Automobilhersteller demnach bis zum 31.Januar 2002 3,6 Millionen Euro zahlen. Gegenstand des Rechsstreits waren knapp 19 Millionen Euro. BMW hat sich verpflichtet, nach Eingang der Zahlung, die Klage gegen Telegate zurückzuziehen, hieß es von Telegate. Die beschlossene Restzahlung an BMW belaste zwar die Gesellschaft, so der Auskunftdienstleister, wird jedoch den finanziellen Aufwärtstrend nicht gravierend beeinträchtigen. Die Aktie konnte auf diese Nachricht am Dienstag nicht mehr reagieren. Mit 2,17 Euro ging das Papier aus dem Handel - ein Minus von 4,8 Prozent.

Einer der spektakulärsten Fälle am Neuen Markt fand am Dienstag vorerst ein Ende. Letztes Jahr wurde er als der große Retter von Letsbuyit.com gefeiert, nun kann sich Internet-Unternehmer Kim Schmitz die weitere Entwicklung des Online-Händlers wohl erst mal durch schwedische Gardinen betrachten. Schmitz war nach Angaben der Münchener Staatsanwaltschaft am Freitag in Thailand festgenommen worden und wurde am Dienstag nach Deutschland abgeschoben. In München angekommen wurde Schmitz dem Ermittlungsrichter vorgeführt.

Man ermittele in elf Fällen gegen Schmitz, so die Staatsanwaltschaft. In einem der möglichen Verfahren wird es darum gehen, ob er unter Ausnutzung von Insider-Wissen Aktien des Internethändlers Letsbuyit.com für 375.000 Euro gekauft und kurz danach für 1,5 Millionen Euro abgestoßen hat. Anfang 2001 hatte sich der ehemalige Computer-Hacker mit seiner Kimvestor AG an der Rettung des Internet-Schnäppchenjägers LetsBuyIt.com beteiligt. Dort soll er den Aktienkurs künstlich in die Höhe getrieben haben.

Quelle: n-tv.de

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