Marktberichte

Libyen und Weltwirtschaft Ölpreis geht runter

In Libyen ist das Regime von Machthaber Gaddafi am Ende. Die Ereignisse im arabischen Land prägen auch die Ölmärkte - die Preise gehen zeitweise deutlich nach unten. Unterdessen nimmt Goldpreis Kurs auf die Marke von 1900 US-Dollar.

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In Bengasi wird bereits das Ende der Herrschaft Gaddafis gefeiert.

(Foto: REUTERS)

Die Eroberung weiter Teile der Hauptstadt Tripolis durch Rebellentruppen hat am Montag Spekulationen auf eine baldige Wiederaufnahme der libyschen Öl-Exporte geschürt. Der Ölpreis sank daraufhin zeitweise deutlich: Die Nordsee-Sorte Brent verbilligte sich um mehr als 3 Prozent, am Abend notierte der Oktober-Kontrakt auf Brent an der ICE noch 0,2 Prozent im Minus. Auch der Preis für US-Öl WTI sank in der Spitze um 1,4 Prozent auf 81,13 Dollar, erholte sich jedoch im Handelsverlauf wieder deutlich. An der New Yorker Rohstoffbörse Nymex stieg der September-Kontrakt auf ein Barrel Leichtöl der Sorte WTI an seinem letzten Handelstag um 2,3 Prozent auf 84,12 US-Dollar. Der ab Dienstag marktführende Oktober-WTI-Kontrakt rückte um 2,4 Prozent auf 84,42 US-Dollar vor.

In Libyen scheint das Regime des Machthabers Gaddafi vor dem Ende zu stehen. Die libysche Hauptstadt Tripolis ist nach Aussage von Mustafa Abdel Dschalil, Chef des Nationalen Übergangsrats, fast vollständig von den Rebellen erobert.
Libysches Öl wird hauptsächlich an Raffinerien in Südeuropa geliefert, weshalb vor allem die europäische Referenzsorte Brent unter Druck geriet. Nach Meinung von Analysten wird es aber sechs bis zwölf Monate dauern, bis das libysche Angebot wieder das Niveau erreicht, das es vor Beginn der Unruhen in dem Land hatte. Zudem bestehe eine große Nachfrage nach Öl, weshalb eine preisdämpfende Wirkung nur von kurzer Dauer sein dürfte.

Beobachter halten es überdies für wahrscheinlich, dass es auch in anderen Ölförderländern zu Unruhen kommt, die die dortige Produktion lahmlegen. Zudem könnte die Schwäche des Dollar noch längere Zeit fortdauern, was den Ölpreis ebenfalls stützen würde.

Unterdessen erholten sich die US-Aktienmärkte etwas von ihren jüngsten Verlusten. Die Anleger hofften, dass die US-Notenbank angesichts der zuletzt überwiegend schwachen Konjunkturdaten neue wirtschaftliche Stimuli beschließen werde, hieß es.

Run auf Gold und Platin

Die Rezessionsangst vieler Anleger trieben den Goldpreis den dritten Handelstag in Folge auf ein Rekordhoch. Das Edelmetall verteuerte sich um 2,4 Prozent auf 1896,83 Dollar je Feinunze. "Wir rechnen für die kommenden Monate nicht mit Unterstützung durch die US-Konjunktur", sagte UBS-Rohstoffanalyst Tom Price. Die Aussichten für Europa schätze er sogar noch schlechter ein. "Kurzfristig ist ein Goldpreis von 1900 bis 2000 Dollar das nächste Ziel." 

Im Windschatten des Rekordhochs beim Gold kletterte der Platinpreis am Montag auf den höchsten Stand seit drei Jahren. Das Edelmetall verteuerte sich um 1,6 Prozent auf 1904,15 Dollar je Feinunze. Aus Sorge um die Aussichten der Weltwirtschaft schichteten Anleger wieder vermehrt in Edelmetalle um.

Quelle: n-tv.de, nne/rts