Marktberichte

Zwischen Fed, Tokio und Nikosia Ölpreise geben nach

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Sieht unübersichtlich aus, folgt aber dennoch einem Plan: In diesem Rohrgewirr raffinieren Total-Techniker Rohöl zu Benzin und Diesel.

(Foto: REUTERS)

Die Unruhe der Zypernkrise ruft an den Rohstoffmärkten gegenläufige Reaktionen hervor: Während sich die Notierungen für Rohöl aus den USA und der Nordsee zurückziehen, geht es bei den Industrie- und Edelmetallen deutlich nach oben.

Mit bekräftigten Richtungssignalen der US-Notenbank im Rücken steuern Rohstoffinvestoren weiter durch das schwere Fahrwasser der Zypernkrise. Im Handel mit Rohöl geben die Preise leicht nach. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Mai-Lieferung kostet am Vormittag 108,30 US-Dollar. Das waren 32 Cent weniger als am Vorabend. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) sank um 51 Cent auf 92,99 Dollar.

Am Markt war zunächst von einer leichten Gegenbewegung zu der Erholung am Vortag die Rede. Fundamentale Impulse hätten sich abgesehen von der Fed-Enscheidung vom Vorabend in engen Grenzen gehalten. Unterstützt wurden die Ölpreise von den überwiegend freundlichen Börsen Asiens. Dort wurden neue Stimmungsdaten aus der chinesischen Industrie positiv aufgenommen. Zudem sorgt die Erwartung auf eine noch expansivere Geldpolitik in Japan für gute Stimmung. Am heutigen Donnerstag wird sich der neue Notenbankchef Haruhiko Kuroda erstmals der Presse stellen.

Die US-Wirtschaft befindet sich nach Ansicht der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) auf dem Wege der Erholung. Um diese Entwicklung weiterhin zu unterstützen, halten die Währungshüter bis auf weiteres an ihrer expansiven Geldpolitik fest. Bei der Pressekonferenz nach der Zinsentscheidung sagte Bernanke, das Wertpapierankaufprogramm QE3 sei für die Notenbank "zu händeln". Seit Januar kauft die Fed jeden Monat Hypothekenpapiere und US-Staatsanleihen für 85 Mrd. US-Dollar. Das will sie so lange tun, bis die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent fällt. Derzeit steht sie bei 7,7 Prozent. Gleichzeitig nahmen die Notenbanker ihre Prognose für das diesjährige Wachstum der US-Wirtschaft leicht zurück. Dafür rechnen sie nun mit einer etwas geringeren Arbeitslosenquote als bisher.

Bei der zuvor stattfindenden Sitzung des Offenmarktausschuss (FOMC) änderten die Währungshüter die Geldpolitik wie erwartet nicht. Sie beließen den Leitzins nahe Null und hielten das Volumen für die Wertpapierkäufe stabil. Bernanke machte deutlich, dass die Fed bei der Geldpolitik Kurs halten will. Zwar könne "die Zentralbank ihre Anleihenankäufe jeden Monat anpassen", das werde aber nicht sehr häufig passieren. In den letzten Wochen war in den USA intensiv diskutiert worden, ob die Notenbank aus Furcht vor einer anziehenden Inflation nicht eher aus QE3 aussteigen oder das Volumen senken sollte.

Im Handel mit Industriemetallen wie etwa Kupfer bleiben die Sorgen um die Finanzstabilität Zyperns weiter im Hintergrund. Der Preis für eine Tonne Kupfer liegt zuletzt 0,7 Prozent höher bei 7670 Dollar. "Offensichtlich gehen die Marktteilnehmer nicht von einer Ausbreitung der Zypern-Krise aus und konzentrieren sich eher auf fundamentale Rahmendaten", hatten die Analysten der Commerzbank die Lage kommentiert.

Zypern kein dicker Brocken

Die Unsicherheit über die Entwicklung in Zypern sowie enttäuschende Konjunkturdaten aus der Eurozone haben nach Ansicht von Marktbeobachtern den Preis für Gold gestützt. Die Feinunze notierte mit 1607,76 Dollar 0,1 Prozent höher. Die Marktteilnehmer dürften genau beobachten, wie es in Sachen Zypern weitergeht, erklärten die Analysten der Commerzbank. "Eine längere Hängepartie würde dem sicheren Hafen Gold zugute kommen."

Viele Börsianer fürchten, dass die Zypern-Krise die Eurozone wieder zurückwerfen könnte und damit die Europäische Zentralbank (EZB) wieder stärker gefragt wäre. Zypern sei weder für die Wirtschaft noch die Finanzindustrie ein dicker Brocken, ergänzte Dominic Schnider, Analyst bei UBS Wealth Management in Singapur. "Am Ende geht es um die Frage, ob die Inflation hoch ist oder nicht. Sollte man der Ansicht sein, dass die Preise schneller als die Zinsen steigen werden, dann könnte Gold in einem Jahr wieder bei 1800 Dollar liegen", fügte Schnider hinzu.

Die Preise für die übrigen Edelmetalle entwickelten sich unterschiedlich: Silber verteuerte sich um 0,5 Prozent auf 28,90 Dollar und Platin um 0,2 Prozent auf 1578 Dollar. Der Preis für Palladium gab leicht 0,1 Prozent auf 755,97 Dollar nach.

Quelle: ntv.de, DJ/dpa/rts

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