Wirtschaft
Nervosität bestimmt den Handel am Rohstoffmarkt.
Nervosität bestimmt den Handel am Rohstoffmarkt.(Foto: REUTERS)
Freitag, 04. März 2011

Sorge um Libyen und Saudi-Arabien: Öl- und Edelmetalle teurer

Auf dem Ölmarkt verursachen Kämpfe in Libyen und Unruhen in Saudi-Arabien Preissprünge. Das Gerangel um den Präsidentenposten im Exportland Elfenbeinküste sorgt derweil für steigende Kakaopreise.

Die Eskalation der Gewalt in Libyen hat auch zum Wochenausklang die Richtung an den Rohstoffmärkten bestimmt. Vor allem die Öl- und Goldpreise zogen nochmals an. Meldungen vom Vorabend über Unruhen in einer ölproduzierenden Region Saudi-Arabiens erhöhten die Angst vor einem Übergreifen der Aufstände auf das wichtigste Opec-Förderland. "Saudi-Arabien ist das größte Risiko in der Region - sie verfügen über die notwendigen Reserven, und wenn es dort zu Unruhen und Produktionsunterbrechungen kommt, dann wird der Ölpreis explodieren", sagte Öl-Analyst Christoph Barret von der Credit Agricole Corporate and Investment Bank. Dies könnte nach Einschätzung vieler Analysten die gesamte weltwirtschaftliche Erholung aus der Bahn werfen.

Brent-Öl verteuerte sich um rund einen auf knapp 116 Dollar je Fass. Die US-Sorte WTI kostete um 103 Dollar und damit ebenfalls rund einen Dollar mehr als im späten Vortagesgeschäft. Auch am Freitag gab es Protestdemonstrationen in verschiedenen Städten Libyens, denen sich Regierungskräfte entgegenstellten. In Tripolis setzten Sicherheitskräfte Tränengas gegen Demonstranten ein, berichtete ein Reuters-Reporter. Die Hoffnung auf einen Friedensplan, der noch am Vortag für etwas Entspannung am Ölmarkt gesorgt hatte, schwand.

Investoren suchten unterdessen vermehrt nach Alternativen zum teuren Rohstoff Öl und setzten als Kraftstoff-Ersatz unter anderem verstärkt auf Biodiesel. Entsprechend zog der Preis für den Basis-Rohstoff Palmöl ebenfalls an. Der in Kuala Lumpur gehandelte Mai-Kontrakt verteuerte sich um 1,7 Prozent auf 3660 Ringgit (865 Euro) je Tonne. Im Wochenverlauf ist der Preis um vier Prozent gestiegen.

Auch die Nachfrage nach dem als sicherer Hafen geltenden Gold hat sich wieder verstärkt. Die Feinunze des Edelmetalls kostete in der Spitze 1422 Dollar und damit gut sechs Dollar mehr als im späten Vortagesgeschäft. Am Vortag hatten Spekulationen auf eine baldige Zinserhöhung der EZB den Goldpreis fallen lassen. Silber kostete 34,70 (spätes Vortagesgeschäft: 34,17) Dollar je Feinunze.

Kakao immer teurer

Der Machtkampf in der Elfenbeinküste hat unterdessen den Kakaopreis weiter angetrieben und ihn neuerlich auf ein 32-Jahres-Hoch steigen lassen. Der US-Kontrakt verteuerte sich um ein Prozent und stieg bis auf 3775 Dollar je Tonne. Der in London gehandelte Future kostete in der Spitze 2408 Pfund Sterling und damit ebenfalls rund ein Prozent mehr. Seit der Präsidentenwahl im November weigert sich der bisherige Amtsinhaber Laurent Gbagbo beharrlich, die Macht an den Sieger, Alassane Ouattara, abzutreten. Nach Angaben der Vereinten Nationen haben die gewaltsamen Auseinandersetzungen seit den Wahlen mindestens 365 Todesopfer gefordert.

Mit ihrer Wertentwicklung ließen die Rohstoffe im Monat Februar einer Berechnung der UniCredit zufolge alle anderen Vermögensklassen hinter sich. "Mit einer Gesamtrendite von bis zu 3,7 Prozent stachen sie selbst viele Industrieländer-Aktienindizes aus", heißt es in einer Studie. "Über die letzten drei Monate hinweg konnten Anleger mit einem Plus von 17 Prozent bei Rohstoffengagements sogar richtig Kasse machen." Der nach oben gerichtete Trend wird sich nach Einschätzung des Instituts fortsetzen. Der Ölpreis dürfte zwar bei einer Beruhigung der Lage im Nahen Osten wieder etwas sinken, im Jahresschnitt sehen die Analysten die Preise aber immer noch um 105 Dollar. Auch die Preise für Gold und Silber dürften weiter steigen. Die Gemengelage aus steigenden Inflations- und Verschuldungsrisiken sowie politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten biete dafür ein extrem günstiges Umfeld.

Quelle: n-tv.de